Geldverleih

Nun ja, wir waren gerade ein paar Wochen in Cebu City gewesen, als meine Frau mir von den „Money Lendern“ erzaehlte, die insbesondere fuer die kleinen Leute im Markt Bargeld zur Verfuegung stellten und dafuer horrende Zinsen nahmen. Zwanzig Prozent pro Monat waren ueblich und die Geldgeber waren in fast allen Faellen Chinesen. Die Inder stiegen erst Anfang der 90er Jahre in dieses Geschaeft ein, kontrollieren es heutzutage aber fast vollstaendig. Meine Frau wollte sich an diesem Geschaeft beteiligen und war gewillt Geld fuer 10% pro Monat zu verleihen, was aber immer noch ein „unverschaemter Zinsatz“ war.

Sie ging also auf den Markt in Mabolo – das war damals noch ein sehr kleiner Markt – und fand auch innerhalb der ersten Tage genug Kunden, so dass die ersten 50k recht schnell an die verschiedensten Leute verliehen war, wobei keiner mehr als 1000 Pesos fuer die erste Kreditaufnahmen bekommen konnte. Steigern wollte sie das ganze je nach Zuverlaessigkeit der Rueckzahlung.

Jeden Tag ging sie selbst auf den Markt und kassierte die ausstehenden Zahlungen einschliesslich der Zinsen. Das ganze lief hervorragend und die Gewinne waren mit 10% pro Monat ja immer noch recht ordentlich. Innerhalb von zwei Monaten hatten wir etwa 200k Aussenstaende, aber es gab auch den entsprechenden taeglichen Ruecklauf. Zahlungen waren bis dahin immer sehr zuverlaessig gewesen.

Da die Kassiererei nun etwas viel wurde, sprach eine Haendlerin Inday darauf an, doch ihr das Kassieren teilweise zu uebertragen und damit weniger Zeit im Markt verbringen zu muessen, denn die war mittlerweile auf etwa vier Stunden taeglich angestiegen. Dazu kam natuerlich die entsprechende Buchfuehrung und sie war insgesamt taeglich mindestens sechs Stunden beschaeftigt, wobei die Buchfuehrung fuer mich ein wenig ungeordnet und schlampig wirkte, aber solange sie durch blickte, redete ich da nicht drein.

Die Frau hiess Jovi, war Mitte dreissig und anfaenglich klappte das ganze auch sehr gut. Dann begann Jovi eigene Kunden zu bringen und der gesamte Rueckfluss und Gewinn begann ins Geschaeft zu fliessen. Nach vier Monaten im Geschaeft waren die Kredite auf 500k angestiegen. Nun schlichen sich bei Jovi erste Zahlungsverzoegerungen ein. Nichts von Bedeutung wirklich, aber hier ein Tag und dort ein Tag summiert sich halt. Zudem wollten Leute ihre Kredite vorzeitig abloesen um neue bekommen zu koennen, und hier stellte sich dann Jovis Arbeit als sehr nachlaessig heraus. Zumindest glaubten wir das. Erst wurde nur einige Tage vor dem Ende der „Kreditlaufzeit“ abgeloest, aber dann wollten manche schon nach der halben Laufzeit abloesen, und hier riet ich meiner Frau ab, und meinte dass eine Woche das Maximum sein sollte, damit Kunden den „loan“ vorzeitig abloesen konnten. Meine Frau stimmte zu und nach einigen Tagen begannen die Zahlungsverzoegerungen zu steigen. Immer oefter kam meine Frau nach Hause und berichtete einmal mehr, dass Jovi von ihren Kunden nicht kassieren konnte.

Meine Frau entschied nun, dass Jovi keine Kredite mehr geben konnte und Jovis Kunden muessten eben zu ihr kommen, wobei sie lieber die zusaetzliche Arbeit in Kauf nahm, als Jovi das weiter hin zu ueberlassen. Erstaunlicherweise kamen aber nur einige. Die anderen wollten nur ueber Jovi arbeiten, erzaehlte diese. Meine Frau wurde nun mistrauisch und verlangte alle genauen Adressen, denn bis  her waren das ja nur Namen gewesen. Es passierte was passieren musste, Jovi meinte sie wisse die genauen Adressen nicht, aber alle wuerden bezahlen, solange sie auch neue Kredite bekommen koennten.

Nun wurde ich hellhoerig. Sollte da Peter „beraubt“ werden, um Paul zu bezahlen? Ich sprach mit meiner Frau und wir stimmten ueberein, auf keinen Fall mehr etwas ueber Jovi zu machen. Inday beschwerte sich beim Barangay Captain, der Jovi kommen liess. Ich war zu der Zeit schon haeufig in Surigao und musste das meiner Frau ueberlassen. Der fiel es auch schwerer, da sie ja mit unserer Tochter schwanger war.

Beim Barangay Captain platzte dann die „Bombe“. Jovi gab zu, dass die meisten ihrer Kunden nicht existierten und das Geld habe sie fuer ihr Geschaeft verwendet und sie wuerde alles zurueck zahlen. Das waren immerhin ueber 80k, die da bei ihr ausstanden, und das war 1987 eine Menge Geld. Sie unterschrieb eine entsprechende Erklaerung und meine Frau versuchte nun von ihr zu kassieren, was aber nicht moeglich war, da ihre Geschaefte angeblich sehr schlecht gingen, aber mit einem neuen Kredit kaeme sie schnell wieder auf die Beine. Man stelle sich nur die Unverschaemtheit vor; da war sie einer Betrugsanzeige entgangen beim Captain und nicht nur, dass sie die Vereinbarung brach, nein sie hatte die Unverfrorenheit mehr Geld zu fordern. Sie bekam es natuerlich nicht und war sehr veraergert und begann herum zu erzaehlen, dass sie von meiner Frau betrogen worden sei. Das veraergerte den „grossen Bruder“ meiner Frau, der diese Angelegenheit mit einigen „Watschn“ erledigte. Zumindest war Jovi danach ruhig gestellt, was uns unser Geld natuerlich nicht zurueck brachte.

Im Dezember kuendigte meine Frau dann im Markt an, dass es keine neuen Kredite gaebe, da sie nach Dinagat umziehen wuerde, wo ich mich eh schon die meiste Zeit aufhielt. Der Umzug war fuer die Zeit nach ihrer Entbindung geplant.

Leider nutzten einige Kreditnehmer von Indays eigenen Kunden das aus und  setzten sich voruebergehend ab um nicht bezahlen zu muessen. Die meisten bezahlten aber bis zum Ende.

Als alles abgerechnet war, hatten wir am Ende trotz des grossen Betrages bei Jovi zwar kein Geld verloren, aber wir hatten fast auch nichts verdient. Am Ende stand ein Gewinn von knappen 20k zu Buche. Das war fuer sechs Monate natuerlich nicht viel.

Bei gelegentlichen spaeteren Besuchen in Cebu versuchte meine Frau zwar noch Aussenstaende zu kassieren, aber bekommen hatte sie keinen mueden Peso mehr.

Bedauerlicherweise gab es damals keine Foren, wo man vor solchen Geschaeften und Methoden gewarnt wurde und man musste leider alle Erfahrungen selbst machen.

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    Nach einer solchen Erfahrung würde ich auch ganz sicher nicht mehr Geld zur Verfügung stellen. Am Ende muss man ja tatsächlich aufpassen, dass man nicht noch selbst drauf zahlt und das sollte ja nicht Sinn dieser Sache sein.

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