Georg und Otto 1. Teil

Nachdem Otto ja nun mit seiner Pflanzerei ganz erfolgreich war – erfolgreich bedeutet hier, dass er genug fuer seinen Lebensunterhalt verdiente – verhielt er sich in den naechsten Wochen eigentlich ganz friedlich und normal. Wir waren sicher keine Freunde geworden und die Besuche beschraenkten sich in erster Linie auf das Geschaeftliche.

Eines Tages war ich wie so oft beim ausliefern in Cagayan, aber es war spaet geworden und so musste ich in Malaybalay uebernachten. Dort traf ich beim Abendessen einen jungen Deutschen namens Georg. Er war ein sehr angenehmer Mensch und es tat gut sich mit ihm zu unterhalten. Er fragte mir fast ein Loch in den Bauch und am Ende wollte er wissen, ob ich nicht jemanden kenne, der sein Cebuano weiter verfeinern koennte. Er hatte vorher auf Negros gelebt und dort Cebuano gelernt und sprach es recht fliessend, weitaus besser als ich. Nun Inday hatte dort weitlaeufige Verwandte und die Tante war eine Lehrerin auf der High School, und so schlug ich ihm vor es doch mit der Tante zu versuchen.

Am naechsten Morgen trafen wir uns nach dem Fruehstueck und fuhren zu Indays Tante. Die war recht angetan von dem Vorschlag zudem es ja 100 Pesos pro Unterrichtsstunde zu verdienen gab und so blieb Georg gleich fuer die erste Stunde dort und ich fuhr weiter nach Maagnao, aber nicht ohne den Georg vorher noch auf einen Besuch eingeladen zu haben.

Etwa eine Woche spaeter kam der Georg zu uns um einige Tage zu bleiben. Er schwaermte vom guten Unterricht den er erhielt und er gewann die Herzen der Dorfbewohner im nu, nicht nur weil er eine stille sympathische Erscheinung war, sondern eben auch wegen seiner Cebuano Kenntnisse, denn Cebuano war die Ueberbrueckungssprache in dieser Ecke.

Georg wollte unbedingt einige Tage im Wald wandern und auch auf den Mount Kitanglad klettern und so verhandelten wir mit einigen einheimischen Tala-andig, da das ohne Fuehrer sicher nicht zu empfehlen ist. Einmal mehr erwies sich Victorino als wahre „Fundgrube“ und kam nach eingen Tagen mit zwei jungen Maennern, die den Georg fuehren sollten. Aber Georg wollte noch einmal kurz nach Malaybalay um einiges zu holen vor dem Abmarsch. Und so fuhr er eben am naechten Morgen los.

Als Georg zurueck kam, ueberraschte er uns, denn er holte nur seine Sachen, die er da gelassen hatte und meinte, er werde zum Otto umziehen. Er hatte Otto im Jeepney getroffen und der hatte ihn vor uns gewarnt und was wir fuer boese Menschen seien. Wir haetten ihn ja angeblich bestohlen, wie ich vorher in der ersten Geschichte schon erzaehlt hatte.

Aber Georg schien dem Otto zu glauben und „zog um“.  Naja er wuerde mit Otto sicherlich einiges erleben. Als Victorino kam, erzaehlte ich ihm vom Georgs Umzug und er ging zum Otto, um alles fuer den Trip in die Wildniss klar zu machen.

Ich erfuhr dann nur noch von Joseph, dem Barangay Sekretaer, dass Georg mit drei Einheimischen in die Waelder gezogen sei. Die naechste Ueberraschung kam, als wir 10 Tage spaeter ueber Funk von Malaybalay benachrichtigt wurden, dass ich sofort zu Indays Tante kommen solle. Auf die Frage nach dem Warum, konnte mir der „Anrufer“ keine Antwort geben.

Ich fuhr also am naechsten Morgen los und als ich dort ankam, wurde mir gesagt, dass die Mutter von Georg angerufen hatte und nach Georg fragte. Die Verwandten wussten nichts naeheres und hatten mich deshalb kommen lassen. Als die Mutter dann am spaeten Nachmittag anrief, erzaehlte sie mir folgende Geschichte: „Ich habe vor drei Tagen einen Brief bekommen, der mit DHL verschickt worden war und in dem ein gewisser Otto erzaehlte, dass mein Sohn waehrend einer Feier im Dorf in eine Schlaegerei verwickelt gewesen sein soll und nun im Krankenhaus laege. Die Operation und der Aufenthalt in der Klinik sollten 10.000 Mark kosten und eine Kontonummer war angegeben, wohin ich das Geld schicken sollte. Der Schreiber betonte auch, dass er bis jetzt alle noetigen Zahlungen vorgeschossen habe. Ich war natuerlich total in Sorge und machte umgehend eine telegraphische Anweisung. Aber gestern besuchte mich eine Bekannte mit zwei amerikanischen Freunden und als ich denen die Geschichte erzaehlte, warnten sie mich wegen moeglichen Betruges. Ich rief darauf hin die Botschaft in Manila an, und die riet mir erst mal mit dem Krankenhaus zu sprechen. Da ich aber nur die Nummer von ihren Verwandten von meinem Sohn bekommen habe, rief ich dort an und die verwiesen mich an Sie. Koennen sie die Krankenhaeuser besuchen und nachfragen?“

Ich antwortete: „Frau F. bitte machen sie sich keine Sorgen, ihr Sohn ist mit Einheimischen in die Waelder gezogen und sollte in vier oder fuenf Tagen wieder da sein. Es sieht so aus, als ob Otto die Gunst der Stunde nutzte, um sie zu betruegen. Haette es da eine Schlaegerei gegeben, wie Otto sagt, dann wuesste ich sicherlich davon.“

„Mein Gott was mache ich jetzt? Ich habe doch das Geld geschickt,“ jammerte sie.

„Rufen sie ihre Bank an und lassen sie den Auftrag sofort zurueck buchen. Wenn sie Glueck haben, dann ist das Geld noch unterwegs oder auf der Bank. Und lassen sie es mich bitte wissen, ob das geklappt hat. Ansonsten muesste ihr Sohn hier gleich auf die Polizei, um von dem Geld zu retten, was noch zu retten ist. Ich bleibe bis morgen am fruehen nachmittag hier. Sollte es spaeter sein, koennen sie meine Vewandten informieren und die wissen, wie sie mich erreichen koennen,“ erklaerte ich ihr.

Nach dem Gespraech wollten Indays Familienmitglieder natuerlich wissen, was passiert war und ich erzaehlte die ganze Geschichte. Sie reagierten empoert und waren ueberrascht, dass es unter den Auslaendern auch Lumpen gaebe.  Wir diskutierten noch eine Weile darueber, sprachen aber danach von anderen Dingen. Ich rief die Bank an, um sie zu informieren, aber die sagten klipp und klar, dass sie ohne Power of Attorney vom Sender eine Abhebung nicht verhindern koennen. Sie sagten mir auch nicht, ob das Geld schon da sei, beziehungsweise schon abgehoben waere.

Danch ging ich zurueck zur Verwandtschaft und wie so oft erlebte ich einen schoenen Abend dort und am naechsten Tag gegen ein Uhr nachmittags, rief  die Mutter von Georg an, um mich zu informieren, dass die Bank die Rueckbuchung in die Wege geleitet hatte. Allerdings wuerde es mindestens eine Woche dauern, bis sie wuessten ob es geklappt hatte oder nicht.

Ich fuhr danach nach Hause und dort musste ich alles noch einmal erzaehlen und auch hier wurde ueber den Otto abgelaestert, was er doch fuer ein mieser Kerl sei. Wir besprachen die Sache aber nur im engsten Familienkreis, da ich nicht wollte, dass der Otto von der Rueckbuchung erfuhr.

Nun blieb nur noch das Warten uebrig, wie die ganze Sache wohl ausgehen wuerde.

Fortsetzung folgt

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