Gerechtigkeit und Justiz

Das ist ein sehr heikles Thema. Auch wenn Filipinos selbst dauernd darueber laestern, so haben sie es nicht sehr gerne, wenn man das als Auslaender kritisiert. Auch die Medias ueben laufend Kritik und der Satz „Justice delayed is Justice denied“ ist mindestens einmal woechentlich in irgendeiner Zeitung zu lesen. Auch die Prioritaeten im Strafrecht erscheinen einem dann sehr oft „wunderlich“. Und die Prozentzahl von Urteilen der Gerichte, die entweder vom Court of Appeals oder vom Supreme Court fuer ungueltig erklaert werden, liegt irgendwo bei 40%.

ich will mich aber jetzt eigentlich nicht so sehr im allgemeinen auslassen, sondern eher ein paar Beispiele bringen.

Der Landkauf

Ein guter Bekannter von mir aus Iligan City, der zudem reich und einflussvoll ist, hat folgendes erlebt. Im Jahr 1979 erwarb er von einer Bank 64 Hektar Land in Bukidnon. Dieses Land war vom Eigentuemer beliehen worden, aber der Kredit wurde nie zurueck gezahlt. Darauf beschlagnahmte die Bank das Land und nach einem Jahr, in dem der Eigentuemer das Land zurueck erwerben kann gegen Bezahlung aller austehenden Schulden einschliesslich Zinsen, verkaufte die Bank das Land an meinen Bekannten. Der wollte dort eine Ranch einrichten, aber er und seine Leute wurden mit Waffengewalt vom Land vertrieben. Der alte Eigentuemer war der Meinung, dass das Land weiterhin ihm gehoerte. Mein Bekannter klagte und bekam recht in der 1. Instanz. Der alte Eigentuemer ging in die Berufung und verlor auch in der 2. Instanz. Darauf hin ging der Fall vor das Supreme Court, das dann im Jahre 2007! mit Finalitaet entschied, dass der alte Eigentuemer keinerlei Rechte mehr am Land haette. Mein Bekannter rueckte darauf hin mit dem Sherif (philippinischer Gerichtsvollzieher)  an um das Land nun endgueltig in Besitz zu nehmen, das er 28 Jahre vorher gekauft hatte. Der alte Eigentuemer war mittlerweile verstorben und dessen Soehne schossen sofort. Der Sherif wurde verletzt und mein Bekannter schaute erneut in die „Roehre“. Eine Anzeige wegen Mordversuches bei der Polizei verlief im Sand, weil die auf das sogenannte „Heimrecht“ des Eigentuemers pochte. Er war nun gezwungen erneut zu klagen, da der Anwalt der Soehne argumentierte, dass der alte Eigentuemer das Land nicht haette beleihen duerfen, da er damit die Erbschaft der Kinder schmaelerte. Die Bank haette das wissen muessen und den Kredit nicht genehmigen sollen. Der Witz dabei war, dass alle Soehne den Kreditvertrag mit unterschrieben hatten und so wissentlich auf das Erbrecht verzichteten. Aber wie es auch sei, vor vier Wochen gewann mein Bekannter in der ersten Instanz erneut. Der Anwalt der Soehne hat bereits Berufung eingelegt und damit ist einmal mehr das Court of Appeals zustaendig. Aus Erfahrung erwartet mein Bekannter mindestens weitere 15 jahre bevor der Fall entschieden wird. Er wird es wohl nicht mehr erleben, aber seine Kinder duerfen sich dann weiter mit den Soehnen und Enkeln des alten Eigentuemers herum schlagen. Es ist nicht zu erwarten, dass die das Land ohne Kampf aufgeben. Ueber 30 Jahre sind seit dem Landkauf vergangen. Ein Ende der Streitigkeiten ist aber nicht abzusehen.

Vergewaltigung

Irgendwo auf den Philippinen wurde vor vielen Jahren ein Englaender angeschuldigt, dass er seine Stieftochter vergewaltigt haette. Der Englaender sagte aus, dass er von seiner Frau – die beiden lebten getrennt – unter Druck gesetzt worden war, eine Million Pesos abzudruecken, sonst wird er wegen Vergewaltigung angezeigt; eine Vergewaltigung, die nie statt gefunden hatte. Er bezahlte nicht und die Mutter mit der Tochter zeigten den guten Mann an, der auch prompt verhaftet wurde und bis zur Verhandlung einsass. Zwischen Tat und Verhandlung vergingen schon mal fuenf Jahre, in denen er unschuldig im Gefaengnis war. Bei der Verhandlung, sagte der 17 Jaehrige Sohn und Bruder der beiden „Anschuldiger“ aus, dass er ein Gespraech zwischen Mutter und Tochter gehoert habe, in dem der Plan, den Englaender hinzuhaengen und abzuzocken, ausgeheckt worden war. Das nahm er sogar auf seinen Eid und akzeptierte den daraus resultierenden Streit mit Mutter und Schwester. Zudem war der Englaender zum angegeben Zeitpunkt nicht auf seiner Insel gewesen und brachte drei Zeugen bei, die das vor Gericht bestaetigten. Das Urteil war schockierend, denn der Englaender wurde wegen Vergewaltigung zum Tode verurteilt. Der Richter begruendete den Fall, dass eine Augenzeugenaussage (in dem Falle die Aussage der angeblich vergewaltigten Tochter) ueber Ailibiaussagen zu stellen ist. Dazu zaehlte er auch die Aussage des Bruder. Dieses Urteil ist absolut unverstaendlich und drei Jahre spaeter erklaerte das Supreme Court den Urteilsspruch fuer ungueltig und sprach den Englaender frei. Der hatte die Schnauze nach acht Jahren philippinischem Knast gestrichen voll und dampfte mit dem naechsten Flieger nach England ab.

Libel vs. Rape

Hier erzaehle ich nicht von einem konkreten Fall, sondern eigentlich von „vielen Faellen“. Ueble Nachrede in schriftlicher oder medialer Form (Libel) scheint in diesem Land einen wesentlich hoeheren Stellenwert zu geniessen, als die Vergewaltigung einer Frau oder sogar Mord. Wenn eine Anzeige wegen Libel gemacht wird, geht das meist mit monetaeren Forderungen von 2-10 Millionen Pesos Hand in Hand. Kommt es bei einer Verurteilung zu sagen wir 2-4 Jahren Gefaengnis, dann wird auch meist der Schadensersatz auf den besagten Betrag Teil des Urteils. Fuenf Millionen ist da der Durchschnitt. Bei Vergewaltigung liegt der durchschnittlich zugesprochene Schadensersatz gewoehnlich zwischen 50 und 100K, also nicht nur deutlich niedriger, sondern gerade mal ein Bruchteil davon. Bei Mord ist es aehnlich, der Schadensersatz bewegt sich in solchen Faellen meist zwischen 100-150k, also laecherlich. Sicherlich sind die Gefaengnisstrafen dafuer erheblich hoeher, aber der Geschaedigte selbst schaut in die Roehre. Mir scheint, dass Vergehen gegen die Ehre finanziell bedeutend hoeher eingestuft werden, als Vergehen und Verbrechen gegen eine Person. Ob das daran liegt, das die Philippinen „Macholand“ sind? Was ist schon die Ehre einer Frau im Vergleich zur Ehre eines Mannes…..

Philippinen halt!

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5 Comments
  • Juergen Frost Davao
    Reply

    Die Problematik in der philippinischen Justiz. Diese wird nicht kontrolliert. In Macau, Hong Kong … sind solche Verhaeltnisse, die bis zur Ermordung von Auslaendern fuehrt nicht moeglich.

  • Juergen Frost Davao
    Reply

    Mit einer 16 jaehrigen Philippinenerfahrung und Analysen zu den System Strukturen faellt die Justiz Struktur uebel auf. In den regionalen Gerichten haben sich HALL OF JUSTICE SYNDIKATE gebildet und jeder weiss, dass Prozesse willkuerlich durch irre viele Anhoerungen verzoegert werden. Mit 100 Faellen generieren so 3 Anwaelte – Richter – Staatsanwalt und cooperierender Privater Anwalt 4.000.000 illegales Einkommen. Das bedeutet, dass das Opfer von Kriminalitaet eine Entschaedigung beim Gericht erreichen will, aber er wird ein zweitesmal Opfer, denn er hat 30, 40, 50 Hearings zu bezahlen. Die regionalen Gerichts-Syndikate haben daher die Vergabe von Geld an Polizei Offizieren vorgenommen, damit diese ihre Untergebene anweisen mit Luegen Kriminalfaelle zu konstruieren. 21 Jaehriger Student mehr als 5 Monate im Gefaengnis. Beim Gericht wollten wir dann die Beweise sehen, also Fingerabdruck Nachweis. Das ist in einem unterentwickelten Land nicht einfach moeglich sagte man uns im Gericht von Gensan. Da wird ein illegal, boeswillig konstruierter Fall gegen einen Auslaender ins Leben gerufen. Das Opfer, der Auslaender wird nicht ueber einem Prozess gegen ihn informiert und dann ueberraschend verhaftet. etc. etc. Wer naeheres oder mehr wissen will, nachfragen J_Frost8@yahoo.com.

  • Uwe
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    Tippfehler? Von 1979 bis 2007 wären 28 Jahre, und bis heute somit mehr als 30 Jahre. Aber 10 Jahre rauf oder runter machen bei der Story eigentlich kaum noch einen Unterschied…

    • Kai
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      Danke, dass du mich auf den Tippfehler hingewiesen hast; nachdem es ja weitergeht, machen die 10 Jahre das Kraut aber wirklich nicht fett.

  • kaunlaran
    Reply

    Und dann wundert man sich, wenn ausl. Investoren um die PH einen großen Bogen machen!
    Fälle, wie die des Engländers werden in der Heimatpresse mit Sicherheit auf der ersten Seite dargestellt. Das Bild des Landes ist entsprechend – warum sollten Ruheständler in’s Auge fassen, ihren Lebensabend dort zu verbringen?
    Wenn selbst offizielle Stellen (AA, Deutsche Botschaft Manila) sind auf ihren Seiten äußerst kritisch – trotz aller gebotenen diplomatischen Zurückhaltung – zum Justizsystem äußern, weiß man auch, was davon zu halten ist.

    Ohne eine funktionierendes Justizsystem wird das Land nie die Fortschritte machen, die notwendig sind, um den Lebensstandard nachhaltig zu heben.

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