Golfturnier und Sozialhilfe 2. Teil

Um 8 Uhr „klingelt“ mal wieder das Handy meines Sohnes – wobei genau genommen klingelt es nicht, sondern es „geräuscht“ so vor sich hin! Nicht halb 9 sondern um 9. Und auch nicht bei Jasmin sondern bei Mickey. „Und wo wohnt der?“ frage ich. „Tja wenn ich jetzt Load hätte, könnte ich fragen.“ meint er. Hat er wohl vergessen mitzunehmen beim letzten Tauchgang in den Marianengraben, denke ich mir. „Hier nimm mein Handy, sonst klappt das doch nicht.“ Also er erfährt, Mickey wohnt in Talamban. „Wo genau? Adresse wäre gut, sonst bleiben wir zuhause.“ Nach weiterem Nachfragen, folgt die Adresse.

Da mir die morgendliche Suche zu blöd ist, steigen wir ins Taxi. Ich frage den Taxifahrer, ob er die Adresse kennt. Klar kennt er, ich kannte sie zwar nicht, aber das heißt nicht viel. Nun wir fahren da hin, da ist auch schon ein unspektakuläres Schild mit dem Namen der Subdivision. Eine schmale Straße geht den Weg hoch. Stop – Schlagbaum mit Wachhaus und mehreren Guards. Aha. „Müssen wir da rein?“ will der Fahrer von mir wissen. „Wir müssen zu der angegebenen Adresse, wie ist mir egal.“ meine ich.

Der Fahrer hält am Guardhaus an und fummelt seinen Ausweis raus. Er tauscht ihn beim Guard gegen eine numerierte Karte, der von uns nicht nur die Adresse will, sondern den exakten Namen. Der Guard erklärt uns kurz den Weg. „Da kommt nicht mal eine Maus unerkannt durch“, denke ich noch. Wir fahren ein paar Meter rein, da wird es klar: Luxusbunker an Luxusvilla. Das was Du hier siehst, ist nach aussen abgeschottet, dass man es kaum wahrnimmt. Aber das was wir hier sehen, würde auch in Deutschland bewacht werden müssen!

Wir fahren die Strasse rein, kein Name, keine Hausnummer, nichts! Aber gerade rechts und links je 1 Haus, Ende der Straße, keine Wendemöglichkeit. Aber hier muss es sein. Wir schauen durchs Tor, mehrere große Autos, Video überwachte Luxusvilla, alles gut gepflegt – wohnt hier Dagobert Duck? Kurz nachdem wir am Tor geklopft haben, kommt jemand und fragt, zu wem wir wollen. Er öffnet das Gate, mein Sohn geht rein – ich fahr nach Hause.

Als ich ihn mittags wieder abholen möchte, gleiches Spiel am Schlagbaum. Aber immerhin weiß ich ja jetzt wo das Haus ist. Der Fahrer hält vorm Tor. Da keine Klingel da ist, versuche ich meinen Sohn anzurufen. Erst wieder „geile“ Musik, dann Ansage, dann gar nichts mehr. Toll. Ich stehe in der schmalen Sackgasse, doch was nun? Ich höre innen die Stimmen und denke, wenn ich rufe dann hören die mich vielleicht. Ich rufe laut – keine Reaktion. Noch lauter – nichts. Ich hämmere mit der Faust ans Tor – die Nachbarn gegenüber schicken schon mal ihr Personal vor, um den „Störenfried“ zu beobachten …

Nach einigen Minuten, kommt dann doch mein Sohn ans Tor, er müsse sich noch umziehen, in 2 Minuten sei er zurück. Ich setzte mich erleichtert wieder zurück ins Taxi. Hinter uns höre ich das tiefe Brummen eines großen Wagens. Das Auto kommt näher und gibt Lichthupe, worauf der Taxifahrer die Einfahrt frei macht. Auf dem roten Nummernschild kann man die politische Funktion seines Besitzers lesen. Der Fahrer des Autos hinter uns steigt aus und kommt direkt auf mich zu. Er will wissen was ich hier mache. Ich erkläre ihm, dass der Sohn des Hauses und mein Sohn in der gleichen Schule sind und so weiter … „Ah ok!“ Die finstere Mine erheitert sich, er wird freundlich und öffnet das Tor. Inzwischen ist mein Sohn auch fertig und wir fahren zurück, nachdem das Auto mit dem roten Schild hinter dem Eingangstor verschwunden ist.

Das sind die Momente, wo man sich fragt, gibt es denn zwischen dem Luxusleben, zwischen Jugend-Golfturnier in USA und dieser „Video überwachten Villa“, sowie den verhungernden Menschen, denn kein normales Leben im Land? Es gibt es, aber in einem kleinen Segment und in einer ganz anderen Form, als wir es in Europa kennen. Diese Hyperreichen gibt es auch in Deutschland. Allerdings die verhungernden Menschen gibt es dort nicht. Höre ich gerade einen Aufschrei?

Nun, sagen wir es mal so: Die Frau, der wir diese Woche einen Arztbesuch, Medikamente und etwas Essen spendierten, um den Tod durch chronische Mangelernährung nochmal abzuwenden, sie würde jederzeit mit JEDEM Sozialhilfeempfänger in Deutschland tauschen. Denn sie weiss jetzt, sollte sie keine dauerhaft vernünftige Ernährung hinbekommen und sie weiss bis jetzt noch nicht wie sie das schaffen könnte (ich übrigens auch nicht), der Tod zurück kommt um sie zu holen …

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