Hobbies

In etlichen Philippinenforen wurde ja schon ueber Hobbies der Expats diskutiert und es herscht die allgemeine Einstellung, dass wir nichts anderes machen als saufen, huren und faulenzen. Das ist natuerlich eine unschoene Behauptung, aber ich streite nicht ab, dass es einige Expats gibt, die solchen Hobbies „froenen“, ich zaehle mich ganz sicher nicht dazu, obwohl ein ich einem guten Rum Cola nicht abgeneigt bin. Aber den trinke ich auch nur noch hoechstens zwei mal im Monat.

Hobbies zu haben ist nicht immer ganz einfach hier im Land, da das nicht so verbreitet ist und Zubehoer nur schwer zu kaufen ist. Also muss man sich in erster Linie auf Hobbies beschraenken, die man hier auch ausueben kann. Es beginnt mit dem Lesen, denn deutschsprachige Buecher sind so gut wie nicht zu bekommen. Irgendetwas zu sammeln, wie zum Beispiel Muenzen, Briefmarken, Comics oder Bierdeckel ist auch schwierig, da es weder Tauschclubs gibt, noch ausserhalb von Manila Geschaefte, wo man etwas fuer die Sammlung dazu kaufen koennte. Basteln ist auch schwierig, da es keine Shops gibt, die Bastelwerkzeuge oder Baukaesten zum Basteln verkaufen. Und so geht es mit den Einschraenkungen weiter. Im Prinzip bleibt einem nichts anderes uebrig, als sich alles benoetigte ueber das Internet zu besorgen, was natuerlich auf Grund hoher Frachtkosten teuer wird. Dazu kommt auch oft  der Zoll, der auch nicht unbescheiden im Kassieren von Zoellen und Gebuehren ist.

Selbst Sport zu betreiben ist nicht einfach. Basketball ist fuer deutschsprachige Expats nichtsehr interessant, Fussball wird kaum gespielt und selbst einen anstaendigen Tischtennistisch zu bekommen wird zur extremen Sucherei. Jogging macht auf den Strassen keinen Spass und in Waeldern und ueber Wiesen kann man nicht joggen, weil die Vegetation zu ueppig ist.

Wer gerne diskutiert wird auch seine liebe Not haben die richtigen Partner zu finden, da es eben den meisten Pinoys an Allgemeinbildung fehlt, die ja Grundlage fuer eine vernuenftige Gespraechsrunde sind. Man kann den Filipinos natuerlich dafuer keinen Vorwurf machen, denn die Schulen bieten nicht sehr viel Allgemeinbildung im Rahmen des Unterrichts an. Und sich selbst z. B. ueber das Internet weiter zu bilden scheint dann doch die meisten Pinoys nicht zu interessieren. Aber man kann schon eine gute Gespraechsrunde zusammen bringen, wenn man die richtigen Leute sucht und die entsprechende Geduld mitbringt, bis man sie gefunden hat. Dann muss man aber bei jedem Gespraech aufpassen, dass man dem Gegenueber versehentlich nicht einen Gesichtsverlust „verpasst“, der dann wiederum zu groesseren Problemen fuehren koennte.

Und so ist es also nicht so einfach sich ein oder mehrere vernuenftige Hobbies zuzulegen, aber wer ernsthaft interessiert ist, wird auch das koennen.

Ich habe einige Hobbies wie z. B. lesen, Schach spielen, philippinische Muenzen sammeln, historische Schiffsmodelle bauen und im ganzen Land herum reisen und dabei insbesondere die Ecken aufzusuchen, in denen es keinen oder kaum Tourismus gibt. Und natuerlich muss ich alles unterwegs fotographieren, denn das ist auch eines meiner Hobbies. Die Fotos auf dieser Webseite sind alle von mir.  Buecher lese ich schon laengst im englischen Orginal und habe dank National Bookstore, Power Books und Amazon keine Probleme an Lesestoff zu kommen. Schach spielen ist kaum ein Problem, da das Spiel hier von vielen gespielt wird und der Durchschnittsspieler hier sicherlich besser spielt als in Deutschland. Muenzen sammeln ist schon schiweriger, da man kaum alte Muenzen bekommen kann. Frueher hielt die PNAS noch internationale Auktionen, aber das hat sich durch die Streiterei im Club mittlerweile zerschlagen. Hier bleiben also nur internationale Auktionen und Ebay, wobei man bei letzteterem doch Kenntnisse haben sollte, da man nur allzuleicht beschissen wird. Historischer Schiffsmodellbau ist extrem schwierig. Ich muss mir das gesamte Bastelmaterial aus Deutschland oder den Usa kommen lassen. Bis vor kurzem konnte ich nicht mal einen vernuenftigen Sekundenkleber in Flaschen bekommen. Die winzigen Tuebchen, die man hier verkaufte, waren 24 Stunden nach dem Erstgebrauch bereits ausgetrocknet. Lange kann man Sekundenkleber eh nicht lagern.

Mit dem Modellbau habe ich als Kind begonnen, wobei es aber damals ueberwiegend Plastikmodelle waren, die ich gebaut hatte. Mit dem Holzmodellbau begann ich als Erwachsener und hatte damals den Klipper „Thermopylae“, eine Schebecke, die Fregatte „Berlin“ und die „Souvereign of the Seas“ gebaut, wobei letztere wegen meiner Auswanderung in halbfertigem Zustand verkauft wurde. Hier im Land gab es nichts zu kaufen und damit war das Hobby fuer viele Jahre vom Tisch. Erst vor vier Jahren habe ich wieder angefangen, wobei ich drei Schiffe zur gleichen Zeit bauen wollte. Das klappte natuerlich nicht so recht und so wurden nach ueber einem Jahr zwei Modelle weg gepackt und am dritten weiter gebaut. Wegen meiner Reisen und vielen anderen Interessen ging es auch wesentlich langsamer als ich das wollte, aber vor einigen Tagen ist das Modell fertig geworden und ziert nun mein Wohnzimmer. Es handelt sich dabei um die brandenburgische Fregatte „Roter Loewe“, die 1597 in Holland fuer den Kurfuersten von Brandenburg gebaut worden war und ueberwiegend in der Ostsee eingesetzt wurde. Mit 16 Kanonen war es eher ein kleineres Schiff, aber fuer die damalige Zeit schon recht „modern“ in der Linienfuehrung. Ich habe circa 2000 Arbeitstunden ohne Research eingesetzt, wobei ich dabei aber nicht allzuviel im Internet finden konnte. Weil Filipinos gerne mit den Fingern schauen und weil das Land doch sehr staubig ist, steht die Fregatte nun in einem Glaskasten.

Und hier geht es zu den Fotos: „Roter Loewe“

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3 Comments
  • Harald Ludwig
    Reply

    ein schöner Bericht, besonderes der Teil mit den Discusionpartnern.

    Ich arbeite daran das Schiff malim Original zu sehen.

  • Igor
    Reply

    Mein Schwiegersohn in DE baut Schiffsmodella (des letzten Weltkrieges) aus dünnem Sperrholz. Er benutzt dazu polnische Vorlagen und schwört auf die Authenzität und Qualität derselben.
    Nach Besichtigung der fertigen Modelle ist mir klar, warum die Kanos den Seekrieg gegen die Japaner gewonnen haben: überaus starke Flak-Bewaffnung auf allen Schiffen, die haben die Japaner reihenweise vom Himmel geholt.
    Igor

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