In Leyte (Teil 1)

liegt nicht nur unser Grundstück, sondern eine Planung, die schon relativ lange zurück liegt.

Zum Hintergrund: zwei meiner Schwager haben „Retinitis Pigmentosa“. Also das ist weder essbar, noch die unveröffentlichte 93. Symphonie von Beethoven, sondern eine leider sehr traurige Angelegenheit, nämlich eine unheilbare Erkrankung der Augen, bei der die Stäbchen auf der Netzhaut allmählich absterben und deshalb mehr oder weniger schleichend zur Erblindung führt. Während der erste Augenarzt vor rund 10 Jahren uns noch erklärte, dass man mit Vitaminen und Sonnenbrille, die Erblindung verlangsamen kann, sagte uns im letzten Jahr ein Spezialist, dass sich die zuvor genannte Verlangsamung kaum nachweisen lässt. Die Erkrankung geht auf einen genetischen Defekt zurück, der bei beiden Elternteilen vorliegen muss. Die Eltern wussten also beide nichts von ihren defekten Genen und alle waren über den Zufall verwundert, dass gleich zwei Brüder die gleiche schlimme Krankheit haben.

Nun, sie ist nicht tödlich verursacht auch immerhin keine Schmerzen, nur bevor jemand meint „alles halb so schlimm“, … doch, … es ist ein ganz großer Mist, wenn zwei junge Menschen erblinden und Du stehst daneben und kannst nichts machen! Da werden dann andere Dinge aus dem Baukasten unserer Wohlstandsgesellschaft sehr relativiert. Trotzdem müssen sich die beiden Brüder „Lic und Bong“ damit arrangieren. Das sind dann so Situationen wo man die „Arbeit“ der philippinischen Wunderheiler und deren Art des Geldverdienens versteht oder zumindest nachvollziehen kann.

Ansonsten sind beide gesund, haben Pläne wie alle Menschen, wollen gerne eine Familie gründen und arbeiten. Wenn da nur nicht die Augen wären. Schlechtes Sehen oder gar Blindheit macht einsam. Verspottung und Ignoranz der anderen sind Dir da als erstes gewiss. Es gibt kaum etwas wo Du keine Hilfe bräuchtest. Das ist das Schlimmste an deren Erkrankung, dass sie entwürdigt leben müssen und sich manchmal gar verstecken. Wir bemühen uns zwar technisch zu helfen, aber die Würde gibt es denen nicht zurück.

Bevor jemand was falsches denkt: sie haben uns noch nie um Hilfe gebeten, um Geld gefragt oder sonst etwas gefordert. Stattdessen sind beide tief gläubige Menschen, ohne den ganzen kirchlichen Trott. Trotzdem quält es einen und man schaut immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, wie kann ich denen helfen.

Vor 2 Jahren dann, als wir für 6 Wochen hier im Urlaub waren, suchten wir ein Grundstück, das wir für die Brüder kaufen wollten. Dort hätten sie dann die Möglichkeit, doch mehr oder weniger eigenständig zu leben. Sie könnten Reis, Gemüse und Obst anpflanzen, Hühner, Schweine und vielleicht sogar Fische züchten … Wenn es gut läuft, könnten sie was für den Tagesbedarf nicht benötigt wird, verkaufen und hätten noch was Bargeld in der Tasche. Die Idee fanden die gut. Aber woher ein akzeptables Grundstück nehmen? Denn der Preis ist mal die erste Hürde, die Lage die zweite.

Während eines Ausfluges nach Bohol, wir waren gerade im Schwimmbad von Valencia, klingelt das Handy. Mauring, die Tante meiner Frau rief an und fragte, wie sie am Schnellsten zu uns kommen könne, denn sie wolle uns ganz dringend etwas zeigen und vorschlagen. Also kam sie ins Schwimmbad und sprach mich direkt an. Dazu sollte man sagen, dass ich ansonsten es immer so erlebt habe, dass wenn jemand von uns etwas will, man sich immer an meine Frau richtete. Philippinische Familienstruktur oder Sprachfaulheit? Ich rechnete es jedenfalls Mauring zunächst mal positiv an, nicht über Umwege zu kommen.

(Fortsetzung folgt)

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