Juergen 1. Teil

Irgendwann so um 1992 herum traf ich Juergen im Shakeys in Ororama in Cagayan de Oro. Die Begegnung war nichts besonderes – wir unterhielten uns ein wenig – und so entfiel sie mir recht schnell. Aber Juergen gehoert zu den Expats, die in dein Leben „kriechen“ ob man will oder nicht.

Nach einigen Wochen bestellte mir Macrena, die Einkaeuferin und Leiterin vom Wet Market in Ororama schoene Gruesse und Juergen sei besonders gluecklich, da wir ja nun auch frischen Spinat liefern wuerden. Fuer die, die es nicht wissen, wir hatten damals eine Gemuesefarm in Bukidnon. Ich registrierte die Gruesse, aber dachte nicht weiter drueber nach.

Ein paar Wochen spaeter sah ich ihn wieder im Shakeys. Wir unterhielten uns nur kurz, da ich wenig Zeit hatte. Solche gelegentlichen Begegnungen im Shakeys waren fast unvermeidbar, da ich dort immer wartete, bis um zwei Uhr das Buero oeffnete, wo ich meine Lieferungen kassierte. Juergen erzaehlte mir, dass er in Damilag in Bukidnon ein Haus hatte und sich dort mit einem Nachbarn herumaergerte, den er immer „Schweinekarl“ nannte, weil der angeblich mal Sex mit einem Schwein gehabt haben soll. (Sagt zumindest der Juerge) Dieser Karl terrorisierte nicht nur die Nachbarschaft, sondern scheinbar das ganze Dorf und Juergen hatte echt Angst vor ihm. Auch die benachbarten Pinoys hatten die Hosen voll und so konnte der Kerl dort oben fleissig „mithelfen“ uns Deutschen einen schlechten Ruf zu verpassen. Juergen als Alkoholiker half fleissig mit diesen Ruf zu laedieren.

Ausser einigen zufaelligen Begegnungen trafen wir uns nie geziehlt. Das aenderte sich, als meine Frau mal im Shakeys dabei war und meinte sie muesse ihn auf unsere Fiesta in Maagnao einladen.

Im November 1993 kam er also am nachmittag bei uns in Maagnao an und bis zum Abendessen hatte er 12 Biere getrunken, die natuerlich nur zusaetzliche Nahrung zu den Bieren unterwegs gewesen sind. Hier stellte sich auch heraus, dass Juergen ein Nazi war, und ich machte ihm unmissverstaendlich klar, dass er bei mir diesbezueglich nichts zu reden hatte, da ich eher leicht links eingestellt war. Juergen hielt sich daran und so verlief der restliche Abend friedlich.

Am naechsten Morgen bot ich ihm Fruehstueck mit Kaffee an, aber er wollte nur Bier. Bier um sieben am Morgen! Tagsueber besuchten wir ein paar Leute und Juergen benahm sich trotz Sauferei recht ordentlich. Bis zum Abend waren es dann 19 Biere ud bis zum ins Bett gehen 27 Flaschen.

Am naechsten Tag fuhr er mit seiner damaligen Freundin wieder nach Damilag zurueck.

Es vergingen ein paar Jahre und wie gehabt traf man sich nur per zufall im Shakeys oder in der Stadt.

Im Jahr 1997 eskalierte sein Streit mit Karl dermassen, dass er aus Angst Damilag verliess und nach Carmen in Cagayan zog. Sein Haus verkaufte er weit unter Preis und lebte von da an nur noch in Miete. Juergen war seit seinem 42. Lebensjahr Fruehrentner und bekam von der Post eine recht ordentliche Pension, die ihm ein gutes Leben ermoeglichte.

Im Juli 2000 zogen wir nach Bulua in eine Subdivision namens Villa Candida  (Diese Zweitwohnung hatten wir wegen der Kinder gemietet, da die in Cagayan zur Schule gingen und unsere vorige Zweitwohnung einfach zu klein geworden war.)  Wir waren gerade mal einen Monat dort, als in der Parallelstrasse Juergen einzog und unsere Haueser standen sozusagen Ruecken an Ruecken. Er besuchte uns natuerlich oefter und erwartete auch unseren Besuch und so wurde die Bekanntschaft etwas intensiver, wobei ich nicht gerne hinging aber meine Frau aus Gruenden der „Nachbarschaftspflege“ darauf bestand. Bei einer Einladung lernte ich dann Albert kennen, einen Nuernberger, der auch seit 15 Jahren im Land lebte, und fuenf Kinder mit seiner Frau Joy hatte, die sehr religoes war und auf Verhuetung verzichtete. Von einem Deutschen haette ich aber erwartet, dass er seine Kinder mit ein wenig mehr Disziplin aufzieht, als er es getan hat. Seine Kinder waren echte Rabauken und wurden zum Schrecken der Strasse, wenn sie Juergen besuchten.

Ich erinnere mich, dass die beiden Groessten – auch immerhin schon 12 und 14 Jahre alt – auf die Motorhaube eines geparkten Toyotas „schoene Zeichnungen“ eingravierten. Den Besitzer des Wagen freute das nicht und er kam ins Haus um sich zu beschweren. Albert stimmte zu den Schaden zu bezahlen und in der Folgewoche brachte der Besitzer einen Kostenvoranschlag ueber 4000 Pesos. Albert versprach in der naechsten Woche zu bezahlen, aber kaum war der Typ aus dem Haus lachte er sich einen und meinte, dass der spinnen muesste, wenn er glaube, er wuerde bezahlen. Soll er halt seine Karre woanders parken und nicht da wo seine Kinder spielen. Das regte mich zwar auf aber ich sagte nichts weiter, weil es mich ja eigentlich nichts anging. Als dann Juergen entgegen unserer Abmachung wieder von Hitler anfing zu reden und mich dabei als Judenfreund und Helfer titulierte, ging ich und machte ihm klar, dass ich ihn weder besuchen werde noch sei sein Besuch bei mir erwuenscht.

Die Nachwirkungen sollten einem Erdbeben gleich noch einige Jahre Folgen haben, insbesondere weil in den naechsten Wochen ein alter bekannter auftauchte, der fleissig Oel ins Feuer goss.

Fortsetzung folgt

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