Kindergeschichten zum ersten

Seit 23 Jahren bin ich nun verheiratet und wir haben zwei Kinder: Den nunmehr 20 jaehrigen Manuel und die 22 jaehrige Marion. Beide studieren noch und Marion wird wohl im naechsten Jahr beginnen als Krankenschwester zu arbeiten. Beim Sohn wird das noch etwas laenger dauern, da er gerne Arzt werden wuerde.

In all diesen Jahren erlebt man schon einiges. Viele dieser Erlebnisse reichen fuer eine lange Geschichte. Andere sind gut fuer Kurzgeschichten. Und hier folgen nun einige dieser Stories:

Die Fische

Wir hatten frueher mal ein grosses 2000 Liter Aquarium, das von einer lokalen Glasfirma gebaut worden war. Den Aquariumschrank hatte wiederum ein Moebelschreiner aus General Santos gebaut. Es war eigentlich gute Arbeit, aber das Aquarium leckte am Anfang, so dass die Glasfirma alles noch einmal zerlegte und wieder zusammenbaute. Danach war es dicht. Ich machte mir aber noch Sorgen wegen der Reparatur und checkte bestimmt dreimal am Tag ob alles trocken blieb. Und es leckte nicht mehr, da hatte die Firma im zweiten Anlauf wesentlich bessere Arbeit geleistet.

Eines Abends sass ich nun in meinem Sessel und las. Mein Sohn stuerzte ploetzlich aufgeregt auf mich zu: „Daddy, Daddy die Fische……! Ich drehte mich um, schaute nach dem Aquarium und fragte erstaunt: „Was ist mit den Fischen?“ denn beim Schauen hatte ich am Anfang nichts auffaelliges bemerkt. Er schaute mich schelmisch grinsend an: Die schwimmen……

Manuel mache oefter solche Scherze mit seinen Mitmenschen.

Verbrueht!

Als Marion noch ein Baby war – sie war ein paar Tage vorher 1 Jahr alt geworden – war sie in einen „Unfall“ verwickelt. Wir lebten damals im Haus von Remy Rico in San Jose, das wir von ihr gemietet hatten. Unsere Helferin hatte gerade die Thermosflasche mit frischem, kochendem Wasser gefuellt und auf den Tisch gestellt. In dieser Zeit krabbelte sie noch sehr viel, aber richtete sich immer wieder auf und lief ein paar Schritte, bevor sie wieder auf den Hintern fiel. Halb aufgerichtet hielt sie sich an der Tischdecke fest, die gab natuerlich nach und dabei fiel die Thermosflasche um und das kochend heisse Wasser ergoss sich ueber ihren nackten Oberkoerper.  Sie schrie wie am Spiess. Ich rannte sofort zu ihr und sah wie sich die Haut ueberall abloeste und am Rande der grossflaechigen Brandwunde zusaetzlich Blasen bildete. Ich nahm Marion auf den Arm, rief nach meiner Frau und rannte zum Store mit ihr, um die Verletzung mit Eis zu kuehlen. Da es leider nur zwei Stunden jeden Abend Strom gab, war kein Eis mehr vorhanden. Es war ja schon nachmittags.

Elvin kam gelaufen und zerdrueckte vier oder fuenf reife Tomaten auf ihrer Brust. Eine andere Frau wollte Mehl drueber staeuben, eine dritte kam mit dem Schmalztopf gerannt. Jeder wollte helfen und als ich sagte, dass ich mit Marion nach Surigao City ins Krankenhaus will, rannte Elvin sofort zum Anlegensteg und instruierte seinen Operator das Boot fertig zu machen.

Meine Frau kam halb angezogen mit einer Tasche gerannt und fuenf Minuten spaeter legte das Boot ab. Marion schrie und weinte immer noch. Das Boot fuhr so schnell es ging,  Elvin, der mit gekommen war,  forderte seinen Mann auf, das letzte aus der Dieselmaschine raus zu holen. Auf halbem Weg war Marion eingeschlafen und musste Gottseidank nicht mehr leiden. Eine Stunde spaeter waren wir in Surigao angekommen. Die normale Fahrzeit lag eher bei 1  1/2 Stunden.  Vom Pier fuhren wir direkt ins Surigao Medical Center, wo sie auch sofort behandelt wurde.

Drei Tage spaeter durften wir dann wieder nach Hause. Fuer die naechsten fuenf Jahre war Marions Haut auf der Brust sehr fleckig mit vielen weissen Stellen. Aber im Lauf der Jahre verwuchs sich das alles. Heute kann man fast gar nicht mehr sehen und auch nur dann wenn man es weiss.

Aber die Hilfsbereitschaft der Filipinos dort in San Jose war ganz erste Klasse.

Der „Unterwaeschekrieg“

Vor drei Jahren ging Marion in das Broken Shire College hier in General Santos City. Im ersten Semester verlief alles problemlos und einfach aber dann einige Wochen in das zweite Semester hinein wurde eine neue Regel gemacht. Maedchen mussten weisse Unterwaesche tragen. Alles an bunter Unterwaesche einschliesslich gebluemter war verboten worden. Marion regte sich furchtbar auf, als sie nach Hause kam und das erzaehlte. Ich war auch sehr „angesaeuert“, sah ich doch in dieser Regel einen Eingriff in die Grundrechte des Menschen. Meine Tochter entschloss sich, die Regel zu ignorieren und meine Frau und ich bestaerkten sie darin.

Am naechsten Tag ging Marion wie ueblich in die Schule und kam eine Stunde spaeter nach Hause. Die Schule hielt doch in der Tat am Eingang eine „Unterwaeschekontrolle“ ab. Alle Maedchen, die nicht reinweisse Unterwaesche anhatten wurden wieder nach Hause geschickt. Man sollte es nicht fuer moeglich halten.

Nach dem Mittagessen fuhr ich mit meiner Tochter in die Schule. Wir verlangten den Prinzipal zu sprechen, der uebrigens weiblich war. Sie hoerte sich die Beschwerde an und meinte dann kurz, dass das nun die Regel sei und solange Marion keine weisse Unterwaesche traegt, darf sie nicht in die Schule gehen. Ich sagte der Schulleiterin, dass ich mich an hoeherer Stelle beschweren werde und gegebenfalls klagen und auch die Medien informieren werde. Sie liess sich nicht beindrucken und von der Schule weg gingen wir direkt zum DECS (Department of Education, Culture and Sport – das entspricht unserem Kultusministerium) Dort brachte ich unsere Beschwerde vor und wir wurden informiert, dass sie die Schule anschreiben wuerden und deren Stellungnahme abwarten wuerden. Das duerfte etwa drei Wochen dauern. Das war uns echt zu langwierig und ich rief meinen Anwalt an. Der liess uns sofort kommen und alles erklaeren. „Ich werde heute abend noch eine einstweilige Verfuegung vorbereiten und morgen frueh als erstes vor Gericht einreichen. “ Innerhalb von zwei Tagen werden wir sehen ob der Richter der Verfuegung stattgeben wird.

Am naechsten Tag ging Marion wie gewohnt zur Schule. Natuerlich wurde sie nach Hause geschickt. Mit ihr gingen auch ueber 50 andere Maedchen heim. Mein Anwalt rief mich gegen elf Uhr an und sagte mir, dass der Richter fuer morgen ein Hearing anberaumt hatte und Marion sollte mit zwei oder drei Schulfreundinnen kommen und aussagen.

Das Hearing fand puenktlich statt und bereits nach einer Stunde stellte der Richter die einstweilige Verfuegung aus. Zusammen mit dem Sheriff gingen die Kinder nun zur Schule und wurden natuerlich auf Grund der Verfuegung zum Unterricht zugelassen.

Aber die Schule raechte sich. Man machte meiner Tochter das Leben schwer wo es nur ging. Nach dem Abschluss des Semesters wechselte meine Tochter dann auf eine andere Schule.

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