Kreisverkehr

In einem philippinischen Forum wurde ueber philippinische Mentalitaet diskutiert und das kam dann in einem mir unerklaerlichen Zusammenhang mit Kreisverkehr. Ich habe mir Gedanken gemacht und folgendes dazu niedergeschrieben:

Philippinische Mentalitaet und Kreisverkehr schliessen einen schwer durchschaubaren Zusammenhang ein, der einer genaueren Untersuchung bedarf.

Aus philippinischer Sicht ist sicherlich der Aspekt Kirche aeusserst bedeutend. Gerade beim Verkehr moechte die katholische Kirche ein wichtiges Wort mitreden, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das beim Kreisverkehr anders sein sollte.
Wie sieht so ein „vollstaendiger Kreisverkehr“ eigentlich aus? Zuerst stellen wir fest, das Frauen hier ganz enorm benachteiligt sind, da sie an einem geschlossenen Kreisverkehr nur sehr limitiert teilnehemen koennen. Die Kirche – noch nicht die Konsequenzen ahnend – begruesst das zuerst, stellt aber sehr schnell fest, dass dieser vermeintliche Vorteil sich schnell in einen Nachteil verwandelt, der auf den ersten Blick nicht ersichtlich gewesen war. Darum hat die Kirche zum Kreisverkehr per se eine negative Einstellung. Ein geschlossener Kreisverkehr drueckt zwar klar die „Ueberlegenheit“ des Mannes aus, ist aber von den meisten Maennern nicht erwuenscht.Ein „offener Kreisverkehr“ ist jedoch nur in kleinen Teilen geschlossen, das ohne weiteres zu einem Verkehrschaos fuehren kann, was wiederum keiner braucht. Die wenigen Verkehrschaoten auf den Philippinen sind zudem bei der katholischen Kirche unerwuenscht.

Zwar ist der philippinische Mann in erster Linie „Macho“ und ein absoluter Verkehrsliebhaber, sehr zur Freude der Kirche, da dadurch steigende Mitgliederzahlen das Herz der Priester erfreuen, was wiederum zu einer steigenden Anzahl von Ministranten fuehrt, die das Verkehrsaufkommen deutlich verbessern und insbesondere in jungen Jahren sich bei der Kirche einer grossen Beliebtheit erfreuen. Aber es wird als nachteilig gesehen, dass viele dieser neuen Verkehrsteilnehmer bei illegalen Kreisverkehren entstanden sind, was wiederum die „kirchliche Verkehrspolizei“ auf den Plan ruft. Diese schreitet dann auch sofort mit „gezuecktem Zeigefinger“ ein und unterbricht den Verkehrsfluss. Diese Tatsachen sprechen nun eigentlich eine deutliche Sprache gegen offene Kreisverkehre, haelt aber die Filipinos nicht ab, sich trotzdem daran zu beteiligen. Die Kirche wird hierdurch vor ein grosses Problem gestellt, denn diese Widersprueche in den verschiedenen Arten der moeglichen Kreisverkehre sind nicht einfach zu loesen. Und einfach uebersehen darf man sie auch nicht, da das zu einer moeglichen Autoritaetsunterbuddlung fuehren koennte. Daher hat die Kirche nun sogenannte Verkehrsexperten eingesetz, die sich mit allen Aspekten des offenen und des geschlossenen Kreisverkehrs beschaeftigen. Eine solche Grossuntersuchung, die ueber viele Jahre hinweg laeuft, konnte natuerlich nicht geheim bleiben, obwohl das von den kirchlichen Verkehrsplanern urspruenglich schon so vorgesehen war. Da die Kirche ja Kreisverkehre ablehnt war diese Publicity natuerlich ein Schuss in den Ofen. Selbst der verkehrswissenschaftliche Hintergrund einer solchen Untersuchung konnte die Oeffentlichkeit nicht beruhigen und etliche kirchliche Verkehrsexperten mussten den Weg in die Verbannung verkehrsberuhigter Zonen antreten. Unter solchen Umstaenden wird diese kirchliche Studie der verschiedenen Kreisverkehre wohl kaum ein befriedigendes Ergebnis bringen.

Zum geschlossenen Kreisverkehr bliebe noch zu sagen, dass der sich bei bestimmten Minderheiten aeuserst erfolgreich gestaltet hat und zunehmend von der breiten Oeffentlichkeit toleriert wird, da dadurch doch deutliche Entlastungen der verkehrsberuhigten Zonen eingetreten sind. Trotzdem ist der offenen Kreisverkehr nach wie vor das Non plus Ultra und wird haeufiger praktiziert, als sein geschlossener Counterpart.

In letzter Zeit ergaben sich allerdings regierungsseitig einige Kontroversen denn man bemuehte sich ernsthaft das Thema Verkehrsberuhigung insbesondere im Internet zu forcieren. Leider spielte die philippinische Bevoelkerung da nicht mit und protestierte gegen diese neuen verkehrsberuhigten Zonen, die dem Naturell und der Mentalitaet der phlilipinischen Bevoelkerung widersprechen. Auch das hoechste Gericht des Landes teilte diese Einsicht und so kann sich der mediale Kreisverkehr im Cyberspace vorerst ohne weitere Einschraenkungen fortsetzen. Die zahlreichen „selbsternannten Verkehrspolizistinnen“ des Landes koennen sich also weiterhin dem ueber alles geliebten Cyperspacekreisverkehr hingeben und ihre Kassen dadurch entsprechend aufbessern.

Wie diese Betrachtung zeigt, ist es gerade in Sachen Verkehr nicht immer einfach eine fuer alle Seiten befriedigende Loesung zu finden. Wie gut haben es da doch die Liebhaber beider Kreisverkehrsysteme, denn fuer sie ist immer freie Fahrt beim Verkehr.

 

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