Lena und Jesus 2. Teil

„Lena hat vor einigen Tagen auch begonnen Chromerz zu kaufen und sie hat die Preise erhoeht und fast alle liefern an sie,“ erklaerte mir mein Schwager Alex, der die Produktionslisten fuehrte.

„Klar sie hat ja keine Ausgaben mit der Finanzierung, hat kein angemeldetes Geschaeft, zahlt keine Steuern und laesst am Ende einen Schuldenberg uebrig, da kann sie leicht hoehere Preise bezahlen,“ meinte ich veraergert. Hier wurde ich zum erstenmal mit der Philippinischen „Sitte“ des Nachahmens konfrontiert. Wenn man hier erfolgreich ein Geschaeft betreibt, kann man Gift drauf nehmen, dass man imitiert wird und die Konkurrenz, die von Tuten und Blasen keine Ahnung hat und fast nie irgendwelche Steuern bezahlt, einem das Geschaeft zumindest erschwert wenn nicht gar versaut. Dazu kommen Intrigen vom feinsten nur um dem anderen „fertig“ zu machen. Neid ist leider ein fester Bestandteil des Geschaeftsleben auf den Philippinen und daran musste ich mich gewoehnen. Allerdings war ich damals nicht gewillt, das so einfach hinzunehmen und auf Anraten meines Schwagers gingen wir dann zum Barangay Captain um uns zu beschweren. Der hoerte sich alles in Ruhe an und meinte, dass er morgen ein Meeting einberufen werde und Lena sowie unsere Schuldner „vorgeladen“ werden wuerden. Ich war erstaunt ueber die Geschwindigkeit mit der die „Dorfgerechtigkeit“ arbeitete.

Am naechsten Tag sollten wir um zwei Uhr nachmittags beim Captain sein, denn da wuerde das „Meeting“ stattfinden. Wir trudelten puenktlich ein, aber weder Lena noch Pedio und einige andere Bergleute, die an Lena verkauft hatten, kamen. Gegen vier Uhr war der Captain sauer und schickte die Barangay Tanod los, um die Leute zu holen. Innerhalb von dreissig Minuten waren alle da und der Captain erklaerte den nicht Gekommenen erstmal, dass es die Moeglichkeit einer Bestrafung gab, wenn man einen Barangay Summon ignoriert. Sollte das noch einmal vorkommen, werde er das mit Sicherheit tun.

Wir trugen dann unsere Beschwerde vor und innerhalb von 5 Minuten wurde es turbulent.

„Ich kann kaufen von wem ich will,“ rief Lena, „denn deine Finanzierung geht mich nichts an, das musst du mit den Minern ausmachen.“

„Es ist schlichtweg charakterlich zweifelhaft, wenn man die Rechte anderer einfach ignoriert, kam meine Antwort, „und wenn sie von den Minern kaufen wolle, dann sollte sie uns erst die Finanzierung mit Zinsen und entgangenem Gewinn erstatten. “

Das wollte sie nicht und beharrte auf ihrem Standpunkt, dass sie das nichts angehe. Der Captain intervenierte und machte Lena und ihrem Mann Jesus, der verspaetet auch gekommen war, klar, dass er das nicht dulden wuerde. Bergleute die Schulden bei Kaeufern hatten, muessten erst die Schulden abtragen, bevor sie an andere Aufkaeufer liefern durften.

Nun meldete sich Pedio zu Wort, dass wir dann aber den gleichen Preis wie Lena zahlen muessten. Das wollte ich zumindest fuer den ausstehenden Schuldenbetrag nicht, sondern wuerde den Preis erst anpassen fuer Neulieferungen entweder frei oder gegen Neuschulden verrechnet. Es gab eine laengere Diskussion darueber, in der ich Pedio klarmachte, dass ich ihn zu dem Preis nicht finanziert haette und er nun auch kein Einkommen haette. Muerrisch stimmte er zu die Schulden zum alten Preis abzutragen und verlangte gleich mal einen Vorschuss von 5000 Pesos, die dann bereits zum neuen Preis verrechnet wuerden. Nach einer kurzen Beratung mit meinem Schwager stimmte ich dann zu.

Die anderen Bergleute akzeptierten die neuen Bedingungen auch und der Capatain ermahnte Lena sich an die Abmachungen zu halten und nur von Bergleuten zu kaufen, die niemandem gegenueber irgendwelche Verpflichtungen haetten. Lena versprach sich daran zu halten. Jesus ihr Mann – oder besser Maennlein, denn er wog hoechtens 45 Kilo, war 1.50 Meter „gross“ und sehr duenn – hatte bei der ganzen Diskussion ueberhaupt nichts gesagt.

Drei Tage waren vergangen, da hoerten wir, dass Lena und Jesus nun direkt an der Mine von unseren Bergleuten kaufen wuerde. Sibat Sibat nennt man das, wenn man an andere liefert und seine Vorschuesse nicht bezahlt. Dem sollte ich noch viel oefter begegnen, denn Loyalitaet im Geschaeftsleben gibt es unter Filipinos kaum, und das Bezahlen von Schulden ist nicht unbedingt die starke Seite der meisten Pinoys.

Wir gingen also wieder zum Barangay Captain und schilderten die Lage. Dieses Mal lies der Captain Lena und Co direkt von der Tanod holen und als sie ankamen, verhaengte er eine „Strafe“ von 100 Pesos pro Kopf. „Laecherlich“ dachte ich, „damit wird er sie sicherlich nicht stoppen.“ Anschliessend verbat er generell das Kaufen an der Mine, da dann die Abrechnung fuer dem Anteil des Dorfes nicht kontrolliert werden koenne. Und er ordnete an, dass Lena alles was sie in den letzten drei Tagen gekauft hatte an uns zu liefern, aber nur fuer den gleichen Preis, den sie bezahlt hatte. Nun war Lena sauer und schrie, dass sie das nie und nimmer machen werde, das sei ihr Chromerz und sie habe das schon bezahlt. Nun wurde der Capatain sauer und ordnete der Tanod an, dass alles Chromerz von Lenas Haufen zu uns transferiert wird, gemessen und dann von uns an Lena bezahlt wird, abzueglich der Transportkosten, die wir direkt an die Arbeiter zahlen sollten. Lena ging, aber  nicht ohne den Captain noch anzuschreien, dass das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen sei.

Am naechsten Tag waren wir den ganzen Tag sehr beschaeftigt um all das Erz zu vermessen und zu bezahlen, aber das naechste  Wort von Lena sollte noch kommen.

Fortsetzung folgt

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