Lena und Jesus 3. Teil

Am naechtsten Tag kam das angekuendigte naechste Wort von Lena in der Form eines untersetzten, dicken und kleinen Polizisten. Der wollte ohne unsere Erlaubnis das Chromerz wieder zu Lenas Haufen zurueck bringen lassen.

„Wo ist die gerichtliche Anordnung dafuer?“ schnauzte ich den Polizisten an. „Das ist Diebstahl, was sie hier machen.“

Der Polizist schaute ein wenig belaemmert, denn Widerstand war er wohl nicht gewohnt.

Lena schrie: „Nimm ihn fest! Nimm ihn fest!“

„Der Polizist bewegte sich auf mich zu und ich laechelte ihn an und fragte: „Warum wollen sie mich verhaften? Haben sie einen Haftbefehl? Falls nicht waere das Freiheitsberaubung und ich wuerde sie deswegen anzeigen.“

Nun zoegerte der Polizist wieder und sah Lena fragend an die wieder schrie: „Festnehmen und einsperren.“

Mittlerweile traf der Barangay Captain ein,  schaute sich die Situation an und meinte zu Lena gewandt: „Pack deinen dicken Cousin und verschwinde aus meinem Barangay, ich habe so langsam die Schnauze voll von dir. Entweder du haeltst dich an die Regeln hier im Dorf oder du kaufst dein Erz woanders.“ Der kleine dicke Polizist war Lenas Cousin gewesen mit dem sie glaubte uns Angst einjagen zu koennen. Nun zogen die beiden wieder ab und wir hofften auf etwas Ruhe. Zum Tagesgespraech war der ganze Zirkus sowieso schon geworden.

Genau zwei Tage lang war Ruhe und dann kam Lenas naechster Versuch. Als wir naemlich am Morgen auf die Plaza kamen, war das Chromerz, das wir von Lena unfreiwilligerweise zurueck bekommen hatten, verschwunden. Nur ein paar kleine Erzbrocken lagen noch herum.

Natuerlich fiel unser erster Verdacht auf Lena. Wir gingen zum Barangay Captain und als der die Geschichte hoerte, gluehte er vor Wut. Er schrie und tobte durch sein Wohnzimmer und schimpfte auf Lena was das Zeug hielt. Das ging nun nicht mehr um uns und Lena, das war nun persoenlich geworden mit dem Capatain und ihr. Nachdem er sich einigermassen beruhigt hatte, begann er im Dorf herum zu fragen und innerhalb weniger Minuten brachte ihn ein Junge zu dem Haus, in dessen Hof sie das eingesackte Erz versteckt hatten. Der Capatain ordnete drei Arbeiter an das Erz nun zu seinem Haus zu bringen, dort wuerde sich Lena nicht trauen, das nochmal zu klauen. Lena war ja bezahlt worden und was sie nun machte war Diebstahl.

Als Lena am Nachmittag ins Dorf kam, lies der Captain sie sofort in sein Haus kommen und schimpfte sie ordentlich aus. Als sie heraus kam, sah sie sehr kleinlaut aus. Trotzdem konnte sie es nicht lassen mir etwas zuzurufen: „Wir sehen und sprechen uns noch, Arschloch!“ Danach dampfte sie ab.

Fuer die naechsten zwei Wochen war Ruhe und die Produktion lief ohne groessere Probleme. Pedio lebte immer noch von Vorschuessen und es waren immer noch die gleichen Kauefer anwesend. Lena hatte jemanden beauftragt das Erz fuer sie zu kaufen, aber da kam nicht viel, weil es nicht so viele freie Bergleute gab. Zudem mangelte es ihr auch scheinbar an Barem, denn die Miner mussten immer zwei oder drei Tage auf ihre Kohle warten.

Aber dann sollte es von neuem beginnen. Nicht bezueglich des alten Erzes, das war im Hof vom Capatain bestens aufgehoben; nein,  sie ueberredete wieder mal unsere und Elvins Leute ihr heimlich Erz abzutreten. Aber sie sammelte das Erz nicht auf der Plaza, sondern im Hof eines Hauses am Pier. Ich ging dort heimlich am Spaetnachmittag hin und sah mir das Ganze an. In der Tat sah ich Leute von Pedio und einigen anderen beim Erz anliefern. Ich hatte nun echt die Schnauze gestrichen voll. Alle Warnungen vom Capatain hatten bis jetzt nicht gefruchtet und ich beschloss die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Zurueck an der Plaza beriet ich mich mit Alex. Wir entschlossen uns erst dann etwas zu machen, wenn einer der beiden persoenlich in Erscheinung trat.  Ich wollte den beiden so richtig Angst einjagen.

Zwei Tage spaeter sah ich wie sie das machten ohne sofort gesehen zu werden. Jesus sass im Haus an einem Fenster und hatte jemanden im Hof der alles mass und aufschrieb. Dann gab er dem Lieferanten einen Zettel und der ging zum Fenster, das etwa 2.5 Meter ueber dem Boden war und dort bekam er von Jesus das Geld. Ich machte ein Foto von Jesus in Action und zwei Tage spaeter schickte ich das Foto mit Begleitschreiben an Lena. Im Schreiben machte ich ihr klar, dass ich ihre Handlungsweise nicht laenger tolerieren wuerde und mir eigene Massnahmen vorbehielt. Ausserdem setzte ich ihr ein Ultimatum von 48 Stunden. Sollte sie dann nicht aufhoeren von unseren Bergleuten zu kaufen geht es „rund“. Was ich damit meinte, ueberliess ich ihrer Fantasie.

Das Ultimatum ging vorbei und als es vorbei war schickte Jesus einen seiner Leute zur Plaza mit einem Brief in dem nur stand, dass das Ultimatum vorbei war und sie trotzdem weiter von unseren Leuten kaufen wuerden. Nun packte mich echt die Wut und ich schrie: „Die schlage ich gruen und blau, wenn ich sie erwische. Die murkse ich ab,“ und rannte los Richtung Pier. Mein Schwager versuchte mich zurueck zu halten, aber meine Wut war einfach zu gross. Dort sah ich dann Jesus auch am Fenster sitzen und er verarschte mich: „Die Tuere ist abgesperrt“ und er drehte mir eine Nase. Hatte er scheinbar mal im Fernsehen gesehen, denn ueblicherweise machen Pinoys so etwas nicht. Ich nahm Anlauf und sprang am Fenster hoch. Mit der linken Hand hielt ich mich am Fensterbrett (oder etwas aehnlichem) fest und mit der rechten holte ich aus und gab ihm eine gewaltige bayrische Watschn. Seine Brille flog durch die Luft und er auf seinen Hintern. Ich zog mich am Fenster vollends hoch und sprang ins Zimmer. Jesus rannte zur Tuer und oeffnete den Riegel. Dann fiel er mehr als er rannte die Treppen hinunter und er lief, als ob er Teufel hinter ihm her sei. Ich verfolgte ihn noch fuer etwa hundert Meter und liess ihn rennen. Schliesslich stoppte er und in dem Moment machte ich eine Bewegung als ob ich wieder losspurten wollte. Da rannte der gute Jesus weiter wie von Daemonen gehetzt. Ich ging langsam zum Pier zurueck. Dort hatten sich vielleicht hundert Menschen versammelt, die mich alle mit grossen Augen anstarrten.

Elvin kam auf mich zu und gratulierte mir, den Jesus zum Teufel gejagt zu haben. „Der kommt nicht wieder,“ meinte er.

„Der ist in drei Tagen wieder da, so oder so, der hat keinerlei Respekt anderen gegenueber. Seine bloede Alte genausowenig,“ entgegnete ich.

Und richtig, nach drei Tagen waren Lena und Jesus wieder da. Die beiden verlegten ihre Aktivitaeten wieder an die Plaza, da der Captain es anderweitig nicht erlaubt haette. Jesus lief jetzt nur noch mit der Machete an der Huefte herum, und jedesmal wenn er in meiner Naehe auftauchte, tat ich als ob ich losrennen wuerde. Und er rannte dann wieder. Naja nach dem vierten Mal fiel er dann nicht mehr drauf rein.

Die beiden haben nie mehr von unseren Leuten gekauft. Auch ansonsten gab es bei der Sache keinerlei Nachspiel.

Allerdings wuerde ich heute in einer aehnlichen Situation nicht mehr so handeln.

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