Letzte Begegnung mit Otto

Etwa drei Monate nachdem Otto aus Cagayan verschwunden war, besuchte mich Tobias, ein Oesterreicher, der in Bukidnon eine Farm hatte und haenderingend nach einem Expat suchte, der die Aufsicht uebernehmen koennte. Und er fragte nach Otto, da der ja Erfahrung im Gemueseanbau hatte.  Ich erzaehlte ihm meine Erlebnisse mit ihm, aber er meinte, man koenne es ja mal versuchen mit ihm, da er am Boden ist und wahrscheinlich dankbar ist, wenn ihm jemand aufhilft. Ich gab ihm also Ottos letzte Handynummer und hoerte dann spaeter, dass Otto in der Tat dort arbeiten wuerde  und ausser seiner Sauferei (seine Leber muss ja schon zischen) sich eigentlich positiv entwickeln wuerde. Ich hoerte dann spaeter vom Tobias, dass der Otto sich nach neun Monaten verabschiedet hatte, da seine Sozialhilfe genehmigt worden war, er sich aber nicht zu beklagen habe ueber die geleistete Arbeit.

Trotz der Streitereien und Probleme, die Otto spaeter mit Arno hatte, hatte ich ihn in dieser Zeit nicht gesehen. Meine letzte Begegnung ging ja auf die Zeit zurueck, als Otto in Cagayan war und July plante, seine Tochter zu adoptieren. (kann man hier nachlesen) Ich wusste nur vom Juergen, dass Otto nun in Maramag lebte und ihn gelegentlich in Don Carlos besucht hatte, bis zu dem Zeitpunkt, als er den Otto hinauswarf. Auch da soll angeblich die Kruecke vom Otto zum Einsatz gekommen sein und auf Juergens Ruecken getanzt haben. So zumindest hatte es mir der Juergen erzaehlt.

Ich plante eine Fahrt mit dem Auto von Gensan nach Cagayan und der Weg fuehrte durch Maramag. Wir mochten Maramag alleine schon wegen des Stausees und dachten daran dort zu uebernachten. Immer wenn wir unterwegs waren, versuchten wir ein neues Stueck des Landes kennen zu lernen oder Bekanntes, aber beliebtes, wieder zu sehen. Bei der Gelegenheit dachte ich auch an einen Besuch beim Otto, denn obwohl mir nichts an ihm lag, so war ich doch neugierig. (Schlimmer wie die Maedels sind wir Maenner manchmal, nur geben wir es meist nicht zu.) Ich rief also den Juergen an, der zu der Zeit bereits mit ihm verkracht war, und der gab mir die Adresse nur unter der Bedingung, dass ich ihm bei naechster Gelegenheit alles haarklein erzaehlen wuerde. Das versprach ich und mit Ottos Adresse „bewaffnet“ brachen wir auf. Es war frueher Nachmittag als wir in Maramag ankamen und wir checkten in der einzigen Pension ein, die der Ort zu bieten hatte. Den Namen habe ich vergessen, aber die Unterkuenfte waren im einheimischen Stil gehalten und sehr preiswert.

Nach einer kurzen Erfrischung im Bad, machten wir uns dann auf die Suche und nach einigem herum fragen fanden wir dann auch Ottos Haus. Der war natuerlich sehr ueberrascht, aber im Gegensatz zu frueheren Begegnungen recht freundlich, was ich nicht erwartet hatte. Seine Frau war auch da und das gemeinsame Kind, das sie mittlerweile zusammen hatten. Ich schrieb „seine Frau“ und das war sie gemaess der Aussagen der beiden, denn sie hatten geheiratet. Nun mit einer nicht aufgeloesten Ehe in Surigao del Sur wuerde das Otto wirklich zum Bigamisten machen. Zaehlt man die „Stammesehe“ mit Elda dazu, dann waere er wohl zumindest moralisch ein „Trigamist“.  (gibt es das ueberhaupt?)

Otto lebte – man staune – in einem eigenen Haus und er erzaehlte auch bereitwillig, wie er an das Geld gekommen war. Otto war ja notorisch pleite und bekam 2002 zum erstenmal Sozialhilfe fuer im Ausland lebende Deutsche. Das waren etwas mehr als 9000 Pesos im Monat und da er eh ein alter Schnorrer war, der sich beim Juergen oder sonstwo durchfrass und soff, konnte er einiges auf die Seite legen und das Haus, das nicht einmal schlecht wer, erbauen. Allerdings wurde Ende 2004 die Sozialhilfe gestrichen und das Haus war eben nur fast fertig, denn danach hatte er keine Kohle mehr, um weiter zu bauen. So fehlte die Decke, das Haus war nicht verputzt – sieht man sowieso oft hier – und auch ansonsten fehlte es an allen Ecken und Enden an diesem oder jenen. Aber zumindest hatte er ein solides Dach ueber dem Kopf. Seine Frau half gelegentlich in einem grossen Haushalt als Waescherin aus und verdiente ein paar Pesos, ein bisserl was bekamen sie von der Schwiegermutter und ansonsten ging der Otto nachts los um von den Feldern essbares zu klauen. Reis, Mais und  Gemuese; nichts war da sicher vor ihm. So erzaehlte er es zumindest.

Wir ratschten fuer eine Weile und noch vor dem Einbruch der Dunkelheit brachen wir wieder auf. Ich steckte ihm 100 Pesos zu, nicht weil er mir leid tat, sondern ich sah das als „Bezahlung“ fuer die Informationen an. Wir fuhren zurueck in die Pension und gegen sieben machten wir uns auf, ein Restaurant oder sowas zu suchen. Es wurde sowas und wir landeten in einer Huehnerbraterei, die es ja mittlerweile massenweise im Land gibt. Dort trafen wir einen anderen Deutschen, der auch in Maramag lebte und den Otto gut kannte. Der hatte natuerlich auch einiges zu erzaehlen, da der Otto in den Anfangszeiten immer bei ihm zu Gast war und sich eben durch frass und durch soff. Aber schon nach zwei Monaten schmiss Werner – so hiess der Expat – ihn ‚raus.

Maramag ist tiefste Provinz, und wenn man dort lebt, dann erfaehrt man auch alles, was dort so ablaeuft. Und so erzaehlte uns der Werner eben, vieles, was wir schon wussten und einiges, das wir nicht wussten. So soll der Otto, wenn er besoffen ist, regelmaessig seine Frau verpruegeln und auch vor seiner 3 jaehrigen Tochter nicht halt machen. Sogar die Schwiegermutter soll schon etwas abbekommen haben. Dass er Frau und Kind verpruegelt war ja nichts neues, neu war nur, dass ihn die Frau nicht raus warf, denn normalerweise lassen sich philippinische Frauen eigentlich recht viel gefallen einschliesslich einer Geliebten des Mannes – mit entsprechendem Drama natuerlich – aber bei koerperlicher Zuechtigung spielen sie fuer gewoehnlich nicht sehr lange mit. Neu war auch, dass er vor der Schwiegermutter nicht halt machte.

Auf der Heimfahrt von Cagayan schauten wir dann kurz beim Juergen in Don Carlos vorbei und erzaehlten ihm, was wir erfahren hatten. Es war ja eh nicht viel, und das meiste war dem Juergen bekannt.

Etwa drei Monate spaeter bekam ich eine SMS vom Otto, in der er mir vorwarf mit Juergen Kontakt zu haben und da dieser sein Feind sei, sei ich nun auch sein Feind, denn die Freunde seiner Feinde seien auch seine Feinde. Seitdem habe ich nie mehr etwas von ihm selbst gehoert. Ueber dritte troepfelt aber gelegentlich diese oder jene Information herein.

Das war es wohl mit Otto und wenn sich in den naechsten Jahren etwas tun sollte, dann werde ich sicher davon erzaehlen.

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