Leyte (Teil 2)

Nun Mauring erklärte mir, dass sie dabei sei das Land ihrer Eltern, also das der Großeltern meiner Frau, titulieren zu lassen, da sie es verkaufen wolle. Das Ganze seien rund 5 ha für die sie 200.000 Pesos wollte, die dann unter den 8 Geschwistern, bzw. deren Nachfahren verteilt würden. Sie organisiert die Abtretungsunterschriften und sorgt dafür, dass der Titel erstellt wird. Die Kosten für den Titel kämen dann noch dazu. Generell gesehen, dachte ich mir, ist das Risiko dabei nicht groß, das schlimmste was passieren kann ist, die rund 250.000 Pesos sind weg. Ich besprach mich mit meiner Frau und wir sagten Mauring, das wir Interesse am Land haben, es aber vorher anschauen wollen.

Am Folgetag brachen wir auf nach Leyte, wo sich das Land befand. Am späten Nachmittag trafen wir in Bato ein und machten uns gleich auf den Weg. Wir fuhren etwa 10 km raus aus der Stadt Richtung Berge und hielten an einer Stelle an, wo Du weder Haus, noch andere Zivilisation erwartest. „Und hier wohnte Deine Oma?“ will ich von meiner Frau wissen. Na denn Mahlzeit!

Vor uns lag direkt nach der Straße abfallend ein Steilhang, der ca. 20m tiefer das Ufer eines Flußes bildete. Der Fluß war vielleicht 15m breit, aber nur etwa 1m tief. Auf der anderen Seite des Flusses ging es wiederum einen Steilhang rund 10m hoch. Während ich von oben aus noch alles so staunend begutachtete schrie neben mir Mauring sich die Seele aus dem Leib: „BETTY !!! BEEEETTTTYYYY !!!“ Fast rutsche ich den Hang runter vor Schreck, aber sie kann mich noch mal auffangen. Sie erklärt mir, auf der anderen Seite des Flusses, geht man den Hang hoch, läuft nach hinten und da wo man jetzt nichts sieht, wohnt ihre Schwester Betty. „Aha, na dann is ja alles klar.“ Ob die uns aber hört? Sie hat, denn nach kurzer Zeit kommt sie zwischen den Bäumen hervor und klettert den Hang hinunter.

„Will die jetzt da durchschwimmen?“ frage ich noch so und sehe Betty durch den Fluß laufen. „Tragt Ihr mich da rüber?“ frage ich Mauring, „Denn ICH laufe da sicher nicht durch!“ „Da unten liegt ein Floß, das hat nur einer vergessen auf die richtige Seite zu bringen. Da wirst Du nicht nass.“ Na Dein Wort in Gottes Ohr! Aber wir müssen ja sowieso erst mal den Hang runter kommen. Irgendwie muss mich Mauring als „Oberweichei“ abgestempelt haben, denn sie meint, ich soll mich an ihr festhalten. Nachdem ich das aber bewusst ignoriere, hält sie eben mich fest. Will gerade mich bei meiner Frau beschweren, dass ich doch keine Zuckerwatte sei, da gehts aber schon auf dem Hinterteil ein paar Meter abwärts. „Very dangerous“ höre ich noch Mauring faseln … „und warum bauen die sich keine Treppe dahin?“ will ich wissen. So ein Sch… Mauring zieht mich aus dem Gebüsch wieder raus und nimmt mir erst mal die Kameratasche ab.

Bis zum Aufschlag am Flussufer folgen noch ein paar weitere Abkürzungen auf dem Hinterteil, die peinlichen Details überspringen wir jetzt lieber. Keine Ahnung was Mauring zu Betty sagte, aber die beiden kümmerten sich um mich, als wäre ich mehr als nur zerbrechlich … oder weil sie genau wissen, was folgt. Ich vermute das zweite, das sie mir aber versuchten zum Preis vom ersten zu verkaufen … Also hielt eine das Floß fest, während die andere mich auf diese „Schaukel“ hievte. „Das ist kein Floß, das sind ein paar notdürftig zusammen gebundene Bambusstöcke!“ polterte ich los, half aber sowieso nix, wir müssen da rüber. Während der Überfahrt verklemme ich mir noch den Fuß zwischen den Bambusstecken. Heute bleibt mir Nichts erspart. Andere Seite des Flusses, ein eleganter Schritt auf die Sandbank, ist doch alles nur ein Kinderspiel!

Aber der Blick nach oben zeigt: so ein Steilhang von unten sieht aber viel gefährlicher aus als er ist. Oder ist das doch so ein … ? Nicht jammern, nur die Mutigen kommen am Ziel an. Also Mutige voraus und schon rutsche ich aus, fliege auf die Nase, bzw. kann mich mit den Händen gerade noch abfangen. Mauring folgt mir auf Schritt und Tritt und haut nach jedem Schritt den ich mache, ihren Fuß als Bremsklotz hinter meinen. So kommen wir dann irgendwann doch noch ans Ziel. Erst mal setzen und durch atmen. Ich spüre die Schwüle in der Luft und die Moskitos sind gnadenlos. Das habe ich weder in Cebu noch auf Bohol erlebt. Aber wir wollen ja das Grundstück anschauen! Also geht es weiter. Betty, die in der Nähe des Grundstücks wohnt, gibt uns in ihrem Haus was zu trinken, doch ich dränge auf Fortsetzung unseres Marsches, denn sonst wird es dunkel und dann müssen wir ja nochmal her …

(Fortsetzung folgt)

Share This Post
Related Posts
Von einem der auszog um Expat zu werden… 4.Teil
Walter und die Maedels
Eine verrueckte Geschichte 1. Teil

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>