Leyte (Teil 3)

Betty holte eine Machete und ging voraus. Gleich hinter dem Haus, kam ich mir vor, als hätte man mich mit dem Helikopter im Urwald ausgesetzt. „Gibts hier Schlangen?“ will ich wissen. „Ja.“ sagt Betty. „Das ist gut.“ meine ich, „… hast Du gerade JA gesagt?“ was für eine Sch…! „Macht nichts, die hören uns und hauen ab. Da brauchst Du keine Angst haben.“ Hoffentlich sind Deine Aussagen zuverlässiger als vorhin am Fluss, denke ich mir. Nach einer Weile und etlichen Hieben mit der Machete auf Äste und Büsche machen wir Halt. „Das ist also das Land, um das es geht.“ Außer Bäumen und einem Bach sehe ich nichts! Nach weiteren Rückfragen klärt sich, das sei der Anfang des Grundstücks. Wir gehen weiter, Hang hoch, Hang runter – immerhin nicht so steil. Wieder eine Pause. Sie zeigt auf einen steileren Hang. „Wenn wir hier hochgehen, dann können wir alles überschauen. Aber da gehen wir dann morgen hin.“ „Nein, jetzt!“ ich gehe einfach los, denn wenn ich mit denen noch 5 Minuten diskutiere, ist es dunkel.

Als ich oben bin, überblicke ich kilometerweit die ganze Umgebung. Mir stockt der Atem, was ein Ausblick, Wahnsinn! Ich sag zu meiner Frau „Keine Frage, mach mit denen alles klar, das nehmen wir. Keine Ahnung was wir damit machen, aber das ist eine Chance, zu einem überschaubaren Aufwand. Und gleichzeitig was für Deine Brüder. Und falls wir jetzt nicht mehr zurück müssten, …“ Aber wir müssen!

Wir gehen einen anderen Weg zurück, doch bereits der Abstieg zeigt, es wird schlagartig dunkel. Wir kommen zum Haus von Betty und erholen uns erst mal. Erst mal was zur Stärkung und dann, was hören wir da draußen? Ein heftiger Regen geht nieder, wie er in Leyte typisch ist. Habe ja nichts gegen Regen, aber wenn ich an die Hänge, den Fluss und die Dunkelheit denke? Und dann scheint es zu allem Übel kein kurzer Platzregen zu sein, nein es regnet sich richtig ein. Wir brechen auf und gehen Richtung Fluss.

Wie gut dass Betty stolzer Besitzer einer kleinen Taschenlampe ist! Das Handy meines Sohnes wirft allerdings mehr Licht! Na dann haben wir eben 2 Minikerzen … Wir versuchen einen Hangabstieg, „Boar ist das aber nass hier“ … und schon bin ich wieder auf dem Hosenboden durch die Prärie runter, aber dieses mal habe ich dann gleich noch 2 weitere Begleiter nieder gemäht und so kommen wir wenigstens zu dritt an! Wo ist unser Floß? Betty watet wieder durch den Fluss auf die andere Seite und zieht das Stück zurück. Mauring, inzwischen schon viel leiser, aber immer noch als mein Wachhund an meiner Seite, leuchtet mit der Minilampe aufs Floß. Ich steige drauf und … NEIN!, ich fands in dem Moment nicht lustig … fliege ins Wasser. Alles weitere erspare ich mir, obwohl der Aufstieg auf der anderen Seite, nochmals ein paar Highlights hatte.

Als wir (insgesamt 11 Leute) am Auto waren, stiegen wir ein und waren alle froh, endlich ein Dach überm Kopf zu haben. Wir wollten in eine Pension, aber in Bato gab es keine. Also mussten wir gleich weiter nach Hilongos, sodass wir rund eine Stunde unterwegs waren. In Hilongos hielten wir an einer Herberge namens „Lyra“, doch ich dachte schon, da wir alle klatschnass und dreckverschmiert waren, wenn die uns „Moorleichen“ sehen, verrammeln die sofort alle Türen und schliessen schnell ab. Aber entweder waren die kurz vor der Pleite oder waren so was gewohnt. Freundlich öffnete der Mann die Tür, bat mich herein und forderte alle anderen auch gleich auf zu folgen. Er zeigte uns die Zimmer, alles ok wir bleiben über Nacht. Nach dem Duschen setzen wir uns noch ein wenig zusammen, um von ihm zu erfahren, dass er als Seemann in der Welt rum kam, eine Zeit lang in der Schweiz arbeitete, usw. Ich war platt und legte mich ins Bett. Meine Frau erzählte mir am anderen morgen, dass er und die beiden Tanten jede Menge gemeinsame Bekannte hatten, die im Laufe des Abends und zunehmendem Alkoholspiegel immer mehr wurden …

Als wir wieder in Cebu waren, begab sich Mauring auf die Suche nach der Verwandschaft, deren Einverständnis zu dem Kauf sie ja vorher einholte und jetzt noch die Unterschriften etc. brauchte. Also es zeigte sich, dass alle greifbar waren, bis auf Conrado. Conrado ist der einzige Sohn von Maurings bereits verstorbener Schwester Louisa. Er ist nicht sonderlich intelligent, schielt und sieht schlecht, ok ab und zu dürfte er mit Wasser etwas verschwenderischer bei der Körperpflege umgehen. Aber das wars dann schon mit Einschränkungen. Denn ansonsten ist Conrado ein sympathischer Typ: er ist irre schlank und doch kräftig, ist herzlich und hilfsbereit, zuvorkommend und ein Bär von einer Seele.

Nun wo steckte er. Normalerweise verkauft er Sojaprodukte von einem Hersteller in Cebu. Aber er ist seit einiger Zeit dort nicht mehr aufgetaucht und zu hause bei seiner Frau und Kindern auch nicht mehr. Aber Conrado ist eigentlich zuverlässig. Mauring versuchte auf ihre Weise alles weitere in Erfahrung zu bringen. Vorweg, für das was jetzt kommt, muss man mit Denken und Gespür eines Pinoys vorgehen. Sie erfuhr von seiner Frau, dass er in einen Mord verstrickt sei. Die Verwandten des Ermordeten hätten bereits einen Kopfgeldjäger auf ihn angesetzt, weshalb er sich auch nicht mehr zu hause blicken lassen kann…

(Fortsetzung folgt)

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