Leyte (Teil 6)

Der nächste Kontrollbesuch stand an. Als wir am Grundstück ankamen, sahen wir dass die Treppenab- und Aufgänge ordentlich gemacht wurden, sodass man jetzt gut und unfallfrei zum Fluss kommt. Nur warum man das von uns gekaufte Seil nicht so verbaut hat, dass man trockenen Fußes das Floss von jeder Seite holen kann, kann wohl nur der beantworten, der daraus eine Hollywood-Schaukel baute! Das für die Stallungen und das Haus vorgesehene Landstück war gesäubert, bis auf ein paar Hecken mit Stacheln. Wir erklärten die weiteren Aufgaben: Bau einer Hütte, Reinigung des Baches ca. 1 km zur Quelle hin etc. Danach suchten wir eine Übernachtungsmöglichkeit mit Frühstück.

Wir fanden in Hilongos das Leopard-Resort, was einen ordentlichen Eindruck machte. Allerdings wollten die gleich den Kindern Badekleidung verkaufen, da wir diese in Cebu gelassen hatten. Das konnten wir gerade noch mal abbiegen, aber als wir später Abendessen bestellten, wurde es erheblich komplizierter. Beim einchecken fragten wir explizit was wir denn abends essen könnten. Darauf hin zeigte uns die Lady an der Rezeption (die wir zuvor am frühen Nachmittag erst aufwecken mussten, da sie hinter dem Tresen döste!!!) die Karte, die zwar kurz war – aber Hauptsache was zum Essen.

Später, während sich meine Frau und Kinder fürs Abendessen fertig machten, ging ich schon mal voraus. Setzte mich gemütlich an einen Tisch und bestellte schon mal ein SMB. Am Nebentisch waren zwei junge Filippinos, die einen kleinen Kampftrinker-Wettbewerb veranstalteten, denn auf dem Tisch waren bereits einige leere Flaschen „Red Horse“ geparkt. Sie lallten schon ein wenig und da halte ich dann eher Abstand, da dies nicht selten der Beginn eines Boxkampfes wird. Sie fragten mich ob sie sich zu mir setzen dürften.

Also wenns sein muss, aber dann halt aufpassen, dachte ich! Sie fragten wo ich herkomme und was ich hier mache. Dann erzählte einer der beiden, dass seine Mutter die Köchin des Hauses wäre und sie sich während der Ferien ein paar Pesos im Resort verdienen. Toll, da könnt ihr die ja wohl gleich wieder versaufen, dachte ich. Sie erzählten mir noch von einem „german friend“ dessen Namen sie aber vergessen hätten. Filippinos haben ein anderes Verständnis was Freundschaften angeht. Wahrscheinlich bin ich jetzt, nach dem Bier, auch ihr „friend“.

Nun irgendwann rettete mich doch meine Familie, denn wir wollten ja essen. Also liesen wir uns die Karte geben und suchten uns was aus. Die Bedienung kam, nahm die Bestellung auf und ging zur Küche. Kurz darauf kam sie wieder und erklärte, dass das Bestellte ausgegangen sei. Nun gut kann passieren, wir sind flexibel. Also suchen wir was neues aus und bestellen nochmal. Zufriedenheit macht sich breit, um dann doch gestört zu werden: unsere Bedienung kommt mit Block und Stift bewaffnet aus der Küche zurück, mir schwant nichts gutes! „Sir, I’m sorry …“ ….

. wieder sei alles ausgegangen. Ich werde stutzig, denn die Karte war schon klein und ich frage, was gibts denn von der Karte überhaupt! „Nothing!“ Frage vorsichtshalber noch mal nach: „Joke na lang?“. „No Sir, I am verry sorry. But all out of stock.“ Eigentlich will ich sie fragen, wieso sie uns übehaupt die Karte bringt, wenn denn nichts da sei und warum sie 3 mal Bestellungen entgegen nehmen will, wo doch … ich fasse es nicht, aber das ist echt der Hit, so was habe ich noch NIE erlebt. Sie schlägt uns vor außer Haus zu essen. Aber warum sollte ich, dann wäre ich doch gar nicht hierher gekommen?

„Mr. Schluckspecht“ hat alles seelenruhig beobachtet, vielleicht hat er geahnt was hier für eine Show stattfindet und hat sogar Eintritt bezahlen müssen, denke ich noch. Da meldet er sich zu Wort, also seine Mutter sei ja die Küchenchefin. Denke noch „Das hast Du doch vorhin schon erzählt Du Hirni. Ausserdem, hat uns gerade dieser Umstand wohl zu dem Ergebnis gebracht!“, da steuert er was äußerst konstruktives bei: Er würde mit der „Chefin“ reden, dass die von einem anderen „Lokal“ unsere Bestellung holen und dann müssten wir nicht raus. Na also, es geht doch! Wir mussten zwar recht lange noch auf das Essen warten, aber es kam, wir wurden satt und gingen ins Bett.

Am anderen Morgen wollten wir wieder zurück nach Cebu, aber erst noch frühstücken. Entweder haben die über Nacht die Vorräte wieder aufgefüllt oder die haben eine bessere Sortierung in Sachen „Frühstück“. Jedenfalls bekamen wir alles was wir bestellten. Danach packten wir unsere Klamotten ein und ich wollte zahlen. Plötzlich fand man keinen Quittungsblock mehr. Da ich ohnehin noch im Zimmer zu tun hatte, sagte ich noch „bin gleich wieder zurück“. Aber clever wie sie waren, drückte man den Kindern eine handgeschriebene Auflistung der Kosten als „Quittung“ in die Finger (ohne Adresse, Unterschrift, etc.). Da ich vom Vorabend aber wusste, durch „Mr. Red Horse’s Plapperstunde“, das Resort zum Verkauf stand und die Besitzer nicht anwesend sind, war schnell klar, dass da welche in die eigene Tasche wirtschaften. Da erschien die Aktion „Essen auf Rädern“ vom Vorabend dann aber in einem ganz anderen Licht … Nun hätte ich natürlich wegen der „Fake-Quittung“ einen Aufstand machen können. Dachte mir aber, wenn es den Besitzern egal ist, kann es mir das wohl erst Recht sein.

Wochen später: Inzwischen stehen der Stall für die Schweine, Hühner und Gänse. Ebenso steht die Hütte für die beiden „blinden Aufseher“, die dort die Tiere füttern und vermehren sowie die Pflanzenaufzucht kontrollieren sollen. Leider gibt es mit den Pflanzen schon die ersten negativen Erfahrungen: viele Arten (z.B. Karotten und Kartoffel) werden schon beim Austrieb von Insekten gefressen, sodass Pflanzenschutzmittel unumgänglich sind. Auch die Schweine haben sich schon „bekriegt“, sodass sie auseinander dividiert werden mussten. So wurde aus einem größeren Stall drei kleinere Ställe. Jetzt ist erstmal Friede – bis zum nächsten Krieg.

Aber die Probleme häuften sich: so zeigte sich, dass 2 der Schweinchen kaum an Gewicht zunahmen und wir sie schlachteten, da aufgrund von Anpflanzproblemen (bedingt durch die Unerfahrenheit der Brüder, haben die zu spät und falsch angepflanzt) die sonst zu viel gekauftes Futter benötigten, was einem bei kaufmännischer Betrachtung des Ganzen, die Haare zu Berg stehen lässt. Dann wurde einer der beiden Brüder krank und musste bei uns in Cebu behandelt werden. Durch hygienische Defizite, die durch das schlechte Sehen verursacht werden, hatte er einen massiven Ausschlag, dass wir nur mittels mehrerer Antibiotika wieder weg brachten. Des weiteren hatte er ein Geschwulst in der Kniebeuge, die der Arzt weg operieren wollte. Da er aber gleichzeitig noch eine Allergie bekam mit fast zugeschwollenen Augen, intervenierte ich und drängte erst mal auf ein Ausheilen des Ausschlags und einem Rückgang der Allergiesymptome. Und siehe da, plötzlich war das Knie auch wieder in Ordnung.

Die anderen Schweine haben später auch das Fressen eingestellt und lagen nur noch auf dem Boden. Ferndiagnosen kann man sich sparen und einen Tierarzt gibt es nicht in der Nähe. Nur deswegen fahren wir nicht dahin, außerdem bin ich ja kein Veterinär. Aber über das Telefon haben wir dann doch klar gesagt, was man mit kranken Tieren, die man nicht heilen kann man macht: Jedenfalls NICHT essen! OK die beiden Brüder haben sich daran gehalten. Aber Conrado und Betty mit Familien haben eine Schlachtorgie abgehalten – „Lechon Krawallie & Co“. Dass sich bei der Schlachtung bereits zeigte, dass die Leber der Tiere sehr vergrößert und gelb war, hat die lediglich dazu veranlasst, die Leber dem Hund zu geben. Den wiederum einer aus der Nachbarschaft bereits verspeist hat …

Dann schlachteten wir noch 2 Hähnchen, denen ich schon die Freiheit schenken wollte, da die vom Gewicht her indiskutabel leicht waren. Das Fleisch war dann auch noch derart zäh, dass ich dann doch bereute, nicht die Viecher laufen zu lassen. Ja und die Ziege bekam 2 Junge, die sie aber kläglich verhungern ließ. Die Gänse brüteten auf den Eiern und dann kam ein großer Regen und schwemmte die Eier weg. Die Pflanzen, die noch zur Ernte anstehen, wurden noch von Conrado abgeerntet, aber …

… jetzt ist erst mal Pause. Wir analysieren die Ergebnisse, sammeln Ideen und werden dann handeln.

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