Madge 1. Teil

Vor rund 2 Jahren hatten wir in Talsisay ein Haus gemietet für 2 Monate und unsere Ferien darin verbracht. Eines Tages, wir waren mehr zufällig zu Hause, kommt eine junge Frau vorbei. „Das ist Madge.“ sagt meine Frau. Um irgendwelche Ecken sei sie mit ihr verwandt.

Madge ist etwa 35 Jahre alt, nicht unattraktiv und sehr witzig. Eigentlich ist sie total überdreht, haut jedem auf die Schulter und lacht sich bei jedem zweiten Satz, unter Klopfen auf den Oberschenkel, kaputt. Trotzdem oder gerade deswegen(?), hat sie durchaus etwas an sich, was sie nicht unsympathisch macht. Wir scherzen so auch den halben Nachmittag und die Zeit ging sehr schnell und kurzweilig vorbei.

Madge meinte noch, wenn wir nächstes Jahr nach Cebu auswandern, dann müssten wir unbedingt ein Haus bauen! Mieten sei viel zu teuer. Ich erklärte ihr, dass das ja nicht nur eine Frage der Miethöhe sei, sondern auch eine des Preises für Grundstück und das Bauen selbst. Ausserdem, werde ich, solange ich nicht 100% sicher bin, hier für immer zu bleiben, keinen Peso investieren. Hat sie es kapiert was ich meinte? Sie ist selbstständig und hat mit ihrem Bruder eine Firma, wo sie Personalleasing betreibt. Trotzdem, hat sie meine Worte zwar vernommen, aber nichts verstanden…

Mich wunderte, warum kommt Madge uns besuchen, wo eigentlich kein Mensch weiß wo wir wohnen und wie lange? Immer wenn Dich hier einer besucht, will er was von uns! Was will Madge? Wir erfuhren dann in weiterer Recherche, dass Madges Ehemann, mit dem sie 3 Kinder hat, im Knast sitzt. Er wartet dort auf seinen Prozess wegen Drogenhandels. „Aha, die braucht Kohle, um ihn da raus zu hauen!“ sagte ich noch. Aber wir waren uns nicht sicher und da wir wieder zurück nach Deutschland mussten, war dies auch ihr einziger Besuch bei uns in Talisay. Allerdings meldete sie sich noch am Folgetag und wollte sich telefonisch bei uns verabschieden, vor allem auch bei unseren Kindern.

So war es dann auch nicht so verwunderlich, als Madge nachdem wir letztes Jahr hier in Cebu eintrafen, sich wieder bei uns meldete. Sie wollte unbedingt uns besuchen. Also kam sie: „Ahhh – wohnt ihr toll. Prima Aussicht … was kostet denn das?“ „Madge, das kostet ein paar Peso. Über den exakten Betrag möchte ich aber nicht sprechen. Bitte akzeptiere das.“ sagte ich zu ihr. In diesem Augenblick war mir allerdings noch nicht klar, dass sie mit dem Eigentümer des Condos Geschäfte macht und ihn kennt. So erzählte mir später der Guard, dass sie sich beim rausfahren aus dem Condo, bei ihm über unsere Miethöhe erkundigte. Ist es nur Neugier oder steckt was anderes dahinter? Wir werden sehen …

Madge meldete sich immer wieder und meinte wir sollten sie in Liloan besuchen. Das ist eine Stadt nördlich von Cebu, etwa eine halbe Stunde entfernt. Wir hatten Besuch von einer Tante meiner Frau, die auch die Familie von Madge gut kennt. So erzählte sie uns, dass sie für 2-3 Tage nach Liloan geht und würde dann gerne wieder zurück kommen.

Als sie zurück kam, erzählte sie dass Madges Bruder und Vater dort eine KTV-Bar betreiben. In der singen dann irgendwelche „Mädchen“ Karaoke, animieren die männliche Kundschaft, sorgen für Umsatz und verschwinden dann mit den Männern wohin auch immer, für was auch immer. „Und was machst Du da mittendrin? Bist Du da die Ersatzmutter oder die Puffmutter?“ frage ich sie. Sie lacht, ich weiß sie ist für einen schrägen Spaß zu haben, sonst hätte ich da meinen Mund gehalten. „Nein, ich singe da nur ein bischen und schenke Bier aus.“ meint sie. Letzlich ist mir das egal, jeder ist in seiner eigenen Welt sein König.

Ein paar Tage später, fahren wir gemeinsam in den Norden der Insel, und fahren an Liloan vorbei. „Da steht die KTV-Bar.“ meint die Tante. Ich frage sie, ob wir auf dem Rückweg da einkehren können. Sie sagt „kein Problem“. Also kehren wir abends gegen 6 Uhr zurück und halten an. Da ist aber keiner da. Mich wundert das nicht wirklich, denn wer soll zu dieser Uhrzeit in solch eine Bar. Aber die Tante findet irgendwann doch noch Madges Vater. Der meint der Rest käme auch gleich und die Tante trällert bereits ins Mikro. Sie meint noch ich sollte bezahlen, da sonst die Musik nicht spielt. Wäre mir ehrlich gesagt sogar am liebsten und ich lasse mein Geld mal schön stecken. Aber merkwürdigerweise läuft die Musik trotzdem weiter … man lernt nicht aus!

Fortsetzung folgt

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