Meine Erfahrungen mit Korruption

Es ist ja den allgemein bekannt, dass Korruption und Bestechung auf den Philippinen blueht, so wie eben in allen Laendern, die frueher mal eine spanische Kolonie waren. Wenn man dann eben hier lebt, dann ergeben sich auch Situationen,  in denen das Gegenueber bestochen werden will. Und ich werde hier einige Geschichten erzaehlen, die zeigen, wie sehr Bestechung zum philippinischen Alltag gehoert.

Nur eine „Fastbestechung“

Es war im Dezember 1987 und wir waren noch nicht allzulange im Chromerzgeschaeft taetig, als ich meine erste wirkliche Begegbung mit Bestechung hatte. In der Vergangenheit hatten wir schon einige Pumpboats geladen, wobei hier aber niemand kommt um zu kontrollieren und das einzige was man sich abholen muss, ist die Freigabe von der Coast Guard. (Wasserpolizei) Hier hatte ich zum ersten Mal den Begriff SOP gehoert, konnte mir aber nichts darunter vorstellen. Aber dazu kommen wir heute noch.

Wir wollten unser Erz also laden und der LCT (eine Bezeichnung, die auf die militaerischen Landungsboote des 2. Weltkrieges zurueck geht) Dulce Amor war am Vorabend in Donna Helene eingetroffen. Der Onkel meiner Frau hatte in den Tagen zuvor bereits alle Papiere besorgt und sprach ebenso von SOP Zahlungen, die er geleistet hatte. Wir begannen am morgen nach der Ankunft des Schiffes zu laden. Alles wurde manuell gemacht und ein Beauftragter vom Barangay zaehlte die Saecke, die verladen wurden, denn selbstverstaendlich bekam das Barangay 50 Centavos pro Sack und auch die Town kassierte den gleichen Betrag noch einmal. Der erste Tag ging vorbei und wir hatten ueber die Haelfte des Erzes geladen, womit es auch fest stand, dass wir die drei Tage, die wir zum Laden hatten, nicht ueberschreiten wuerden. Wenn man die Vorgabezeit nicht einhaelt, musste man Verspaetungsgebuehren bezahlen – die sogenannte Demurrage – die sich damals auf stolze 25.000 Pesos pro Tag beliefen.

Gegen nachmittag kamen dann zwei Soldaten auf dem Motorrad angefahren, das heisst ich dachte es seien Soldaten, denn sie trugen Dschungel Tarnanzuege, aber es handelte sich um Polizisten der PC. (Philippine Constabulary) Die PC war eine Polizeieinheit, die fuer die nationale Sicherheit zustaendig war und die lokale Polizei nannte sich INP. (Intergrated Philippine Police) Die waren dann fuer Sicherheit und Ordnung in den Ortschaften und Staedten verantwortlich. Die PNP, die wir heute kennen und die beide Truppen vereinigte, wurde erst etwas spaeter ins Leben gerufen.

Nun ja die Burschen schauten eine Zeit lang dem Laden zu und wollte dann die Papiere sehen, die ich ihnen zur Pruefung uebergab. Sie kontrollierten die Papiere und dann Begann das Reden, es sei ja in drei Tagen Weihnachten und da habe man endlich frei und koenne zur Familie auf das Festland, aber die Kinder haetten halt gerne Weihnachtsgeschenke und so weiter. Mir war nun voellig klar, worauf es hinaus laufen sollte. Ich stellte mich „taub“. Sie sprachen mit Alex meinem Schwager und der erklaerte mir, dass es ueblich sei, dass man eben SOP bezahle insbesondere an Weihnachten. Nun ja ich bezahlte den Herren einige Biere, aber weiter wollte ich nicht gehen. Fuer mich war Bestechlichkeit damals etwas verabscheuenswuerdiges insbesondere da man diese Art von Bestechlichkeit in Deutschland kaum kennt.  Da gibt es Korruption hauptsaechlich nur auf hoechster Ebene. Trotz der Biere drucksten sie herum und meinten auf Englisch, dass sie eigentlich die Ladung aufhalten sollten, da ich keine SOP bezahlen wolle. Fuer mich war der Hauptunterschied der, dass wir Papieren hatten und andere, die luden hatten eben keine und bezahlten. Ich sagte Alex, dass er ihnen das doch bitte verstendlich machen solle. Alex erklaerte es ihnen und so rueckten sie ab ncht ohne lautstark zu bemerken, dass ich eben die Sitten noch nicht kennen wuerde.

Indays Onkel erklaerte mir am abend auf mein Draengen hin, was SOP bedeuten wuerde; es heisst also nicht „Son of a P(B)itch“ sondern schlicht und einfach „Standard Operation Procedure“, eine blumige Umschreibung fuer Bestechung.

Erbschaftssteuer

Als wir 2003 das Haus kauften, in dem wir leben, musste eine ganze Menge Papierkram erledigt werden, bevor wir uns an die Bezahlung machten. Es begann damit, dass die Grundsteuer seit ueber 20 Jahren nicht mehr bezahlt worden war. Also mussten wir erst alles mit der Stadt regeln, wobei saemtliche von uns bezahlten alten Steuern vom Kaufpreis abzuziehen waren. Als neachster Schritt stand dann das BIR mit dem „Capital Gain Tax“ bevor und als alles berechnet war, wollten die neben den 63.000 Pesos Tax auch noch eine Nachzahlung von 166.000 Pesos fuer Erbschaftssteuer. Das Grundstueck und das Haus waren eben auf beide Eheleute eingetragen und die Frau war 1993 verstorben. Damals haette der Ehemann etwa 3.000 Pesos Steuer bezahlen muessen, wenn er den Tod auf dem Finanzamt gemeldet haette. Das hatte er aus Unwissenheit nicht gemacht und nun war der Betrag wegen Zinsen und Strafen auf diese horrende Summe angewachsen. Meine Steuerberaterin wusste Rat und so erkundigte sich der Eigentuemer in Legaspi City nach den Steuern, was rechtens war, da er dort seit fuenf Jahren lebte.

Einige Tage spaeter faxte er mir einen Brief und die Bedingungen dort waren wesentlich humaner. Sie wollten 25.000 Pesos haben, aber die Quittung wuerde ueber weniger lauten. Der Rest waere fuer die involvierten Beamten.  Ich schickte also das Geld (das wiederum vom Kaufpreis abgezogen werden sollte) und zwei Wochen spaeter kam ein grosser Umschlag mit LBC, der alle Papiere enthielt. Offiziell wurden 500! Pesos Erbschaftssteuer bezahlt und 24.500 Pesos wanderten in die Taschen der Beamten. Das ist natuerlich ein tolles Verhaeltnis von Steuer zu Bestechungsgeldern. Kein Wunder wenn dem Staat das Geld an allen Ecken und Enden fehlt.

Demnaechst geht es dann mal weiter mit anderen Geschichten ueber Korruption, die eines der groessten Probleme im Land darstellt.

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