Meine fruehen Erfahrungen mit Cebuano

Zum erstenmal habe ich Cebuano bei meinem Urlaub 1985 gehoert. Es gab natuerlich schon einige Worte, die ich verstand, da sich ja zum Teil etliche spanische und auch einige englische Vokabeln eingeschlichen haben. Aber Zusammenhaenge zu verstehen war mir selbstverstaendlich nicht moeglich. Nur gut, dass fast ueberall Englisch verstanden und auch gesprochen wird.

Es gibt einige bemerkenswerte Dinge zu erwaehnen ueber diese Sprache. Es wird prinzipiell zu neunzig Prozent Spanisch gezaehlt, aber es gibt natuerlich auch Zahlworte in Cebuano. Aber, und das ist das Interessante daran, alle koennen in Visaya – so wird Cebuano allgemein auch genannt – nur bis zehn zaehlen. Fordert man dann den Pinoy auf doch weiter zu zaehlen, geht es nur auf Spanisch weiter, denn es erinnert sich wohl keiner mehr, wie hier gezaehlt wurde, bevor die Spanier kamen. Sicher gibt es „isa ka gatos“ fuer 100 oder „tolo ka libjo“ fuer 3000, aber die Zahlen dazwischen sind auf Visaya nicht mehr bekannt. Nicht einmal ein Linguist aus Cebu wusste wie es weiter geht.

Es gibt auch spanische Phrasen, die „verballhornt“ wurden, wie z. B. „kumusta“. Das heisst wie geht es dir/Ihnen und ist nichts anderes als das spanische „como esta“.

Anderes sind dann zum Beispiel die Uebernahme von Markennamen als Woerter: Colgate ist das allgemeine Wort fuer Zahncreme, Xerox ist eine Fotokopie und Kodak ein Foto, wobei hier gelegentlich auch das spanische Wort Litrato auftaucht.

Auch werden einheimische Woerter oft zu Namen/Bezeichnungen umfunktoniert. Wenn ein Supermarkt z. B. den Namen eines Fisches nicht weiss und der Lieferant eben auch nicht, dann kann man im Display fuer einen roten Fisch eben „Pulahan“ oder einen weiss/silbrigen Putian lesen. Pula heisst rot und puti weiss.

Man hat es hier auch nicht so mit der Rechtschreibung und so sind Buchstaben wie „e“ und „i“ oder „o“ und „u“ beliebig austauschbar. So wird dann eben „ehe“, das Wort fuer Urin, auch mal „ihi“ oder „ihe“ oder gar „ehi“ geschrieben. Ausgesprochen wird es aber wie das deutsche Wort „Ehe“. Das kann insbesondere aber auch mal bei den Behoerden zu Problemen fuehren. Wenn die Freundin nun mit Familiennamen z.B. „Ireno“ heisst und das auch so in der Geburtsurkunde steht, dann muss das nicht unbedingt richtig sein, denn unter Umstaenden steht in der Geburtsurkunde des Vater eben „Erino“. Das kann natuerlich bei einer gesetzlichen Aenderung sehr viel Zeit verschlingen und es kostet auch einiges.

Wie bei allen Filipinos werden auch auf den Visayas „V“ und „B“ sowie „F“ und „P“ vertauscht und die Menschen aus Davao werden dann zu Dabaenos. Manchmal wird Davao von einigen auch mal „Dabaw“ geschrieben. Und „piptypibe“ hat mit einer Pfeife gar nichts zu tun, sondern heist eben schlicht fiftyfive.

Fuer einen Linguisten ist das Ganze sicherlich sehr interessant.

Ich moechte hier nun ein paar Geschichten erzaehlen, die alle mit Cebuano und dessen Dialekte wie Boholano und Surigaonon zu tun haben.

„Inday uno“

Der Ausspruch „Inday uno“ ist in Surigao sehr gelaeufig. Ausserhalb der Provinz kennt man ihn nicht. Und so erzaehlt man sich in Surigao die folgende Geschichte: Es kam ein Mann aus Cebu morgens mit dem Schiff und er fragte einen der Gepaecktraeger dort, wie denn das Schiff heisse, das nach Siargao Island faehrt und wo es abfahre. Der Mann antwortete „Inday uno“ und der Mann war zufrieden und ging los um ein Schiff namens „Inday Uno“ zu suchen. Dass „Inday uno“ im heimischen Dialekt „Ich weiss nicht“ heisst, konnte er natuerlich nicht wissen. Und so sucht er moeglicherweisse noch heute.

„Das deutsche Alphabet“

Meine Frau wollte am Anfang etwas Deutsch von mir lernen und eines der ersten Dinge, die sie von mir wollte, war das deutsche Alphabet kennenzulernen. Nun ist das ja normalerweise nichts schwieriges, aber als ich das Alphabet aufgesagt hatte, kringelte sie sich vor Lachen, was mir natuerlich gaenzlich unverstaendlich war. Sie liess es mich wiederholen und lachte wiederum. Mit lernen war dann nichts mehr gelaufen. Aber meine Frage nach dem „Warum“ des bruellenden Gelaechters ignorierte sie einfach.

Als wir am naechsten Tag ihren Bruder trafen, musste ich das Alphabet wieder aufsagen und diesmal lachte sich der Bruder scheckig. Wieder bekam ich keine Antwort weder von ihr noch von ihm. Und so ergab es sich, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Alphabet aufsagen musste, und jedesmal gab es schallendes Gelaechter, dessen Gruende mir noch lange verborgen bleiben sollten. Nach einiger Zeit wurde mir das dann zu dumm und ich rezitierte es nicht mehr.

Bei meinem naechsten Besuch auf den Philippinen kam das ganze wieder mal zur Sprache – wir waren in Paniog bei ihrer Familie – und dieses mal lachte sogar die Schwiegermutter mit, die ich sonst eher als ernste Person kannte.

Zwei Jahre spaeter erfuhr ich dann die Loesung des Raetsels: Teil des deutschen Alphabetes sind ja die Buchstaben i – jot – ka und das war genau der Stein des „Anstosses“. Denn „iyot“ heisst auf Visaya „voegeln“ und ka ist kurz fuer du oder dich. Ich hatte also jedesmal beim Aufsagen des Alphabetes die Worte „ich voegle dich“ drin.

Lorenzo und „kuan“

Als wir unseren Chromerzabbau auf Dinagat begonnen hatten, war Lorenzo – genannt Insong – einer unserer Partner. Lorenzo war ein sehr netter Kerl, der gerne Gitarre spielte und auch recht gut singen konnte. Aber irgendwie fehlten ihm manchmal die richtigen Worte im Englischen, obwohl er eigentlich recht ordentlich sprach. Nun gibt es in Cebuano das schoene Wort „kuan“ das man am besten mit dem deutschen Wort Dingsbums uebersetzen koennte; also ein Wort das ich dann einsetze, wenn mir das richtige Wort „auf der Zunge liegt“ aber nicht einfaellt. Und bei Insong lagen manchmal sehr viele Worte „auf der Zunge“ so dass ich manchmal seine Zunge als Woerterbuch bezeichnete.

Und machmal gab es eben Saetze, die dann in etwa so klangen: „If the ‚kuan‘ is there tomorrow, then I will already ‚kuan‘ the ‚kuan‘.“ Oder eben: If the money is there tomorrow, then I will already pay the people. (Wenn das Geld morgen kommt, werde ich die Leute bezahlen.)

Obwohl ich Insong ja ueber etliche Jahre hinweg kannte, konnte ich wegen der vielen „kuans“ nur die Haelfte von dem verstehen, was er sagte.

The End

Share This Post
Related Posts
Lake Mainit …..zum Zweiten
Gold, Gold, Gold……
Anda White Beach Resort – Bohol

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>