Minny 1. Teil

Im Jahre 1991  hatten wir ja mit unserer Farm begonnen. Wer naeheres wissen will kann es hier nach lesen. Natuerlich benoetigten wir auch eine Bodega in Agora, wo wir unser Gemuese lagern konnten und wo wir alles fuer die Auslieferung vorbereiten konnten. Ich war damals im Maerz in Agora gewesen und hatte mich mit verschiedenen Haendlern und Bodegainhabern unterhalten und mich am Ende fuer Ronny entschieden, da sie den ehrlichsten und auch interessiertesten Eindruck machte.

Als unsere Lieferungen dann begannen, waren wir auch regelmaessig in Agora. Dort ging es sehr geschaeftig zu und in kurzer Zeit lernten wir all die anderen Bodegabesitzer kennen. Einige schaetzte man sehr, andere waren weniger interessant und so entwickelten sich Beziehungen zu den einzelnen Leuten.

Eine andere wichtige „Einrichtung“ in Agora waren die „Buayas“ (das ist Visaya fuer Krokodil), und die traf man immer an. Vom fruehen Morgen bis in die Nacht hinein versuchten sie Gemuese zu kaufen und anderweitig wieder mit Gewinn an den Mann zu bringen. Dabei war man nicht immer ehrlich und zog den einen oder anderen schon mal ueber den Tisch. Es gab aber auch ehrliche Buayas.

Eine der groessten Haendlerinnen war Minny, deren Bruder Kagawad (Stadtrat) in Cagayan war. Ihre Bodega war immer voll mit Gemuese, denn neben dem Handel betrieb die Familie auch eine Farm in Alanib. Zudem lieferten sie waehrend der Saison auch sehr viel Gemuese nach Manila, denn waehrend der Regenzeit konnten die Kordillieren nicht produzieren und Preise fuer Gemuese aus Mindanao schossen nach oben. Dann wurde Minnie sehr geschaeftig und war laufend in den Bergen unterwegs um Gemuese zu kaufen. Die ganze Familie half mit den Betrieb am Laufen zu halten und sie waren eigentlich ein Musterbeispiel einer erfolgreichen, philippinischen Familie.

Wir hatten verschiedene Erlebnisse mit ihr, die ich hier so nach und nach erzaehlen moechte.

Als ich sie am Anfang kennen lernte hatte ich einen sehr positiven Eindruck. Sie und ihr Mann Tano waren nicht nur freundlich, sondern auch immer zu Scherzen aufgelegt und man verbrachte ganz gerne Zeit mit ihnen. Sie fragte auch nie nach unserem Gemuese, sondern akzeptierte die Tatsache, dass wir einfach direkt auslieferten und in Agora selten etwas verkauften.

Eines Tages lernte ich einen anderen Bodegainhaber namens Pedro besser kennen. Auch er war sehr fleissig und selten in seiner Bodega anzutreffen, die dann immer von seinem Sohn gefuehrt wurde. Und dieser Pedro erzaehlte mir, dass Minny eine Betruegerin sei und die ganze Familie das unterstuetzen und auch decken wuerde. Nun konnte ich mir das beim besten Willen nicht vorstellen, denn mir waren sie immer sehr freundlich und zuverlaessig erschienen. Gelegentlich hatten wir von ihr sogar Gemuese gekauft und wenn ich mal reklamieren musste, wurde das prompt erledigt. Und so erzaehlte ich das dem Pedro. Der meinte nur, dass ihre Freundlichkeit ihre „Geheimwaffe“ sei und ploetzlich wuerde sie wie eine Schlange zuschnappen, und bumm sass man da und hatte einige 10.000 Pesos in den Sand gesetzt.

Nun ja, solche Redereien koennen hier alles moegliche bedeuten. Sie koennen wahr sein oder sie koennen aus Neid heraus entstanden sein. Ich nahm mir vor, das ganze sehr genau zu beobachten und Geschaefte mit Minny weitgehend zu vermeiden.

Fuer lange Zeit hoerte ich nun nichts mehr ueber Minny, bis ich eines Tages mit meiner Frau bei Fely in der Carenderia sass und dort wurde Inday von einer Frau angesprochen, die ihr einiges erzaehlte. Es ging um Minny und es ging um Betruegereien. Eine ihrer bevorzugten Methoden schien zu sein, Farmer bereits vor der Ernte anzusprechen, ihnen eine kleine Vorauszahlung zu machen und dann wenn die Ernte kommt, hinzufahren und alles abzuholen, aber danach mit vielen faulen Ausreden nicht mehr zu bezahlen.

Es war wohl 1993 geworden, als meine Frau zum ersten Mal einen Geschaedigten traf und es sozusagen aus erster Hand erfuhr, denn genauso, wie es die Frau damals in der Carenderia geschildert hatte, ist es abgelaufen. Der Geschaedigte war ein kleiner Farmer und es drehte sich bei ihm nicht mal um Unsummen, sondern um nur 7000 Pesos, was fuer ihn eine Menge Geld war, insbesondere wenn man bedenkt, dass die naechste Ernte seiner Paprikaschoten noch 3 Monate ausstand und er nicht mehr wusste, wie er die spritzen und kultivieren sollte ohne Geld.

Das fand ich jetzt natuerlich ganz besonders schofel, einen kleinen Farmer ueber den Tisch zu ziehen und ich nahm mir vor Minny darauf hin anzusprechen. Einige Tage spaeter war es soweit und ich war alleine mit Minny in ihrem Buero.

„Sag mal, Minny,“ begann ich, „wir haben da einen Farmer aus Kolambugan getroffen, und der erzaehlte, dass du seine Pakrikas nicht bezahlt hast. Warum denn das?“

„Nun die Dinger faulten innerhalb von zwei Tagen, da sie nicht ordentlich gespritzt worden waren und ueberall die Larven der Fruchtfliege im inneren herum krochen. Die waren halb verfault, als sie in Manila ankamen und wurden natuerlich nicht bezahlt. Auf der Fracht bin ich auch sitzen geblieben,“ antwortete sie und ich konnte diese Argumantation nicht widerlegen. So wuerden wir die Wahrheit wohl nicht heraus finden.

Solche Geschehnisse wie mit diesem Farmer haeuften sich nun und immer oefter hoerten wir von solchen Geschichten. Auch einige Buayas begannen nun bei uns „auszupacken“, da man sich ja nun schon laenger kannte.

Immer oefter brachte ich die Sprache auf solche Geschehnisse bei Minny, und jedesmal hatte sie eine andere Ausrede parat. Jedesmal war es absolut plausibel was sie sagte und es war ihr wohl kaum beizukommen.

Einige der Geschaedigten hatten auch bei der Polizei reklamiert und bekamen nur zu hoeren, dass das wohl eine Privatsache war und ueber eine normale Zivilklage zu regeln sei. Nicht bezahlen in solchen Faellen war ja kein Betrug, erzaehlte die Polizei den Geschaedigten. Die Ware sei eben nicht in Ordnung gewesen.

So konnte sich die „gute Minny“ immer aus der Affaere ziehen.

Aber es wohnten zwei Seelen in Minny’s Brust, und damit geht es im zweiten Teil erst einmal weiter, bevor wir wieder Detektiv spielen durften.

Fortsetzung folgt

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