Minny 2. Teil

Im July 1994 erschien ein Artikel in der Zeitung, dass Gemuese aus verschiedenen Gebieten Luzons mit Formalin behandelt worden  sei, um die Lagerdauer zu verlaengern. Dieses Gemuese stammte in erster Linie aus Nueva Vizcaya und Nueva Ecija. Einige Tage spaeter verschaerfte sich die Situation mit Berichten, dass auch Gemuese aus Bataan mit Formalin behandelt worden sei. Im naechsten Artikel war dann zu lesen, dass das Gemuese aus den Kordilleren ebenfalls belastet sei. Das liess die „Formalinpanik“ auch auf die Visayas und Mindanao uebergreifen und Verkaeufe fielen in den Keller. Man konnte es aber den Kunden nicht uebel nehmen, da Formalin in erster Linie bekannt war um Leichen „haltbar“ zu machen.

Auch unsere Bestellungen gingen drastisch zurueck. In Agora kochten die Geruechte und es wurde geraetselt, welche Farmer und Haendler wohl Formalin verwenden wuerden. Ororama entschloss sich Proben ziehen zu lassen und diese im Labor des NBI (National Bureau of Investigation) untersuchen zu lassen. Einige Tage spaeter kamen die Ergebnisse und sie waren erschuetternd. Alle Proben waren positiv fuer Formaldehyd, die schaedliche Chemikalie, die zu 37% in Formalin enthalten ist, mit Ausnahme unseres Eisbergsalates.  Insbesondere in unserem Falle war es unverstaendlich, da wir keinFormalin verwendeten und da wir auch in erster Linie nur mit eigenem Gemuese handelten.

Innerhalb von drei Tagen tauchten NBI Agenten in Agora auf um dort direkt Proben zu ziehen. Auch im Cogon Markt waren die Agenten aktiv. Wieder waren alle gezogenen Proben positiv. Unser Eisbergsalat war diesmal beim Test nicht dabei.

Minny jammerte, dass sie fast kein Gemuese mehr verkaufen konnten, aber es ging nicht nur ihr so, sondern anderen Haendlern ebenso. Wir waren natuerlich total uninformiert und es gab auch kein Internet zuum recherchieren so wie heute. Ich ging also zu der Xavier Universitaet, wo ich einen der Lehrer sehr gut kannte (das waren fast alle Jesuiten) und bat um die Erlaubnis deren Buecherei verwenden zu duerfen, die ich auch bekam. Einer der dortigen Chemie Lehrer mit einigen Studenten halfen mir bei der Suche, aber viel kam dabei nicht heraus. Das einzige positive was wir lernten, war, dass eine qualitative sowie eine quantitative Analyse haette gemacht werden koennen. Was tatsaechlicht analysiert wurde vom NBI wussten wir nicht und so fragte ich einfach nach. Im NBI Labor erfuhr ich dann, dass nur eine qualitative Analyse gemacht worden war, die auch Formalingehalt von 5 Teilen pro Milliarde  (5ppb) nachweisen koenne. Wieviel Formaldehyd die Proben nun tatsaechlich enthielten, wussten die Agenten nicht.

Zurueck bei Minny erzaehlte ich was ich soweit herausgefunden hatte und nun bat ich sie in Deutschland anrufen zu duerfen, um weiteres zu erfahren. Ich rief drei Freunde in Deutschland an, die daraufhin recherchierten und eines der Ergebnisse zwei Tage spaeter war, dass fast alle Obst und Gemuesesorten natuerliches Formaldehyd enthielten und die WHO damals den Standard auf 40 ppb (parts per billion) gesetzt hatte. Damit war uns nun klar, dass eine qualitative Analyse gar nichts anderes als positiv sein konnte.

Am gleichen Nachmittag kamen um die 20 Agenten nach Agora und nahm ueber 40 Leute zur Vernehmung mit. Ich war einer der „Erwaehlten“ und ich machte im NBI meine Aussage, wobei der Kernpunkt war,  dass ich weder jemanden kennen wuerde, der Formalin zur Praeservierung verwenden wuerde, noch jemals davon gehoert haette. Mein Hinweis auf das natuerliche Vorkommen von Formalin sowie auf die Tatsache, dass die Menge des enthaltenen Formalins weder hier noch in Manila untersucht worden war, wurde geflissentlich ignoriert.

Zwei Tage spaeter stand dann im Goldstar Daily zu lesen, dass ich angeblich gesagt haette, dass ich schon wuesste, wer Formalin verwenden wuerde, aber das erst zu einem spaeteren Zeitpunkt sagen wuerde. Ich regte mich furchtbar darueber auf und marschierte sofort zum Goldstar und verlangte den Editor in Chief zu sprechen, was mir auch gewaehrt wurde. Dem erklaerte ich die Sachlage und liess ihm die Kopie meiner Aussage lesen, auf die ich bestanden hatte, obwohl man mir sagte, das sei nicht ueblich. Der machte ganz schoene Augen und rief zuerst den Reporter zu sich, der den Artikel geschrieben hatte. Der bestaetigte die Behauptung, dass der NBI Agent das so gesagt habe. Der Editor versprach g;lich fuer den naechsten Tag eine Korrektur in seiner Zeitung und er werde ebenso auf das natuerliche Vorkommen hinweisen und das NBI fragen, warum keine quantitative Analyse gemacht worden war.

Der Mann hielt Wort und am naechsten Tag stand es berichtigt in der Zeitung, wobei das NBI ziemlich schlecht weg kam wegen der Unterlassungen sowie wegen der falschen Zitate.

Nachdem wir das gelesen hatten,  beschloss Minny, dass wir nach Manila fliegen wuerden auf ihre Kosten und dort alle Proben untersuchen lassen wuerden sowohl qualitativ, als auch quantitativ.Wir gingen also bei allen Haendlern vorbei und zogen Proben. Alles in allem schleppten wir ueber 200 Proben mit nach Manila.

Am naechsten Morgen flogen wir los und da Minnys Leute sich bereits erkundigt hatten, wussten wir auch zu welchem Labor wir mussten. Dort gaben wir unsere Proben ab – das war teuer und kostete ueber 100k wegen der Menge – und nun mussten wir drei Tage warten, um alle Ergebnisse zu bekommen. Endlich war es soweit und alle Proben erwiesen sich qualitativ als positiv und quantitativ als weit unter dem von der WHO gesetzten Standard. Wir freuten uns natuerlich und feierten an diesem Abend. Am nachsten Morgen flogen wir zurueck nach Cagayan und informierten zu allererst die Haendler und danach fuhren wir zum Goldstar, wo wir die Ergebnisse vorlegten. Der Editor kopierte die gesamten Analysen und schrieb einen flammenden Artikel, in dem er wuetend die Behoerden angriff und ihnen vorwarf, dass sie inkompetent seien und nicht einmal sich entsprechend informierten, sondern stattdessen eine landesweite Panik hervor riefen. Am folgenden Tag war eine fast genaue Abschrift im Inquirer und einer der Kolummnisten griff das NBI „for sloppy investigation“ an. Die anderen Zeitungen uebernahmen die Berichterstattung und Jaime, der Editor vom Goldstar, hatte einen „Field Day“, denn ueberall stand dabei: „Mit freundlicher Genhmigung des Goldstar Daily“.  Jaime und ich sind danach gute Freunde geworden.

Man sollte nun glauben, dass alles ausgestanden war, aber Pustekuchen, so leicht liess sich das NBI nicht einschuechtern.

Fortsetzung folgt

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