Minny 3. Teil

Zwei Tage spaeter machte das NBI eine Aussage demzufolge man den Analysen von privaten Labors nicht trauen duerfe, da sie gekauft seien, und nur ihre Analyse  Gueltigkeit habe. Die Aussage, dass Obst und Gemuese natuerlich Formaldehyd enthielten sei „Schmarrn“, und der Standard der WHO sei „null parts per billion“.

Nun standen wir da und hatten trotz der Reise nach Manila und der hohen Kosten fuer die Analysen nichts erreicht. Unsere Kunden weigerten sich nach wie vor Gemuese abzunehmen, und der Schaden fuer die Farmer und Haendler ging bereits in die Millionen. Etliche Farmer beschlossen,  ihre Ernten verfaulen zu lassen. Viele noch nicht erntereife Felder wurden vernachlaessigt, da keiner investieren wollte, da man nicht wusste, wenn der Zirkus vorbei sei. Das NBI wollte um jeden Preis recht haben.

Minny war stinksauer! Wir beratschlagten uns und entschlossen uns Proben nach Australien zu schicken. Erneut entstanden hohe Kosten. Wir verschickten die Proben mit DHL und bereits vier Tage spaeter kamen die Analysen per Fax herein. Die Ergebnisse waren unveraendert, alle Ergebnisse waren weit unterhalb des von der WHO gesetzten Standards.  Wir baten die Firma mit den Orginaldokumenten doch auch die WHO Standards und Bestimmungen beizulegen.

Zwischenzeitlich gab es Diskussionen in den Medien ueber das natuerliche Vorhandensein von Formaldehyd in Pflanzen. Professoren der Universitaeten beteiligten sich, aber die Antworten vom NBI waren unveraendert. Es gaebe kein Formalin in Pflanzen, wenn es nicht kuenstlich beigebracht werden wuerde. Auch die Standards der WHO wurden abgedruckt, allerdings von auslaendischen Behoerden, da die philippinischen Stellen die nicht kannten. Jede Behoerde tat sich wohlwollend mit Ignoranz hervor, aber das NBI „uebertraf “ alle.

Nachdem die orginalen Dokumente aus Australien angekommen waren, betrieb der Anwalt von Minny eine einstweilige Verfuegung, dass die vom NBI aufgestellten Behauptungen falsch waeren und die Medien sowie das NBI und andere Behoerden verpflichtet waeren, die Tatsachen zu veroeffentlichen. Die Artikel in den Zeitungen waren hitzig geworden. Die meisten schlugen sich auf die Seite der philippinischen Akademia, nur wenige hielten es mit den Behoerden. Der Richter gab der einstweiligen Verfuegung statt. Das NBI wehrte sich als einzige Behoerde weiter. Die anderen hatten sich scheinbar „schlau“ gemacht und sich auf die Seite der Farmer geschlagen. Nun wurde das Justizminiterium eingeschaltet, das die Verfuegung „verschwinden“ lassen sollte. Aber auch dort hatte sich Wissen statt Vermutung verbreitet und die Verfuegung blieb bestehen.

Das NBI gab nach und sollte nun zumindest fuer eine Weile schweigen. Die Gemueter beruhigten sich und innerhalb einer Woche hatten Verkauefe fast wieder Normalitaet erreicht.

Sechs Monate spaeter griff der Sun Star von Cebu das Thema wieder auf und sprach von kontaminierten Gemueselieferungen aus Negros und von Dalaguete. Das NBI in Cebu City bestaetigte diese Lieferungen und deren Analysen. Noch am gleichen Abend machte ich mich per Schiff nach Cebu auf und um neun Uhr morgens war ich im Buero des Sun Stars. Dort wurde ich an die Verfasserin des Artikels verwiesen, eine junge Dame, die die Tochter eines bekannten Kongressmannes war, dessen Namen eher an Pizza erinnert als an Politik. Ich traf mich mit ihr zumMittagessen, erklaerte die Situation, belegte alles mit unseren Dokumenten und stellte die „Gretchenfrage: „Sind die Analysen quantitativ oder qualitativ gemacht worden?“ Die Antwort lautete erwartungsgemaess, dass sie das nicht wuesste. Daher fuhren wir zum NBI und dort bekamen wir unsere Antwort. Wahrscheinlich kann sich ein jeder diese Antwort denken. Schliesslich konnten sie vorher keine quantitativen Analysen machen, warum sollte das heute anders sein.

Am naechsten Tag hatte die junge Reporterin einen Artikel dazu geschrieben, der ueberwiegend auf meinen Unterlagen basierte und der die Sachlage klar stellte. Diese Mal hielt sich das NBI zurueck, und damit schien das Thema endgueltig erledigt. Erst 2002 kam es in Luzon mal wieder hoch und vor einigen Wochen ein drittes Mal, aber dieses Mal in Bezug auf importiertes chinesisches Gemuese. Das Langzeitgedaechtnis der Behoerden hier scheint etwas kurz zu sein. Allerdings artete es nie mehr in eine Panik aus so wie 1994.

Das war die andere Seite von Minny, denn sie hatte damals alles finanziert und insgesamt bestimmt etwa 250.000 Pesos „verpulvert“.

Aber wenden wir uns wieder der ersten Seite zu. Es dauerte nicht sehr lange und wir wurden wiederholt von Farmern gefragt, was sie machen sollten, Minny wuerde ihr Gemuese nicht bezahlen. Antwort ausser auf Klage hinzuweisen, wussten wir auch keine.

Mitte 1995 waren die Preise fuer Eisbergsalat in ungeahnte Hoehen geschossen. Ein Kilo kostete in Manila ueber 400 Pesos im Grosshandel, und der bezahlte fuer gute Ware bis zu 380 Pesos das Kilo. Wir hatten etwa einen halben erntereifen Hektar Eisbergsalat. Unsere erste Ernte (die erste Ernte ist immer eine der kleinsten) erbrachte 650 Kilos und der Manila Haendler bezahlte abzueglich Flugkosten netto 355 Pesos das Kilo. Wir waren happy. Wir blieben drei Tage in Cagayan und benachrichtigten Rico die naechste Ernte zu schicken. Die Ernte kam aber nicht an und ich fuhr mit Inday nach Maagnao um zu heraus zu finden was los sei. Dort angekommen, erzaehlte Rico, dass die Leute von Minny hier gewesen seien. Sie sagten, sie kaemen in unserem Auftrag, und sollten den Salat abholen. Rico schrieb gewissenhaft auf, was sie ernteten und uebergab uns die Liste. Es waren 2200 Kilos gewesen. Ich fuhr sofort nach Cagayan, und konfrontierte Minny, die meinte, dass sie einen Kunden hatten, der die Ware dringend braeuchte, und sie wuerde mir 60 Pesos fuer 800 Kilos bezahlen. Ich fuehlte mich total verarscht. „Ja der Rest sei alles verfault gewesen und die Preise seien seit vorgestern gefallen,blah blah blah…..“ versuchte sie zu erklaeren. Ich nahm den Scheck nicht an und wendete mich statt dessen an einen Anwalt.

Der bereitete eine Anzeige vor, da es ja offensichtlicher Diebstahl und Betrug war. Aber die Polizei weigerte sich die Anzeige entgegen zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte die Klage zwar, aber nachdem Minny ihr „Counter Affidavit“ abgeliefert hatte, wies er die die Klage ab und meinte das sei eine zivile Sache. Minny hatte natuerlich X  Zeugen, die aussagten, dass ich den Auftrag zum abholen gegeben haette und ihr den Verkauf ueberliess. Natuerlich waren es lauter Familienmitglieder, die das beschworen.

Nun lief es also auf eine Privatklage hinaus.  Und die zog sich und zog sich und wurde in der ersten Instanz irgendwann 2006 fuer uns entschieden, Minny ging in die Berufung  und seitdem laeuft sie immer noch. (So eine Klage hier ist wie ein VW Kaefer, nur dass das „Laufen“ des Kaefers eine angenehme Sache war)

Fortsetzung folgt

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1 Comment
  • uwe
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    nicht nur die lange zeit ist ärgerlich,denn jeder brief kostet geld das man bestimmt nicht mehr sieht. als langnase hast du meist immer die schlechteren karten.
    gruss uwe

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