Minny 4. Teil

Wir pflanzten auch fuer das Cebu Midtown Hotel Senf und Gartenkresse in Styroporbehaeltern mit Deckel zum Transportieren und der Chefkoch dort, ein Oesterreicher, hatte eine Dauerbestellung von 200 Boxen woechentlich in zwei Lieferungen. Wie ueblich bereiteten wir unsere Lieferung vor, mussten aber dieses Mal mit dem Truck liefern, da die Jeepneys alle ausgebucht waren. Das ist immer sehr viel riskanter, da unterwegs noch viel zugeladen wird, und die Trucks manchmal zu spaet ankamen. Das Schiff fuhr gewoehnlich um sieben Uhr abends ab und wir mussten dann schon gegen sechs die Kartons Bebot zum laden uebergeben.

Nachdem wir geladen hatten fuhr der Truck los und ich mit dem naechsten Bus hinterher. Bereits in Alanib ueberholten wir den LKW. Gegen vier Uhr kam ich in Cagayan an und ich informierte Bebot, dass wir Gemuese fuer Cebu haben. Und dann wartete ich auf den Truck, der gegen 6.30 endlich eintrudelte. Bebot wartete auch auf die Ware, aber der Truck verweigerte das Abladen. Sie wollen erst zu abend essen. Hinweise auf das abgehende Schiff wurden ignoriert und ich war stinksauer. Ich sagte klar, dass ich die Frachkosten fuer die Kresse nicht bezahlen werde, sondern nur das andere, sollten wir das Schiff nicht erreichen. Das war dem Fahrer und seinen Helfern egal. Gegen 7.10 kamen sie dann in die Bodega zum abladen, aber das Schiff war puenktlich gewesen und weg. Ich verweigerte wie angekuendigt einen Teil der Bezahlung. Eine halbe Stunde spaeter kamen die Leute vom Lastwagen mit dem Kagawad – der ja Minny’s Bruder war – um den verweigerten Teil einzufordern. Der Kagawad schrie mich an und sein Bodyguard gab mir einen Stoss,  so dass ich in einen Haufen Paprikaschoten fiel. Ich bezahlte zaehneknirschend und warf danach die Kresse demonstrativ in den Muell, da sie am naechsten Tag nicht mehr geliefert werden konnte. Die Kresse war hitzeempfindlich und wuerde bis zur Ankunft am Montag Morgen gelb geworden sein.

Als ich zu Hause war erzaehlte ich alles meiner meiner Frau, die aber nur sagte, dass auch dieser Kagawad eines Tages bezahlen wuerde. Drei Jahre spaeter ist dem Kagawad sein Haus abgebrannt und ich durfte mal wieder schadenfroh sein. Zum Glueck kamen keine Menschen ums Leben.

Weitere zwei Jahre spaeter erzaehlte mir Bebot, dass die Sache mit dem nicht abladen von Minny ausgegangen sei und ihr Bruder dabei half.  (Interessant ist hierbei, dass Bebot der Sohn von Minny war, aber im „Suff“ erzaehlt man halt so manches, das man ansonsten besser nicht erwaehnt.)  Minny wollte, dass wir den Kunden verlieren wuerden und die Kresse an sie liefern muessten, da sie jemanden in Manila hatten, der die Kresse kaufen wollte.

Eines Tages spielten wir Karten in der Bodega um Geld, aber nur kleine Betraege. Was allerdings am Rande des Kartenspiels passierte war nicht so klein, denn die Zuschauer begannen zu wetten, wer das naechste Spiel gewinnen wuerde und da wurden dann auch bis zu 1000 Pesos gewettet. Ploetzlich kam die Polizei und nun rannten alle wie verrueckt davon. Ich war der einzige der sitzen blieb und so nahm mich die Polizei mit auf die Wache und wollte mich wegen illegalem Gluecksspiel anzeigen. Als ich erzaehlte, dass wir nur um kleine Betraege gespielt hatten, war das Thema natuerlich schnell vom Tisch. Aber bei dem Gespraech erfuhr ich dass der Kagawad angerufen hatte und von dem „Gluecksspiel“  berichtet hatte. Auch hier erfuhr ich von Bebot, dass es ein weiterer Versuch war mich zu vertreiben, der allerdings nicht geklappt hatte. Nach meinen Erfahrungen in Dinagat war das alles recht harmlos fuer mich.

Der Prozess gegen Minny ist in der Berufung und wenn es schnell geht, wird er in zwei bis drei Jahren wohl entschieden sein, wobei aber die letzte Instanz noch offen waere, sollte sich eine der Parteien fuer diesen Weg entscheiden. Ich habe noch Kontakt zu einigen Leuten in Agora, aber Minny habe ich seit meinem Wegzug nicht mehr gesehen, auch wenn ich bei jedem Cagayan Besuch meine Bekannten treffe. Dabei erfahre ich dann auch immer, was so abgeht in Agora.

Agora hat sich veraendert und wurde umgebaut. Viele der alten Bodegainhaber sind nicht mehr da. Ronny ist mittlerweile verstorben. Aber Minny ist immer noch dort machte auch weiter mit ihrer „Tour“, aber heute fallen nur noch sehr wenige auf sie herein. Ihre Bodega ist meist leer und die „guten Geschaefte“  gehoeren der Vergangenheit an.

The End

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