Nachbarn

Als wir vor rund einem halben Jahr den Mietvertrag für unser Haus unterschrieben, sagte uns der Verwalter, dass unsere Nachbarn Amerikaner seien. Dies verwunderte uns, da kein Amerikaner zu sehen war, dafür aber viele philippinische Leute. Nun gut – auch ok. Ich vermutete zunächst, dass der Amerikaner als Pflegefall in der Besenkammer vegetiert oder man ihn gemeuchelt und verscharrt hat. Aber eigentlich war’s mir egal, willst Du mir nix – tu ich Dir nix. Jedoch fragten wir uns, wo nehmen normale Pinoys, die täglich die Guards, die Maids und die Fahrer der Nachbarn verköstigen, all dieses Geld her? Denn arbeiten taten die nichts … ausser Zocken.

Allerdings machten sich diese Nachbarn durch nächtliche Rücksichtslosigkeit bemerkbar, indem sie öfters früh morgens um 2 oder 3 Uhr mit dem Auto ankamen und hupten oder mit viel Geschrei wegfuhren, nächtliche Streitereien hatten, Türen knallten. Ruhe bewahren und Gelassenheit war jedenfalls nicht deren Stärke. Das nervt zwar, lag aber noch im „erweiterten“ Toleranzbereich, nach dem Motto „wir bemühen uns anzupassen“, jetzt weniger im Geräuschpegel, als mehr in Sachen „Leidensfähigkeit“. Immerhin hören wir das Hupen tagsüber im Viertel, den allabendlich schreienden Balutverkäufer oder die „musikalischen“ Eis- und Gebäckverkäufer schon gar nicht mehr.

Vor ein paar Wochen nun wachten wir um 3 Uhr nachts auf: ein Geschrei, Heulen, Gepoltere etc. Ja was ist jetzt los? Wir dachten unsere Kinder seien aus dem Etagenbett gefallen, doch nichts dergleichen. Wie sich später zeigen soll, haben unsere Nachbarn, sich mit Gegenständen beworfen, das Bad klein gehauen und deren Kinder schrien vor Angst. Tags darauf wurde eifrig das Bad renoviert, mit welchem Geld auch immer. Kurze Zeit danach hatte deren Tochter Geburtstag, wozu sie unsere Kinder einlud, wie sich später zeigen wird nicht ganz uneigennützig, denn die Feier sollte laut werden und wenn die Nachbarskinder dabei sind, wird unsere Toleranzschwelle eher steigen! Naja morgens kamen der Cateringservice und stellte vorm Haus eine Partybewirtung auf. Die riesige Karaokebox darf dabei nicht fehlen, denn im Laufe des Tages wird die intensivst genutzt. Bis zum Abend steigt der Alkoholpegel der Nachbarn, im gleichen Mass wie die Gesangsqualität sinkt. Die anderen Nachbarn (Koreaner) haben die Nase voll und beschweren sich über den inzwischen ganztägigen Gesangslärm. Sofort wird die Nachbarin extrem laut und aggressiv, zieht aber doch langsam den Gesang zurück.

Am Folgetag erfahren wir dann die Wahrheit über unsere „amerikanischen“ Nachbarn: also die Nachbarin (ursprünglich eine Prostituierte aus Manila) hat einen amerikanischen Freund, der zuhause verheiratet ist. Normalerweise kommt der für eine Woche im Jahr nach Cebu und fliegt dann wieder zurück. Weshalb der ihr die Miete, das Auto, Nahrung und Schule ihrer zwei Kinder bezahlt, werden wir wohl nicht erfahren. Da der aber in wenigen Tagen sich angemeldet hat, steht sie nun vorm Problem, den philippinischen Hausfreund ausquartieren zu müssen. Irgendwie schafft sie es, dass der Freund zumindest für 1 Woche auszieht und sie ihr Spiel weiterführen kann. Der Ami kommt und passt sich perfekt in die nächtlichen Ruhestörungen ein. Weil in der Nacht das Auto nicht anspringen mag, randaliert er auf der Straße, mit dem Ergebnis, dass meine Nachtruhe beim Teufel ist. Am Folgetag ist es dann wieder ruhiger und wir hören, dass sie es nicht ganz ohne den philippinischen Freund aushält und übers Wochenende zu ihm fährt. Der Ami glaubt, dass sie zu einer Freundin sei – Dummheit kennt wohl keine Grenzen! Nach 2 weiteren Tagen reist der Ami wieder ab und der Hausfreund zieht wieder ein. Tags darauf stehen wieder vorm Haus zerstörte Möbelteile. Wie sich herausstellt, hat der Hausfreund diesmal nur das Bett klein gehauen.

Ein paar Tage später wachen wir mitten in der Nacht auf. Ein Geschrei, Türenschlagen und ein Blick aus dem Fenster zeigt: der Hausfreund schlägt das Auto seiner Freundin klein, welches der Ami finanziert. Im Guardhaus brennt Licht und kurz darauf erscheint die Polizei mit Signal. Kurzerhand packt die Polizei die Nachbarin samt Hausfreund ins Auto, um die Nachbarin 2 Stunden später wieder mit dem Taxi heimzuschicken, wie ich unfreiwillig mitbekam, da meine Nachtruhe nicht mehr zurück kam. Um 8 Uhr morgens steht ein Mechaniker am Auto und beginnt bereits mit der Reparatur. Wenigstens hat sie Organisationstalent! Am Abend haut es mir dann aber doch den Vogel raus: unser Knastologe kehrt an seine alte Wirkungsstätte zurück, nachdem ihn die Frau bei der Polizei abholte. Dieser versoffene, nichtsnutzige, arbeitscheue Drogensüchtige und stets finster dreinschauende Macho hat es ja voll im Griff! Am nächsten Tag kommandiert er schon wieder den Mechaniker bei der Reparatur des Autos seiner Freundin herum, als hätte er Jahre lang für das Auto gespart und gearbeitet.

Wiederum ein paar Tage später, muß der Wohnzimmerschrank ersetzt werden. Naja das Opfer ist klar, nur wer war der Täter? Ehrlich gesagt ist es mir lang wie breit. Dieses *****ENPACK, in der Hölle sollen sie schmoren! Da überlegst Du Dir wie geht denn sowas weiter? Wir rechneten schon damit, da die Gewaltausbrüche in immer kürzeren Zeitabständen aufeinander folgten damit, dass in absehbarer Zeit eine Bluttat das Trauerspiel beendet. Es stand zu befürchten, dass diese abartige Beziehung keinen Kurswechsel mehr zulässt …

Doch dann kam noch eine Steigerung der unrühmlichen Höhepunkte: kurz nach 0 Uhr wache ich bereits auf. Der gewalttätige Nachbar steht aussen vorm verschlossenen Tor und rüttelt es kräftig durch, da der Guard ihn nicht einlässt. Nachdem am Vorabend bereits der Typ laut geschrien hat und Stühle in der Einfahrt rumwarf, war damit zu rechnen. Doch nach dem er auf die Straße ausgesperrt war, griff er plötzlich nach Steinen und warf die in Richtung Schlafzimmerbalkon, wo seine Freundin war. Dies hatte wohl zur Folge, dass irgend jemand wieder die Polizei rief. Der Guard ging dann zu ihm raus auf die Straße und lief ein paar Meter zum Nachbaranwesen, welches im Moment unbewohnt ist, um ihn dort zu verstecken. Kurz darauf war die Polizei da und sprach mit dem Guard. Irgendwie einigte man sich auf die Version, dass der Typ nicht mehr da sei. Da dies direkt vor unserem Schlafzimmerfenster stattfand, hörten wir das genau. Es machten sich Zweifel am Verstand des Guards bei uns breit …

Heute kurz vor 1 Uhr nachmittags, sehe ich die Nachbarin mit ihrem Auto zurück kommen, der Beifahrer? Richtig, Mr. Boyfriend. Habe langsam die Schnauze voll mit deren nächtlichen Eskapaden. Hoffentlich beenden die das Trauerspiel, egal wie …
Doch da kommt meine Frau gerade vom Einkauf zurück mit den neuesten Nachrichten: SIE ZIEHEN AUS !!! Hallelujah, Feiertag !!!
Dieser Ami war wohl dumm, sogar dümmer als die Polizei erlaubt! Aber er hat das Geld gestrichen. Ich glaub ich vermiß die Ratten jetzt schon …

Jetzt verstehe ich auch wieso der Guard den Junky versteckte. Hätte er es nicht getan, hätte er sich wegen ein paar Tagen bis zu deren Umzug nur unnötig in Gefahr begeben. Pinoys können aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen ihr Gesicht verlieren. Drogenabhängige Pinoys sind darüber hinaus unberechenbar. Täglich flimmern in den Nachrichten Meldungen, wo Shabu-Konsumenten durchknallen, da deren Gehirn wohl sehr schnell Schaden nimmt …

Übrigens wird im Moment das Haus wieder neu bezogen, von ?
… Philippinos, die angeblich ausreichend Geld verdienen, da sie auch ein neues Auto hätten. Mir scheint die Wirtschaftskrise verstärkt sich …

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3 Comments
  • Kai
    Reply

    Hallo Norbert
    diese Geschichte ist nicht mir passiert, sondern einem guten Freund namens Stevaro, der uns erlaubt hat, seine Geschichten hier zu publizieren. Neben den Reiseberichten findest du mehr und mehr von mir Erlebtes in der Kathegorie Erlebnisse, wobei die Erzaehlungen in beiden Kathegorien typisches phlippinisches Zusammenleben schildern.
    Gruss
    kai

  • Reply

    Hallo Kai.
    Dieser Bericht hat mir sehr gut gefallen allerdings frag ich mich wie Du das nervlich ausgehalten hast.
    Kamst ja kaum zum Schlaf.
    Na ja, dafür hattest Du Zeit im C4E herum zu stöbern als zu schlafen.
    Gruß aus dem Kohlenpott, Norbert

  • Yukonn
    Reply

    Bin heute im Portal auf Deinen Link gestoßen.Hatte bloß Zeit die Nachbargeschichte ganz zu lesen aber bin begeistert. Mache weiter so ! Ich bleibe am Ball und lese Deine Beiträge weiter. Gruß aus München Carsten

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