Nasuli

Nicht viele haben von Nasuli in Bukidnon gehoert und eigentlich gibt es auch keinen Grund dieses kleine Sitio – ein Ortsteil von Bancud – zu kennen. Aber trotzdem hat Nasuli einen Bekanntheitsgrad erreicht, der sich dann im Internet schon niederschlaegt, auch wenn nicht alle Ergebnisse mit dem Summer Institute of Linguistics (SIL) in Verbindung gebracht werden. Etliche Hits fuehren zu persoenlichen Webseiten oder Fotos von Menschen, die in diesem Institut arbeiten. Denn SIL Philippines hat seinen Sitz an diesem Ort. Und hier wurde die Bibel und andere christliche  Schriften in die verschiedenen philippinischen Sprachen uebersetzt, was aber die wenigstens Pinoys wissen, auch wenn sie die Bibel in ihrer eigenen Sprache lesen. Dazu kommt, dass zahlreiche linguistische und antropologische Buecher von den Mitarbeitern der SIL geschrieben wurden. Insgesamt wurden mehr als 3500 Buecher publiziert. Alles in allem  zaehlte das SIL 162 verschiedene philippinische Sprachen.

Diese Uebersetzungen werden von Freiwilligen aus aller Welt gemacht, die sich dann fuer viele Jahre in Nasuli niederlassen und eng mit den Menschen zusammen arbeiten muessen, in deren Sprache die Bibel uebersetzt werden soll. Denn bevor es eine Uebersetzung geben kann, muss erst einmal ein Woerterbuch dieser Sprache geschaffen werden, was etwa 10-15 Jahre dauert und ein Zusammenleben des Linguisten mit den Menschen, deren Sprache studiert und niedergeschrieben wird, erfordert. Erst danach erfolgt die eigentliche Uebersetzung der Bibel. Zwischendurch werden natuerlich auch das Woerterbuch sowie antropologische Buecher ueber diese Menschen und Staemme geschrieben.

Das Summer Institute of Linguistics kam in den fruehen 50er jahren auf Einladung des damaligen Praesidenten Ramon Magsaysay auf die Philippinen. Die fruehen  „Ankoemmlinge“ waren Dr. Richard S. Pittman, Howard McKaughan and Vivian Forsberg, wobei wir letztere sehr gut kennen, denn sie war auch in den 90er Jahren noch dabei und ist trotz ihres hohen Alters immer noch aktiv. Mrs. Forsberg hat Buecher ueber die Manobos geschrieben und ihre Werke ueber die T’boli haben ihr unter Fachleuten einen sehr guten Ruf verschafft, wobei hier aber noch eine nette Anekdote zu erwaehnen ist: Sie war eine sehr ehrgeizige Frau und sie blieb all die Jahre unverheiratet, da sie ganz in ihrer Arbeit aufging und ihre gesamte Zeit den Menschen widmete, deren Sprache sie studierte. Aber trotzdem kam die Liebe noch zu ihr, denn im stolzen Alter voon 75 Jahren verliebte sie sich und heiratete.

Das SIL Philippines hat auch einige Auszeichnungen bekommen unter anderem den Ramon Magsaysay Award im Jahre 1973. 2003  gab die philippinische Post eine Briefmarkenserie heraus, die der Arbeit der Freiwilligen gewidmet war. Im Jahr 2004 kam der PAARL  Award dazu.

Als die ersten Linguisten auf Mindanao ankamen, liessen sie sich in Nasuli nieder, das im zentralen Bukidnon, etwa 15 Kilometer suedlich von Malaybalay gelegen ist. Und das Gelaende, auf dem gebaut wurde liegt auch landschaftlich sehr schoen. Auf dem Grundstueck  ist eine grosse Karstquelle, die einen kleinen See bildet und sehr tief ist. Das Wasser ist kuehl und laedt zu einem erfrischenden Bad ein. Diese Quelle ist von uralten Baumbestaenden umgeben und hier koennt hier Fotos dieser Karstquelle sehen. Die drei Fotos nach dem Swimming Pool sind von dieser Quelle. Ueberhaupt findet man noch viele alten Baeume auf dem Gelaende, die ansonsten von Siedlern gefaellt worden waren. Zudem hat Nasuli einen Airstrip, auf dem ich einmal sogar die Landung eines Learjets beobachten konnte. Das SIL hatte einige Flugzeuge, die ihre Mitarbeiter in die entlegensten Gebiete geflogen haben.

Wir selbst hoerten zum ersten Mal von Nasuli und dem SIL in den ersten Wochen unserer farming Jahre. Und ich habe natuerlich einen potentiellen Markt fuer unsere Gemuese dort gesehen. Also fuhr ich im April 1991 nach Nasuli und wir begannen ab Mai regelmaessig zu liefern, wobei die Lieferungen groesser wurden und einiges angepflanzt wurde nur fuer Nasuli wie zum Beispiel Rhabarber und Schwarzwurzeln. Man konnte dort sicher keine Reichtuemer verdienen, aber es wurde ein solides Standbein und hat uns insbesondere nach unseren ersten Fehlernten sehr geholfen.Meine erste Verhandlung mit Mr. Herschelmann, dem damaligen Administrator, verlief positiv. In der Vergangenheit hatten sie bereits philippinische Lieferanten fuer Gemuese gahabt, aber bei denen lief es immer nur fuer einige Wochen und danach hoerten sie wieder auf. Nun wir versprachen regelmaessig einmal die Woche zu kommen und unser Gemuese zu bringen.

Diese Lieferungen habe ich immer selbst gemacht mit einigen wenigen Ausnahmen und lernte damals viele Mitarbeiter des SIL kennen und schaetzen. Unter ihnen war auch Frau Behrens, eine Deutsche. Mit Sarah Paquette verband uns eine recht gute Freundschaft.

Bei unserer ersten Lieferung kamen zwar recht viele Kunden, aber es blieb am Ende doch eine Menge uebrig. Also habe ich ein Bestellsystem eingefuehrt und alles wurde in der Farm vorgepackt und dann packte ich 2-5 Kilo einer jeden Gemuesesorte dazu, und so waren wir immer so gut wie ausverkauft, wenn es wieder nach Hause ging.

Wir lieferten also regelmaessig nach Nasuli, oefters begleiteten mich in spaeteren Jahren meine Kinder die liebend gerne mit den anderen Kindern dort spielten und auch regelmaessig in der Karstquelle geschwommen sind.

Zudem lernte ich eine Menge neues dort, so zum Beispiel, dass die Blaetter von roten Beeten sich sehr gut  fuer ein Blattgemuese eignen und ausgezeichnet schmecken.

Jedes Jahr fand eine Konferenz statt und dann waren alle SIL Mitlglieder anwesend, die auf den Philippinen arbeiteten und daneben auch sehr viele Gaeste, so dass unsere Verkaeufe in diesen drei Wochen wirklich in die Hoehe schnellten und wir mindestens  dreimal die Woche liefern mussten, manchmal auch oefter. Das war fuer mich sehr interessant, weil man viele neue Menschen kennen lernte, die wiederum zum Teil aus  Kulturkreisen stammten, die mir neu waren.

Wenn ich heute durch Bukidnon fahre, versaeume ich es selten dort vorbei zu schauen und die wenigen Menschen zu besuchen, die geblieben sind, denn die meisten Projekte sind beendet, und es halten sich nur noch die auf, deren Arbeit noch keinen Abschluss gefunden hat. Und dieses Jahr soll Nasuli endgueltig geschlossen werden. Was dann daraus wird bleibt abzuwarten.

Wer mehr ueber SIL wissen will, kann sich hier informieren.

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