Neidfaktor oder “Aerger auf der Farm” 1. Teil

Anfang der 90er Jahre hatten wir in Bukidnon begonnen eine Farm aufzubauen um unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Schliesslich hatte die Bergbau Geschichte auf Dinagat in einem “Debakel” geendet – ohne unser Verschulden – und essen mussten wir;  zudem hatten wir zwei kleine Kinder zu ernaehren.

Die Farm lief nach anfaenglichen Schwierigkeiten – koennte man als “Geburtswehen” bezeichnen – recht gut und der Bedarf stieg fast woechentlich. Da wir nicht alles selbst pflanzen konnten ohne die Uebersicht zu verlieren, hatten wir begonnen andere Farmer zu finanzieren. Das hiess wir gaben ihnen Duenger, Chemikalien und Samen, und sie pflanzten fuer uns und bekamen den Erloes abzueglich der Investition und 1 Peso pro Kilo Finanzierungskosten.

Im Sommer 1993 stand bei einem unserer finanzierten Farmer die Broccoli Ernte an und wir gingen also nach der Ernte zu dem Farmer um unseren Broccoli abzuholen und gleichzeitig auch abzurechnen wie es ueblich war. Unser Preis war generell hoeher als die Preise der Haendler, die direkt von den Bauern zu “Farmgate Preisen” kauften. Trotzdem weigerte sich der Farmer uns das Produkt zu ueberlassen – er war uebrigens Igorot, die in Bukidnon haeufig zu finden waren, da sie seit Ender der 60er Jahre unter Marcos umgesiedelt worden waren – und wollte seine Ernte selbst nach Cagayan de Oro bringen. Dies verstiess natuerlich gegen die Abmachung, die wir hatten. Mein Schwager wurde ziemlich deutlich und wohl auch etwas lauter, ich selbst hielt mich zurueck, da man als “noergelnde Langnase” bei Filipinos keinen Blumentopf  gewinnen kann. Es dauerte keine fuenf Minuten, da kam der Barangay Captain – auch ein Igorot – aus seinem Haus gestuermt mit seiner Schrotflinte unter dem Arm. Er schrie: “What are you doing to my people?” und drueckte ab. Neben mir rauschten die Schrotkugeln ins Blattwerk des Mangobaumes unter dem wir verhandelt hatten.

Hallooooo wo sind wir denn?  Ich dachte der wilde Westen haette mich eingeholt.

Ein anwesender Kagawad, der eigentlich zum Schlichten gekommen war, stellte sich sofort vor mich und redete auf den Barangay Captain ein. Der zog nach einigem unverstaendlichen Geschrei samt seiner Schusswaffe ohne ein weiteres Wort ab. Die Verhandlungen mit dem Farmer nahmen nach diesem Vorfall ein schnelles Ende und wir schauten vorerst in die Roehre.

Das sollte aber nicht das Ende des Vorfalles sein, denn natuerlich eskalierte die Geschichte im Lauf der kommenden Wochen und Monate.. Daheim diskutierten wir  ueber das Geschehene und wollten das nicht auf uns sitzen lassen und einfach nur hinnehmen. Meine Frau ist eine “kaempferische Natur” und hatte sich ja im Fruehjahr 1991 schon mal kraeftig mit dem “Barangay Secretary” angelegt. Wir entschlossen uns zur Anzeige und fuhren noch am gleichen Nachmittag nach Lantapan zur Polizei, um das ganze vorlaeufig erst mal aktenkundig zu machen. Allerdings gingen wir nicht sofort zu einem Rechtsanwalt.

Wir  beschaeftigten damals ueber 80 Leute auf der Farm und nachdem der Barangay Captain von unserer Meldung bei der Polizei  gehoert hatte, fing er an unsere Mitarbeiter aufzuhetzen mit dem Ergebnis, dass eine Woche spaeter 23 unserer Arbeiter einfach aufhoerten ohne ein Wort zu sagen. Kamen eben einfach nicht mehr zur Arbeit. Sicherlich nicht richtig, aber aus deren Sicht – oder besser der Sicht des Barangay Captain – gesehen,  sehr effektiv.

Die Antwort auf die „Hetze“  kam dann auch in kurzer Zeit vom Arbeitsgericht in Malaybalay in Form einer Klage.

Zwei Tage danach waren wir wieder zur Auslieferung unseres Gemuese in Cagayan und dort gingen wir dann zu einem Anwalt, um die Anzeige in die Wege zu leiten. Es handelte sich dabei um Attorney Rabanes – auch als „Chop Chop Rabanes“ bekannt, da er Zeugen vor Gericht regelrecht auseinander nahm.  Der bereitete die eidesstattlichen Versicherungen vor und fuhr mit uns nach Bukidnon, um auch die Aussagen der ganzen Zeugen zu hoeren und sogenannte “Affidavits” vorzubereiten. Zwei Tage spaeter mussten wir dann alle vor dem Staatsanwalt in Malaybalay erscheinen und unsere Aussagen dort wiederholen und beschwoeren. Die Angelegenheit war ins Rollen gekommen und sollte ein “Eigenleben” annehmen, das wir uns ueberhaupt nicht vorstellen konnten.

Fortsetzung folgt…..

Teil 2 hier lesen

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