Neidfaktor oder “Aerger auf der Farm” 2. Teil

Einige Tage spaeter fuhren meine Frau, mein Schwager und ich nach Malaybalay zum ersten „Hearing“ bei der DOLE. (Department of Labor and Employment sozusagen das philippinische Arbeitsamt) Als wir dort ankamen standen unsere „Ex-Mitarbeiter“ zusammen mit – na wem?  jaaaa, dem Barangay Captain – vor dem Gebaeude und warteten auf den Beginn der „Verhandlung“. Wir gingen nach oben und warteten dort auf den dafuer vorgesehenen Baenken. Damals durfte man auch noch rauchen in oeffentlichen Gebaeuden, damit fiel das laestige gelegentliche nach draussen Rennen zum Rauchen weg. Kurze Zeit spaeter kam der Arbiter  (so eine Art Schiedsrichter aber am Ende auch Arbeitsrichter) und stellte sich vor. Er fragte nach dem Klaeger und mein Schwager ging nach unten um den Leuten dort Bescheid zu sagen, dass es losginge. Die kamen nach oben und gingen alle in den Saal damit es beginnen koenne, aber ich hatte natuerlich sofort den ersten Protest parat:

„Was zum Teufel macht er hier?“ fragte ich auf den Captain deutend. „Der Arsch hat mit der ganzen Sache ueberhaupt nichts zu tun!“ und zeigte dabei deutlich meine Wut, was den Arbiter veranlasste, nach den Gruenden meiner Wut zu fragen, die ich ihm auch sehr „blumig“ verklickerte und er zeigte – zu meiner Ueberraschung – Verstaendnis dafuer. Er forderte den Captain auf den Saal zu verlassen, was wiederum ihm Proteste entlockte. Er meinte, dass die Farm ja nicht mir, sondern meiner Frau gehoere und damit haette ich kein Recht bei der Verhandlung dabei zu sein.  Im Gegenzug verwiess ich auf mein Recht als Ehemann und im nu war das tollste „Shouting Match“ im Gange. Der Captain schrie, der Arbiter schrie, ich schrie, mein Schwager schrie, einer der Arbeiter schrie, kurzum wir hatten in kuerze das „Hearing“ in ein Chaos verwandelt.

Der Arbiter machte kurzen Prozess und warf den Captain und mich aus dem Saal. Der Captain grinste sich eins, ich mir auch und wir warteten geduldig auf das Ende der „Verhandlung“. Geredet haben wir natuerlich kein Wort miteinander.

Nach etwa einer Stunde kamen alle Beteiligten aus dem Saal und wir gingen in ein Restaurant zum Mittag essen. Dort erzaehlte mir meine Frau von den verschiedenen Anschuldigungen der Arbeiter wie „Underpayment of Wages, no Holiday Pay, no SSS“ und noch einiges mehr. Natuerlich hatte meine Frau alles abgestritten, und der Arbiter verlangte von uns fuer das naechste Hearing zwei Wochen spaeter die Payroll um zu sehen, was da geschrieben steht Auch die Quittungen von der SSS sollten wir mitbringen.

Wir hatten gerade fertig gegessen, da betrat der Buergermeister (Mayor) von Lantapan das Restaurant. Einige Minuten spaeter kam er zu uns an den Tisch und fragte, ob wir die Klage nicht zurueckziehen koennten. Schliesslich war der Captain ja in derselben Partei mit ihm, und so musste er schon Unterstuetzung leisten. Unsere Antwort war kurz und buendig:  Nur wenn die Klage vor dem Arbeitsgericht zurueck gezogen wuerde und der Captain sich oeffentlich bei mir entschuldigen wuerde.  Der Mayor meinte, warum er sich denn entschuldigen sollte und was das  mit dem „oeffentlich“ zu tun habe und ob das denn unbedingt sein muesse, worauf ich sagte, dass er ja auch „oeffentlich“ auf mich geschossen habe und ich darauf bestehen wuerde. „Was?“ fragte nun der Mayor verduzt. „Was heisst er hat geschossen?“ und ich erzaehlte ihm die ganze Geschichte. Dem Mayor wurde die Geschichte vom Captain natuerlich so erzaehlt, dass einer meiner Leute geschossen haette. Nun ich hatte ja wegen des Hearings bei der DOLE die ganzen Unterlagen dabei und gab dem Mayor zwei der eidestattlichen Versicherungen zu lesen, beide waren nicht von Familienmitgliedern abgegeben worden. Das stellte ihn erst mal ruhig und er verabschiedete sich mit den Worten, er wuerde das mit dem Barangay Captain besprechen.

Beim zweiten Hearing vor dem Arbiter zwei Wochen spaeter blieben der Captain und ich draussen sitzen aber schon nach fuenf Minuten rief mich der Arbiter in den Saal. Er pruefte gerade die Payroll und da ich sie gefuehrt habe, hatte er einige Fragen an mich. Nachdem ich alles beantwortet hatte, pruefte er die Daten wegen Feiertagen und Sonntagen. Zum Glueck gab es damals nicht so viele Feiertage und wir hatten unsere Auslieferungen eh so gelegt, dass Sonntagsarbeit nicht noetig gewesen war. Als er fertig war, meinte er, er koenne keine Verletzungen des Arbeitrechtes erkennen und riet den Klaegern die Klage zurueck zu ziehen. Worauf die aber heftigst protestierten und behaupteten, dass die Payroll gefaelscht sei. Auf die Frage hin, ob sie Beweise haetten, meinte der Sprecher der Arbeiter – uebrigens ein Farmer, den ich frueher mal finanziert hatte und der mir heute noch 28500 Pesos schuldet – dass ihre einstimmige Aussage zu dieser Behauptung ja wohl Beweis genug sei. Das wiederum verneinte der Arbiter mit der Bemerkung, sie haetten die Payroll ja unterschrieben. Es ging hin und her und der Arbiter brach die Sitzung um 12 Uhr ab und setzte einen neuen Termin 3 Wochen spaeter.

Etwa zwei Wochen spaeter bekamen wir ueber Funk die Nachricht von unserem Anwalt, dass der Staatsanwalt die Klage wegen „Illegal Posession of Firearms“ abgewiesen hatte, da die Waffe nicht vorgelegt werden koenne, aber die Klage wegen „Illegal Discharge of Firearms“ akzeptiert worden war und ein Haftbefehl gegen den Captain ausgestellt worden war. Die Kaution war auf  6000 Pesos festgelegt worden. Die Logik dieser Entscheidung bleibt mir bis heute verborgen:  Wie kann es ohne Waffe eine Klage wegen „Illegal Discharge “ geben oder umgekehrt wie es bei Zulassung der Klage eine Zurueckweisung der „Illegal Posession“ geben konnte. Das verstehe nun wer will.

Wir waren nun neugierig, was der Captain und der Mayor – sein Spezi – als naechstes tun wuerden.

Fortsetzung folgt…..

Teil 3 hier lesen

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