Neidfaktor oder “Aerger auf der Farm” 3. Teil

Bereits zwei Tage spaeter erschien der Barangay Captain vor Gericht um seine Kaution zu bezahlen um damit den Haftbefehl voruebergehend ausser Kraft zu setzen.  Wie wir spaeter erfuhren, hatte der Mayor das Geld vorgeschossen.

Beim naechsten Liefertermin in Cagayan de Oro ging ich zu dem damals neu eroeffneten National Bookstore und kaufte mir den „Labor Code of the Philippines“ um mich in den naechsten Tagen selbst auch genauer ueber die rechtliche Lage zu informieren. Wir hatten zwar „Chop Chop Rabanes“ auf unserer Seite, aber ich haette eben selbst ganz gerne gewusst, was Sache ist.  Beim genaueren Studium des Labor Codes fand ich ein interessantes „Gesetz“. Es war im Jahr 1989 von Cory implementiert worden und gab Unternehmen, die sich in laendlichen Gebieten niederliessen die Moeglichkeit Steuerfreiheit fuer 5 Jahre zu beantragen, solange der Antrag vor dem 14.12.1994 bei der DTI eingeht.  Auch alle Government Fees wie z.b. DTI (Department of Trade and Industries)  oder die Gebuehren fuer das Business Permit waren fuer diesem Zeitraum ausser Kraft gesetzt worden. Nun dachte ich mir, das ist ja mal was sehr positives und tanzte am naechsten Tag mit allen benoetigten Papieren zusammen mit meiner Frau in der Municipal Hall von Lantapan an.  Wie erwartet hatte dort keiner etwas von dem Gesetz gehoert, aber ich hatte den Labor Code dabei und der Cashier war gierig auf die Gebuehren von 1000 Pesos und meinte das DTI entscheidet das sowieso am Ende.  Wir bezahlten bei ihm die noetigen Gebuehren fuer das erste Jahr und warteten nun auf die Genehmigung. Tja Pustekuchen, der Mayor lehnte es ab – was er nicht durfte – aber seine Unterschrift wurde benoetigt, damit das DTI uns als CBBE (Countryside and Barangay Business Enterprise) eintragen konnte.  Und diese Unterschrift verweigerte er uns. Ueber Funk verstaendigte er uns, dass er in dem Moment unterschreibt, in dem wir die Klage gegen seinen „Punong Barangay“ zurueck ziehen wuerden. Wollten wir nicht und ich dachte mir: „Dich krieg ich du alter Sack!“

Drei Wochen spaeter fuhr der Buergermeister zu einem Treffen aller Mayors in Manila und sollte fuer 10 Tage nicht hier sein. Der Cashier, der dem Mayor nicht gewogen war, sowie der Vice-mayor, der natuerlich fuer die kommenden Wahlen eigene Ambitionen hatte, waren unsere Schluesselfiguren in diesem Spiel. Wir fuhren also nach Lantapan, der Cashier brachte uns zum Vice-mayor und erklaerte es ihm, natuerlich ohne  zu sagen, dass der Buergermeister die Unterschrift verweigert hatte. Der Vice-mayor unterschrieb und „Bingo“, wir hatten was wir wollten. Als drei Wochen spaeter die Genehmigung vom DTI kam und ueber den Tisch des Mayors lief, war der natuerlich stinksauer, aber das war auch alles was er sein konnte, denn es war ein „done deal“.  Wir waren das erste CBBE Unternehmen in Lantapan und das zweite in Bukidnon, obwohl es das Gesetz damals fast schon vier Jahre  gab.

In den naechsten zwei Monaten gab es drei weitere Hearings, allerdings endeten alle wie „das Hornberger Schiessen“ da die DOLE in Malaybalay eben nur zu schlichten versuchte und keine Befugnisse fuer eine definitive rechtliche Entscheidung hatte. Das muesste zu einem spaeteren Zeitpunkt vom Department of Labor and Employment in Cagayan gemacht werden, aber noch war der Arbiter nicht gewillt, den Fall weiterzuleiten. Das waere wie eine Aufgabe fuer ihn gewesen.

Dann kam der naechste Schuss vor unseren Bug. Der Buergermeister implementierte eine Ordinance nach der jeder fuer sogenannte „high valued crops“ fuenf Pesos pro Kilo bei der Town abzuliefern haette. Natuerlich waren nur Produkte auf der Liste, die wir damals als einzige produzierten.  Alles klar?  Aber der gute Mayor hatte etwas wichtiges vergessen: Er vergass, dass das CBBE Certificate uns nicht nur von den Steuern befreite, sondern auch von allen anderen Gebuehren, die von irgendeiner Regierungsbehoerde erhoben werden, national wie lokal. Nun beim ersten Versuch am Checkpoint zu kassieren, praesentierten wir unser Zertfikat und es gab hitzige Diskussionen, bis der Mayor selbst kam und meinte solange wir nicht zahlen, koennen wir nicht passieren. Wir machten ihn darauf aufmerksam, dass wir ihn in die volle Verantwortung fuer alle entstehenden Schaeden nehmen wuerden, wenn er uns nicht passieren liesse. Zudem machte  ich ihm unmissverstaendlich klar, dass ich mich ueber ihn beim „Governor“ beschweren werde, da er ja nun selbst bestehende Gesetze verletzen wuerde. Der Mayor wusste, dass ich dank Buttoy – einem sehr guten Freund – gute Beziehungen ins Kapitol hatte und  gab zaehneknirschend nach.

Die Zeit strich vorbei und es kam zum Arraignment im Municipal Trial Court von Lantapan, das erst alles unwichtigere erledigen sollte, bevor die Sache weiter ging an das Regional Trial Court in Malaybalay. Attorney Rabanes fand das etwas merkwuerdig, meinte aber, wir sollten deren Spiel vorerst mitspielen. Wie erwartet bekannte sich der Barangay Captain „nicht schuldig“ und das war dann auch schon das erste Hearing in dieser Angelegenheit.

Durch das Fehlen von Arbeitskraeften – nur einige der alten waren uns treu geblieben darunter Bano, wohl unser loyalster Mitarbeiter neben Judith und Luisa und unserem „Agronom“ – „importierte“ meine Frau Arbeitskraefte aus ihrem Heimatdorf.  Die nicht klagenden Arbeitskraefte waren durch die Eskalation der Angelegenheit zwischen dem Captain und uns – aus Angst – der Arbeit ferngeblieben.  Bano war nun Vorarbeiter auf unseren Feldern in Victory und der Agronom war fuer die Pflanzungen in Maagnao verantwortlich. Allerdings waren die Arbeiter aus Dinagat mit der Landwirtschaft nicht sonderlich vertraut und mussten angelernt werden. Das  sollte uns das noch eine Menge Geld kosten.

Fortsetzung folgt….

Teil 4 hier lesen

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