Neidfaktor oder “Aerger auf der Farm” 4. Teil

Mit den neuen Mitarbeitern aus Dinagat lief anfaenglich alles sehr zaeh und wir konnten nicht genug Gemuese produzieren.  Bano produzierte zwar erstklassig in Victory aber unser Agronom baute nur Mist und es kam von seinem Ende einfach nicht genug. Man muss aber dazu wissen, dass unser Agronom Landwirtschaft studiert hatte, wogegen Bano nur die zweite Klasse Grundschule erreicht hatte und praktisch Analphabet war. Ein dickes Diplom muss nicht immer was taugen.  Aber Bano – ein Talaandig – hatte halt von klein auf immer auf Gemuesefeldern gearbeitet und wusste einfach was zu tun war.  So blieb uns nichts anderes uebrig als Gemuese zuzukaufen um zumindest unsere Kunden zufrieden zu stellen. Auf Neukunden Werbung verzichteten wir.

Wir hatten ja noch einiges finanziert aber es kam nun, was kommen musste, man gab uns nicht mehr was uns zustand. Raul, der sich zum Sprecher der klagenden Arbeiter aufgeschwungen hatte, verweigerte uns die Paprika Ernte und Pedro lieferte sein Kraut nicht mehr an uns, sondern brachte es selbst nach Cagayan de Oro City.  Wir beschwerten uns schriftlich beim 1. Kagawad – der Captain kam dafuer selbstverstaendlich nicht in Frage – und es gab auch ein Hearing, wobei Pedro und Raul der Meinung waren, sie muessten uns nichts geben, da wir uns ja mit dem Captain ueberworfen hatten und wenn sie lieferten, waere der auch sauer auf sie. Nun mit Pedro gab es eine Einigung, aber mit Raul nicht. Deswegen schuldet er uns immer noch die damalige Finanzierung, die wir natuerlich schon vor vielen Jahren abgeschrieben haben. Wir liessen Pedro sein Kraut nach Cagayan liefern, dort gab er uns was wir fuer unsere Kunden brauchten und den Rest wuerde er uns in bar bezahlen, was er auch gemacht hat. Sogar Wilson – ein Igorot –  der uns seit ueber zwei Jahren Sellerie geliefert hatte, machte einen „Seitensprung“ nach Cagayan und bekam dort fuer seine Ernte nur 8 Pesos pro Kilo. Wir hatten ihm immer 35 Pesos bezahlt und er kam sehr schnell zurueck und belieferte uns weiter. Er war auch der einzige Igorot, der uns gegenueber dem Captain verteidigte.

Mit den neuen Mitarbeitern ging die Ernte zurueck und wir entschlossen uns zu verkleinern d.h. wr konzentrierten uns auf die Gemuesesorten, bei denen die Konkurranz am kleinsten war und der Bedarf am hoechsten. Alles andere wollten wir nicht mehr pflanzen sondern lediglich dazu kaufen.  Wir schickten also etliche der neuen Mitarbeiter heim und behielten nur diejenigen, die sich gut eingearbeitet hatten und natuerlich unsere loyale alte „Mini Crew“ wie Bano, Luisa und Judith. Auch den Agronomen schickten wir nach hause, da seine leistung sein Gehalt in keiner weise rechtfertigte. Landvorbereitung wurde nur noch per Pakiaw Vereinbarung gemacht d.h. ein fester Preis wurde fuer die Arbeit ausgemacht und eine Frist zur Fertigstellung gesetzt. Gezahlt wurde nach Abnahme der geleisteten Arbeit. Das klappte soweit ganz gut.  Zwar verdienten wir doch um einiges weniger, aber es war genug um komfortabel zu leben und auch einiges auf die Seite zu legen.

Der Fall vor dem Arbeitsgericht  zog sich hin mit wenigstens zwei „Hearings“  pro Monat, an denen nur meine Frau und mein Schwager teilnahmen. Ich selbst ging nur gelegentlich mit. Nach der 13. Verhandlung gab der Arbiter auf und leitete die ganze Angelegenheit an das Regional Office in Cagayan weiter.  Zuletzt war nur noch Raul bei den Hearings erschienen – immer begleitet vom Capatain – der sich aber ansonsten geflissentlich zurueck hielt, auch im Dorf.

Es ging auf Weihnachten zu und vorerst hoerten wir vom Arbeitsgericht  gar nichts mehr.

Nach dem Arraignment des Captains folgten nun die 1. und 2. Pre-trial Konferenz,  in der Antraege der Anwaelte gehoert wurden usw,  aber es geschah nichts Wichtiges. Alles „duempelte“ mehr oder weniger vor sich hin.  So gingen wenigstens Weihnachten und Neujahr friedlich vorbei und 1994 wuerde uns hoffentlich besseres bringen als das alte Jahr.

Im Februar war der erste Verhandlungstag angesetzt worden, aber hier wiederholte sich nur, was in Malaybalay schon geschehen war, die ganzen Unterlagen wurden geprueft, die Aussagen wurden gehoert, wobei aber nur 4 der 23 ueberhaupt nach Cagayan gekommen waren um ihre Aussage zu machen.  (Spaeter erfuhren wir, dass der Captain ihnen die Fahrt bezahlt hatte, sonst waere gar keiner gekommen) Das zog sich ueber Monate hinweg mit einem Hearing nach dem anderen.

Die  Zeugenaussagen fuer den Captain, die ueberwiegend von Leuten gemacht worden sind, die nicht dabei waren, beschraenkten sich in erster Linie darauf zu sagen, sie haetten keinen Schuss gehoert.  Klar hatten sie keinen gehoert, schliesslich waren sie nicht dabei gewesen. Der Kagawad, der sich vor mich stellte, behauptete in seinem „Affidavit“, dass er zu der Zeit auf seinem Feld gewesen war und sich alleine schon deshalb nicht vor mich stellen konnte.  Falschaussagen sind also gang und gaebe, auch vor Gericht, sind aber nach philippinischem Strafrecht auch unter Strafe gestellt.  Allerdings stellte die Richterin einige unangenehme Fragen an den Captain, der die Unterschiede in den Zeugenaussagen natuerlich nicht erklaeren konnte (wollte), da er ja wusste, dass seine Zeugen die Unwahrheit sagten.  „Chop Chop Rabanes“ war recht zufrieden mit dem bisherigen Verlauf und meinte die Richterin sei wohl doch mehr geneigt unseren Zeugen zu glauben.

Der Arbeitsrichter in Cagayan de Oro sagte nach dem 23. Verhandlungstag (einschliesslich Malaybalay), dass es keine weiteren „Hearings“  mehr gaebe und er nun eine Entscheidung treffen wuerde, die uns schriftlich mitgeteilt werde. Im Sommer 1994 kam der Brief vom Arbeitsgericht und die Klage war – in allen Punkten – zurueck gewiesen worden.  Wir liessen das natuerlich sofort Judith und Luisa lesen und wussten, dass der Inhalt des Briefes in kuerzester Zeit von allen Betroffenen  zur Kenntnis genommen wuerde. Es dauerte auch keine 10 Minuten, da kam einer der alten Mitklaeger vorbei und entschuldigte sich und wollte wieder eingestellt werden. Allerdings hatten wir uns schon bei Einreichen der Klage entschieden, dass keiner von den 23 je wieder fuer uns arbeiten wuerde und sagten ihm das auch.  Einige lamentierten und meinten sie haetten das Angebot meiner Frau, das die beim 3. Hearing machte, annehmen sollen. Meine Frau hatte damals jedem Mitarbeiter 500 Pesos Abfindung angeboten, wenn sie die Klage zurueck zoegen.  Damit war dieses Kapitel des Streites zu Ende gegangen.

Bei der 3.  Pre-trial Konferenz passierte dann etwas unerwartetes. Der Captain entschuldigte sich in der Oeffentlichkeit der Verhandlung, bei der immer der Mayor und etliche andere lokale Politiker teilgenommen hatten, bei mir. Meine Frau, mein Schwager und ich berieten uns kurz und entschlossen uns die Klage zurueck zu ziehen, nicht weil wir vielleicht nicht gewonnen haetten, sondern weil wir – insbesondere ich – lieber Frieden im Dorf haetten. (Meine Frau dachte da viel philippinischer und fuer sie war das ganze noch nicht zu Ende) Der Captain entschuldigte sich ein zweites mal beim naechsten Barangay Meeting drei Wochen spaeter.

Der Captain und ich schuettelten uns die Haende und damit war der „Aerger auf der Farm“ vorbei.  Allerdings wurde unser Verhaeltnis nie mehr so gut, wie es vorher gewesen war.

Einige Jahre spaeter, hatten wir dann von einem Kagawad erfahren, dass der Capain sehr neidisch auf uns war, kamen wir doch in die Berge von Lantapan ohne jede Erfahrung und pflanzten – von Anlaufschwierigkeiten abgesehen – erfolgreich Gemuese und verdienten gut dabei. Und er, der seit 1969 auf seiner Farm herum gewurschtelt hatte, konnte so gerade mal den noetigsten Lebensunterhalt sichern.

Damit duerfte sich auch die Ueberschrift dieser Erzaehlung erklaert haben.

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