Orchideensuche

Als wir in Bukidnon wohnten, vernarrten wir uns regelrecht in die wilden lokalen Orchideen, die dort ueberall wuchsen und zum Teil wirklich prachtvoll bluehten, auch wenn die Blueten nicht so lange hielten und in keiner Weise so gross wurden, wie die der Hybriden. Aber es gab sehr viele verschiedene Sorten und die wenigen, die ich identifizieren konnte waren die wilden Dendrobium und Phalaenopsis Arten. Und es waren gerade die wilden Phalaenopsis, die es uns angetan hatten. Deren Schoenheit stand den Hybriden in keiner Weise nach. Alle anderen kannte ich nicht und hatte bei National Bookstore damals auch kein Betimmungsbuch gefunden.

Und so sammelten wir anfaenglich bei Nachbarn und anderen Dorfbewohnern alles an wilden Orchideen, was wir bekommen konnten. Etliche Kaffeebaeume waren bereits voll mit den verschiedensten Pflanzen und wir faellten einige alte Kaffeebaueme um mehr Staender fuer Orchideen zu haben, denn wir machten die Erfahrung, dass die Pflanzen dort besonders gut wuchsen.  Zudem siedelten sich dort auch Moose und Farne an, so dass das ganze nach ein bis zwei Jahren sehr natuerlich aus sah.

Eines Tages kam Victorino, einer unser Pflanzer, mit einigen Dendrobium Arten an, die er von einem alten gestuerzten Urwaldriesen entfernt  hatte. Die Orchideen hatten viele kleine kraeftige orangefarbige Blueten in dichten Buendeln und waren sehr schoen. Und so entschlossen wir uns auf Orchideensuche zu gehen. Es gab ja ueberall alte Baeume und Felswaende, an denen Orchideen sich besonders gerne niederlassen.

Damals war Otto bei uns und der wollte natuerlich mit gehen. Also zogen wir eines Sonntags Morgen los. Rico, Butchoy, Otto und ich  machten sich also auf Orchideensuche. Am Anfang ueberquerten wir alle unsere Felder, da wir ins Flusstal wollten, denn dort hatten riesige alte Urwaldriesen ueberlebt, die nur auf Grund ihrer Lage noch standen. Etliche von denen waren tot und Orchideen siedeln besonders gerne auf toten, alten Baeumen. Um uns die Kletterei einfacher zu machen, hatten wir meine komplette Abseil- und Aufstiegsausruestung einschliesslich Klemmen dabei.

Als wir dann etwa vier Kilometer weiter den Maagnao River erreichten, gingen wir flussaufwaerts, denn dort standen viele dieser alten Baeume. Zudem brach der Fluss dort durch eine zirka 40 Meter tiefe Schlucht mit steilen Felswaenden. Auch dort sollten einige Orchideen  zu finden sein.

Zuerst kamen wir an die Schlucht und stiegen vor den Felswaenden den steilen Hang hinauf, nachdem wir vorher mit dem Fernglas schon etliche Orchideen ausgemacht hatten und uns ein Landmark oberhalb der Felswand gemerkt hatten. Dort wollten wir hin und uns abseilen um die Pflanzen aus der Felswand zu holen. Nachdem wir oben angekommen waren, befestigte ich das Seil und Butchoy seilte sich ab. Wir hatten das natuerlich vorher mit ihm an unserem Mahagonibaum beim Haus geuebt und es klappte sehr gut. Butchoy hatte einen Sack dabei und sammelte fleissig einige Orchideen ein. Wir hatten ihm die Anweisung gegeben nicht mehr als sechs  Pflanzen einer Art zu nehmen und er hielt sich auch daran. Wir wiederholten das ganze noch an zwei anderen Stellen und hatten insgesamt ueber 40 Pflanzen  in neun verschiedenen Arten. Anschliessend gingen wir den Hang wieder hinunter und durchquerten die etwa 100 Meter lange Schlucht flussaufwaerts. Dabei mussten wir zum Teil ueber grosse Felsen klettern und oefter auch durch das Wasser waten. Etwa zwei Kilometer danach kamen wir zu den besagten alten Baeumen. Unter ihnen war ein echter alter, abgestorbener Riese. An ihm wuchsen hunderte von Orchideen, aber es war so schoen anzusehen, dass ich entschied, wir werden von dort keine Orchideen wegnehmen.  Mittlerweile war es Mittag geworden und wir assen unsere mitgebrachte „Brotzeit“;  Reis mit Sardinen aus der Dose, eine wahrhaft lukullische Mahlzeit, aber wir waren hungrig und so schmeckte auch das.

Nach dem Essen stromerten wir in dem „Wald“ herum – es duerften nicht mehr als drei oder vier Hektar gewesen sein – und fanden noch das eine oder andere hier und dort. Gegen vier Uhr machten wir uns dann auf den Heimweg. Wir wollten aber nicht zurueck gehen sondern entschlossen uns den Steilhang hoch zu klettern und von dort weiter zu Rubios Ranch zu laufen. Wir waeren dann etwa zwei Kilometer oberhalb von Maagnao auf die Strasse gestossen und koennten gemuetlich nach Hause laufen. Zumindest dachten wir das. Nachdem wir den Hang erstiegen hatten, kamen wir nach zwei Kilometer an ein reisiges Dornengestruepp, das sich rechts wie links soweit man sehen konnte hin zog. Rico meinte, wir schlagen uns einfach einen Weg mit der Bolo durch das Gestruepp und so begannen wir. Die ersten 200 Meter waren einfach aber dann wurde das Gestruepp immer dichter und wir kamen nur sehr langsam voran. Ehe wir uns versahen begann es dunkel zu werden und die Tropennacht brach herein. Wir konnten nicht zurueck, da wir den Steilhang nicht im Dunkeln herunter klettern konnten und mit nur einer Taschenlampe im Gepaeck war das zu gefaehrlich. Also entschlossen wir uns dort im Gestruepp zu uebernachten. Da wir alle nur ein T-Shirt anhatten, wussten wir genau, dass es eine sehr kalte Nacht werden wuerde. Schliesslich war es Maerz und da sind die Temperaturen nachts noch emmpfindlich kuehl mit zirka 10-12 Grad. Und gerade heute hatten wir einen klaren Himmel, der Kaelte versprach. Wir suchten also im Licht der Taschenlampe alles an altem Holz und vertrockneten Gestruepp zusammen um wenigstens ein Lagerfeuer zu haben. Zu essen hatten wir nichts mehr, aber wenigstens hatten wir noch etwas Wasser.

Es wurde wirklich kalt in der Nacht, kaelter als wir erwarteten oder zumindest bildeten wir uns das ein. Vorne wurden wir vom Feuer gegrillt und hinten froren wir uns den Arsch ab. Schon laengst hatten wir alle unsere Arme innerhalb der T-Shirts versteckt, aber die Nacht war lange. Schlafen konnte keiner und so froren und langweilten wir uns durch die Nacht. Otto meckerte die ganze Zeit, dabei erzaehlte er sonst immer wie „out door gestaehlt“ er sei seit seinen ausgedehnten Reisen im Norden Luzons. Ich gehe mal davon aus, dass er die Bars in Manila meinte.

Endlich graute der Morgen und wir begannen zu hacken und nach 15 Minuten und 10 Metern dichtestem Gestruepp waren wir durch. Das haetten wir gestern abend auch machen koennen. Wir ueberquerten die ausgedehnten Weiden von Rubios Ranch und kamen kurz darauf auf den Highway. Und 30 Minuten spaeter waren wir zu Hause.

Dort hatten sie sich natuerlich grosse Sorgen gemacht und in aller Frueh schon einen „Suchtrupp“ los geschickt. Die kamen gegen Mittag zurueck und waren ebenso froh uns zu Hause vorzufinden.

Erwaehnen moechte ich dabei noch, dass der Abflug von Elda und Otto scheinbar laenger geplant war, da er schon zwei Wochen zuvor begonnen hatte den schoenen alten Baum mit den vielen Orchideen zu faellen und alle Pflanzen mitgenommen hatte um sie in Cagayan zu verkaufen. Leider erfuhren wir das erst eine Woche nach seiner „uebersturzten Abreise“, sonst haetten wir das mit Sicherheit verhindert.

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