Otto 2. Teil

Otto hatte das Huegelbeet fertig gestellt. Nun mussten wir es bepflanzen, aber ein heftiger Regen wusch 50% der Erde weg. Wir mussten also mulchen um dem Regen die Kraft zu nehmen. Dazu muss man auch sagen, dass selbst ein Wolkenbruch in Deutschland mit einem tropischen Platzregen nicht mithalten kann. Insbesondere kann es da 4 -6 Stunden in einer Staerke regnen, die man sich als Europaeer ueberhaupt nicht vorstellen. kann.

Nachdem wir die ausgewaschene Erde wieder auf dem Beet verteilt hatten, bepflanzten wir das Huegelbeet mit allen moeglichen Pflanzen, schliesslich wollten wir ja heraus finden, was dort besoners gut waechst und welche Sorten weniger geeignet sind. Anschliessend mulchten wir kraeftig mit zerschnittenem Gras und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Am naechsten Tag regnete es wieder sehr kraeftig, aber dieses Mal gab es keine Probleme. Der Mulch daempfte den Regen und es wurde keine Erde weg gewaschen wie vorher.

Otto suchte eine neue Aufgabe. In einem Sitio hatten wir Land gepachtet, aber noch nicht kultiviert. Otto wollte das uebernehmen. Also zog er am naechsten Morgen alleine los um sich an die Arbeit zu machen, und er sah aus wie ein Einheimischer mit Strohhut, uralten Klamotten und der Bolo an der Huefte. Den Tala-andig am Ort fielen beinahe die Augen ‚raus, als sie ihn nach Bacayon hoch laufen sahen.

Nach etwa einer Woche war er mit der Landvorbereitung fertig und brachte Duenger nach oben um einige Tage spaeter zu pflanzen. Ich ueberliess es mehr oder weniger ihm, ging aber einige Male nach oben um zu schauen, was da geschieht. Aber alles sah eigentlich recht ordentlich aus.

Einige Tage spaeter kam Elda ins Haus, die 1991 fuer einige Monate Kindermaedchen war und fragte nach ihrem alten Job. Inday und ich entschlossen uns Elda anzustellen. Arbeiten, liefern und auf die Kinder aufpassen war mehr oder weniger ein fast 24 Stunden Job geworden. Und so waren wir froh, da wir Elda eigentlich als recht zuverlaessig kannten. Und die Kinder kannten sie schon und mochten sie, was alles natuerlich einfacher machte.

Otto ging nun nicht mehr ganz so oft nach Bacayon, aber oft genug um sicher zu stellen, dass alles wuchs und gedieh. Die Wochen gingen vorbei, und da Otto kein Geld hatte bezahlte ich sein Essen, seine Sauferei und auch die Zigaretten. Das war ja damals alles noch recht billig. Schliesslich arbeitete er auch.

Dass sich zwischen Otto und Elda etwas anbahnte, konnte anfaenglich keiner erkennen. Als meine Frau es merkte und mir erzaehlte, dachte ich, das sei letzten Endes deren Sache. Und solange er Elda nicht von ihrem Job abhielt, war es mir egal. Mit all dem, was ich heute weiss, waere es mir wohl nicht mehr egal.

Die Zeit verging und Ottos Huegelbeet war erntereif. Nun, es war ja ein Experiment gewesen, aber man musste zugeben, dass die Ernte mindestens 50% besser war als bei herkoemmlicher Pflanzung. Das mag fuer einen Hausgarten gut sein, aber kommerziell sind die Mehrausgaben fuer die Huegelbeete sicherlich nicht gerechtfertigt. Damit legte ich dieses Thema ad acta.

Auch in Bacayon naeherte sich die Ernte und als es los ging, war ich von der Resultaten eigentlich recht angetan. Nur kam mir dann doch die geerntete Menge etwas wenig vor. Auch die naechsten Ernten waren gemaess Erwartung am Wachstum gemessen eher klein. Otto sprach von Dieben, die dort oben wohl des Nachts ernten wuerden. Dass es das gibt hatte ich selbst ja auch schon mit den Wassermelonen erlebt.

Also entschloss sich Otto die nacht dort oben zu verbringen, nur um am naechsten Tag zu erzaehlen, dass heute nacht keiner da gewesen sei. Aber trotzdem wurden einmal mehr die Erwartungen trotz grosser Einzelgroessen des Blumenkohles nicht erfuellt. So langsam wurde ich misstrauisch.

Am folgenden Tag begann ich mich mit den Nachbarn zu unterhalten und erkundigte mich, ob irgendjemand gesehen haette, dass Otto Blumenkohl an die lokalen Haendler verkaufen wuerde. Positive Auskunft bekam ich anfangs nicht, bis eben Robin mir erzaehlte, sie saehe Otto fast jeden Nachmittag mit dem Jeepney nach Sering fahren und er habe immer einen fast vollen Sack dabei. „Nachtigall ick hoer dir trapsen,“ dachte ich und fuhr am naechsten Morgen nach Sering. Dort unterhielt ich mich mit Louis, der neben der Ankaufstelle der Haendler einen groesseren Sari Sari Store hatte, und der bestaetigte mir, dass er Otto des oefteren in den letzten Wochen gesehen habe und er haette Blumenkohl verkauft.

Als ich heimkam war Otto nicht da und er kam auch nicht zum Abendessen. Wahrscheinlich hatte er den Braten gerochen.  Nachts um elf hoerte ich ihn kommen, war aber viel zu muede um noch einmal aufzustehen und etwas zu sagen.

Am naechsten Morgen standen wir um sechs Uhr auf und Otto war verschwunden. Sein Rucksack war nicht mehr da und auch Elda mit samt ihrem Gepaeck war weg. Wir gingen anschliessend nach Bacayon nur um festzustellen, dass bereits geerntet worden war. Was uebrig war wuerde beim naechsten Mal nicht mal mehr einen Korb fuellen. Die Nachbarn bestaetigten, dass Otto gestern nachmittag schon geerntet habe und den verpackten Blumenkohl heute morgen um sechs Uhr abgeholt haette.

Als wir nach Maagnao kamen machten wir eine Beschwerde beim Barangay Capatain (das war alles noch vor unserer grossen Streiterei) und ploetzlich wurden etliche Leute gespraechig, die wussten, dass Otto von uns gestohlen hatte, aber geschwiegen hatten, da er sie bedrohte. Und Elda war mit diesem Dieb mit gegangen. Na Mahlzeit!

Wir hatten natuerlich keine Ahnung, wohin die beiden „gefluechtet“ waren, aber hier sollten wir noch eine knueppeldicke Ueberraschung erleben.

Ueberhaupt sollte Otto noch fuer einige Ueberraschungen gut sein.

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