Otto 3. Teil

Inday, meine Frau, hatte in Cagayan der Oro entfernte Verwandte, von deren Existenz Otto zwar wusste, die er aber noch nie getroffen hatte und auch nicht wusste, wo genau sie wohnten. Wie er letzten Endes dort „landete“ ist mir bis heute ein Raetsel.

Dieses Wochenende lieferte meine Frau das Gemuese aus. Sie fuhr also wie ueblich nach Cagayan und war erstaunt, dass die entfernte Cousine in Agora auf dem Gemuesegrossmarkt auf sie wartete. Wir saeuberten und packten unser Gemuese immer in der selben Bodega und bezahlten natuerlich fuer die Nutzung, deswegen wusste sie, wo wir zu finden seien. Rosalyn, genannt Tata, erzaehlte Inday sofort, dass Otto zusammen mit Elda vor ein paar Tagen angekommen war und sie nun dort wohnten. Ihre Mutter habe den beiden sogar ein Zimmer gegeben. Und sie sei stinksauer auf uns. Inday wollte natuerlich wissen, warum sie veraergert war und Tata berichtete: „Otto erzaehlte, dass wir ihn und Elda ‚raus geworfen haben und das auch erst nachdem wir ihm alles an Geld und Wertsachen geklaut haetten. Das seien etwa 30000 Pesos in bar gewesen und eine Kameraausruestung die 50000 Pesos wert sein soll. Er meinte weiterhin, dass er auch fuer den Aufenthalt bezahlen wuerde, sobald er mit uns geredet haette und sein Geld wieder bekaeme.“

Meine Frau war entruestet und erbost. Sie sagte sofort, dass der Otto voellig mittellos zu uns kam und noch nicht mal fuer seine Zigaretten bezahlen konnte. Er machte sogar beim Laden am Ort Schulden, die wir bezahlen muessten, da er ja nun weg sei und nicht mehr kommen duerfe. Ausserdem hatte er Gemuese geklaut und in die eigene Tasche gewirtschaftet. Tata war erstaunt die Wahrheit ueber Otto zu hoeren.

Nach der Auslieferung ging meine Frau zu den Verwandten und sprach zu ihrer Tante. Sie erklaerte alles und wollte mit Otto und Elda sprechen. Die beiden weigerten sich aber aus ihrem Zimmer zu kommen, da sie scheinbar vor der Konfrontation Angst hatten. Die Tante glaubte aber nicht so recht, was Inday erzaehlte und nannte sie eine Luegnerin. Darauf hin verliess meine Frau das Haus und meinte nur noch, dass die „liebe Tante“ schon sehen wuerde, was Otto fuer ein Schmarotzer sei.

Tata entschuldigte sich etliche Male fuer ihre Mutter und meinte, die wuerde vor lauter Geldgier die Wahrheit nicht erkennen. Inday antwortete nur, dass sie recht schnell merken wuerde, was Otto fuer einer sei.

Als meine Frau zurueck in die Berge kam, war ich dann auch stinksauer, als sie mir die Geschichte erzaehlte. Ich entschloss mich mir den Typen zu „greifen“, wenn ich in Cagayan war und ihm ordentlich den Marsch zu blasen. Mir wuerde er auf jedenfall nicht mehr ins Haus kommen.

Am naechsten Wochenende war es dann soweit und nachdem ich das Gemuese ausgeliefert hatte besuchte ich die Tante. Die liess mich „ueblen Burschen“ ueberhaupt nicht ins Haus. Ich sagte ihr, dass der Otto mich innerhalb von dreissig Minuten im Shakeys in Ororama treffen solle. Wuerde er nicht kommen, dann wuerden wir Anzeige wegen Diebstahles erstatten.

In der Tat tauchte Otto eine halbe Stunde spaeter dort auf. Ich musste mich wirklich zusammenreissen um ihn nicht an Ort und Stelle an die Gurgel zu gehen. Ich fragte ihn, was die Scheisse solle, die er da ‚rum erzaehle und was er sich einbilde, in die Familie Indays einen Keil zu treiben. Otto laechelte nur sueffisant und sagte gar nichts. Als ich mit dem „Marsch blasen“ fertig war, verlangte er Geld von mir. Er wolle fuer seine Arbeit bezahlt werden. Aber was er verzehrt und getrunken hatte, wolle er nicht bezahlen, das sei schliesslich meine Pflicht als Gastgeber. Nun gut, ich rechnete ihm mal aus, was er uns kostete und was er verdient haette gemaess lokalen Loehnen und kam zu dem Schluss, dass er mir immer noch Geld schulden wuerde. Otto fing an zu toben und zu schreien: Ich solle ihm sofort Geld geben. Was ich verweigerte. Nun wollte Otto auf mich los gehen, aber da stand auch schon der Security Guard neben ihm und bugsierte ihn am Arm festhaltend aus dem Lokal. Alle Filipinos schauten neugierig und nachdem Otto draussen war, wollte einer sogar wissen, was das denn fuer einer sei. Ich laechelte freundlich, wollte aber keine Erklaerungen abgeben und beschraenkte mich auf die Aussage: „Kein Guter, das steht fest!“

Fuer mich war die Sache damit erledigt und nachdem ich wieder in Ma-agnao war, glaubte ich, dass wir ihn nie wieder sehen wuerden. Das war eine falsche Annahme, denn er sollte uns noch einige Jahre „verfolgen“.

Einige Monate spaeter kam Elda zurueck nach Ma-agnao und besuchte uns. Bereits bei ihrem Eintritt entschuldigte sie sich fuer das was geschehen war. Sie erzaehlte, dass Sie beide bei Indays Tante etwa eine Woche nach meinem Besuch ‚raus geflogen waeren, weil Otto sich einfach unmoeglich benommen haette und die Tante so langsam merkte, dass da wohl kein Geld ‚rueber kommen wuerde. Sie haetten dann eine Zeitlang bei einem anderen Deutschen in Bugo gelebt, aber der schmiss sie auch bald wieder raus. Sie waren danach in einer kleinen Pension und dort wurde Otto wegen nicht Bezahlens erst einmal angezeigt und voruebergehend festgenommen, aber er kam nach vier Tagen wieder frei. Ein weiterer Deutscher hatte ihn ausgeloest. Elda trennte sich einige Wochen spaeter von ihm, um wieder nach Hause zu gehen.

Sie erzaehlte nun ihre Geschichte:  Sie war zwar sehr verliebt und ging deswegen mit ihm, aber sie war eben auch Jungfrau und sagte ihm von vorne herein, dass das bis zur Ehe so bleiben wuerde. Daraufhin hatte Otto sie im Zimmer bei Indays Tante mit dem Messer bedroht und vergewaltigt. Sie blieb danach nur noch aus Scham bei ihm, weil sie sich nicht mehr nach Hause traute. Erst als es mit seiner Sauferei und mit Gewalttaetigkeiten schlimmer wurde, nahm sie ihren Mut zusammen und verliess ihn. Natuerlich war sie auch schwanger und einige Monate spaeter wurde Tom geboren.

Von Otto sollten wir nun fuer gute zwei Jahre nichts mehr hoeren.

Das war der Anfang von Ottos Geschichte, der noch viele weitere Teile folgen werden.

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