Otto in Cagayan 1. Teil

Etwa neun Monate nach Ottos Schlaganfall eroeffnete ihm seine Frau, dass sie sich von ihm trennen werde, da er weder seinen Lebenswandel noch seine Sauferei geaendert habe. Zudem meinte sie, dass er als „Krueppel“ nach wie vor den Maedels nachsteige, aber ansonsten nichts zum Lebensunterhalt beitragen wuerde. Am Ende meinte sie noch, dass ein Mann der nicht zu krank zum voegeln sei, sicherlich auch nicht zu krank sei um leichte Arbeiten zu verrichten. Natuerlich gab es schon einen anderen Mann im Hintergrund.

Otto zog aus und lebte fuer einige Wochen wieder hinten im Tal. Essen bettelte er sich zusammen und ansonsten sammelte er halt an Gemuese, was da so wuchs und von den Farmern bekam er auch genug „Rejects“. Allerdings war er sehr unzufrieden bezueglich seiner kleinen Tochter, denn seit Elda mit einem anderen Mann zusammen lebte, kuemmerte sie sich immer weniger um das Maedel. Nun ja was passierte; er kam zu mir und „weinte“ sich aus. Ich Idiot hoerte natuerlich zu und nachdem ich mit meiner Frau gesprochen hatte, beschlossen wir wenigsten eine Zeit lang fuer das Maedel zu sorgen, die ja kaum aus dem Saeuglingsalter draussen war. Da ich in Cagayan war, teilte meine Frau das dem Otto mit und es dauerte auch nur einige Tage und er kam mit dem Maedel bei uns in Carmen angewalzt. Wir waren wenige Tage vor dem Umzug nach Bulua und hatten in dem kleinen Appartment ueberhaupt keinen Platz. July die Nachbarin war erst einige Wochen von ihrem Arbeitsplatz in Hongkong heim gekehrt und so kuemmerte sie sich um die Kleine.

Wir zogen um und im neuen Haus, das zwar nicht gross war, hatten wir doch bedeutend mehr Platz. Hinter  der Rueckseite des Hause lebte ein anderer Deutscher Expat, der Juergen, der spaetrr nach Don Carlos umgezogen war und bei dem ich das zweifelhafte Vergnuegen hatte, den Arnold kennen zu lernen.

Es dauerte gerade mal eine Woche, da tanzte der Otto an, dem seine Frau wegen „Kindesentfuehrung“ die allergroessten Schwierigkeiten bereitete. Naja und so zog der Otto eben vorruebergehend bei uns ein, was natuerlich ein riesengrosser Fehler war.

Da er ja illegal im Lande war und ich diesbezueglich mit „Action“ von Elda rechnete, schlug ich ihm vor, doch bei der Immigration vorzusprechen und zu versuchen wenigstens seinen Aufenthalt zu legalisieren. So waere zumindest der illegale Aufenthalt kein Problem geworden. Wir gingen also zusammen in Cagayan auf die Immigration und ihr koennt euch nicht vorstellen, wie schockiert die Beamten waren, als sie hoerten, dass Otto seit ueber sieben Jahren illegal im Land lebte. Sie schauten in seinen Pass, der noch dazu ueberall herum gereicht wuerde und schuettelten zweifelnd den Kopf. Am Ende meinten sie dann, sie wuerden das alles mit Manila besprechen und auf uns zu kommen. Meine Adresse und meine Nummer hatten sie und so blieb Otto nichts anderes uebrig, als auf die Dinge zu warten, die da kommen sollten.

Als nachstes sprachen wir mit der deutschen Botschaft, da Otto ja auch einen neuen Pass brauchte, da sein alter schon seit 1997 abgelaufen war. Die bestand natuerlich auf dem persoenlichen Erscheinen von Otto und als ich ihnen die Behinderung und seine finanzielle Situation schilderte, meinte der Herr M. wir wuerden von ihnen hoeren, ob da was auch ohne persoenliches Kommen gemacht werden kann. Wir sollten aber auf jeden Fall schon mal Antrag und Fotos an sie schicken, den Antrag wuerden sie sofort an meine Adresse senden, und der kam auch einige Tage spaeter an und wurde sofort ausgefuellt mit Papieren und Fotos zurueck geschickt.

Langer Rede kurzer Sinn, wir haben nie mehr von der Immigration gehoert und obwohl auf Grund etlicher Beschwerden von anderen Ottos Aufenthaltsort bei ihnen immer bekannt war, wurde nie darauf reagiert. Auch hatte Otto nie den Zustaendigkeitsbereich der Immigration verlassen und so ist sein Aufenthalt heute – zehn Jahre spaeter – nach wie vor illegal. Die Botschaft meldete sich acht Monate spaeter und wollten Ottos Adresse haben, aber die wusste ich nicht, obwohl ich das Haus kannte, in dem er lebte. Also schickten sie den Pass an mich und meine Frau lieferte ihn bei der naechsten Fahrt nach Bukidnon bei Otto ab. Wir bestaetigten dann bei Herrn M. dass wir den Pass uebergeben hatten und schickten das unterschriebene Empfangsformular an die Botschaft zurueck. Mit dem Passantrag hatte Otto auch Sozialhilfe fuer im Ausland lebende Deutsche beantragt und die auch genehmigt bekommen und so lebte er auf Kosten des Staates fuer etwa vier Jahre. Dann wurden alle Sozialhilfen fuer Deutsche im Ausland gestrichen.

Ottos Tochter war ja bei July gut aufgehoben und eines Tages kam July mit der Kleinen und fragte Otto, ob er einer Adoption zustimmen wuerde. Eldas Beschwerden waren bis dahin im Sand verlaufen, halt wie so vieles, wenn nicht die noetige „Kohle“ dabei „fliesst“.  Nach laengeren Verhandlungen stimmte Otto einer Adoption zu, aber die Huerde Elda war  noch nicht genommen worden. Und so fuhr July ohne die Kleine nach Bukidnon um mit Elda zu sprechen, die natuerlich ihre Zustimmung verweigerte. Zudem waren dadurch schlafende Hunde geweckt worden, denn nun kam Elda nach Cagayan und schaltete das hiessige Sozialamt ein. Die kamen dann auch einige Tage spaeter zu July’s Haus und holten die Kleine ab. Etwa eine Woche spaeter wurde das Maedel an Elda zurueck gegeben. Als ich sie das letzte mal vor etwa einem Jahr gesehen hatte, wurde mir fast schlecht. Die numehr Zehnjaehrige sah krank und schmutzig aus und sie war immer hungrig. Die Adoption waere da sicher die bessere Loesung gewesen. Elda hatte den nun mehr dritten Lebenspartner seit Otto und vier andere Kinder „kraehten“ im Haus herum. Da blieb nichts mehr fuer die „Bastarde“ aus der ersten Beziehung. Wenn Tom sich nicht so ruehrend um die Kleine gekuemmert haette, waere die moeglicherweise noch verhungert. Aber Tom war eben ein echter Filipino geworden und wusste was er seiner kleinen Schwester „schuldete“.

Im naechsten Teil werde ich noch etwas mehr ueber Otto erzaehlen und was sonst so in den drei Monaten, die er bei uns in Bulua verbrachte, geschehen war.

Fortsetzung folgt

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3 Comments
  • Reply

    […] die Zeit zurueck, als Otto in Cagayan war und July plante, seine Tochter zu adoptieren. (kann man hier nachlesen) Ich wusste nur vom Juergen, dass Otto nun in Maramag lebte und ihn gelegentlich in Don […]

  • Reply

    Lebt Otto etwa immer noch auf den Phils? 😯
    Dachte, der sei lange wieder zurück in D …

    • Kai
      Reply

      Ja der Otto lebt immer noch hier und wird wahrscheinlich bis an sein Lebensende hier bleiben. In Deutschland war er in der Vergangenheit mal gesucht worden, warum ist mir nicht bekannt. (Das hatte die Botschaft dem Georg gegenueber erwaehnt, aber die Angabe von Gruenden verweigert.) Kann aber nichts groesseres gewesen sein, da er ja spaeter seinen Pass bekam.

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