Otto in Cagayan 2. Teil

Hinter unserem Haus lag ja ein anderes Haus, dessen Eingang in der Paralellstrasse lag. Man konnte sich zwar ueber den Gartenzaun hinweg unterhalten, aber es gab keine direkte Verbindung zum durch gehen. Dazu musste man schon aussen herum laufen, aber das waren auch nur drei Minuten. In diesem Haus lebte damals der Juergen. Den hatte ich ja mal kurz erwaehnt, da ich bei ihm im Haus den Arno kennen lernte.

Juergen war ein fruehzeitig pensionierter Beamter, der seit den fruehen neunziger Jahren auf den Philippinen lebte. Seine Geschichte werde ich hier auch einmal erzaehlen. Aber etwas ist schon wichtig genug um es jetzt zu erwaehnen; Juergen soff! Und wie er soff. Bereits zum Fruehstueck gab es Bier und gegen acht Uhr am Abend war er fuer gewoehnlich blau und hatte die noetige „Bettschwere“. Ausserdem litt er an Gicht und hatte auch sonst so ziemlich alles an Alterskrankheiten, was man sich so vorstellen kann, obwohl er erst 60 geworden war. Und Juergen war ein Nazi und Judenhasser der allerersten „Guete“. Ich hatte damals kein grosses Interesse an dem Mann, da mich seine Einstellung abstiess. Aber ich war freundlich, alleine schon deshalb, weil er Kunde im Laden meiner Frau war.

Der Juergen war wohl ziemlich einsam und so lud er den Otto regelmaessig jeden Tag zum Essen ein. Dazu bekam der Otto das Bier, denn von mir gab es nichts zum saufen fuer ihn. Und so hockte der Otto taeglich von mittags bis zum abend beim Juergen um ihm zu helfen die 50 Kisten Bier, die Asia Brewery jeden Monat direkt bei ihm anfuhr zu vernichten. Eine Kiste soff der Juergen locker jeden Tag alleine  weg.

Mir war es natuerlich nur sehr recht, wenn der Otto sich dort drueben aufhielt. Ich hatte weder die Zeit noch die Lust mich jeden Tag laenger mit ihm abzugeben.

Juergen war ein schwieriger Mensch mit dem man nur auskommen konnte, wenn man zu seinen „bizarren Ansichten“ ja und amen sagte und das schien der Otto sehr gut zu koennen.

Gelegentlich gingen die beiden auch zusammen in die Stadt und meist sprang dann ein neues T-Shirt oder eine Hose fuer ihn heraus. Er schmarotzte sich also lustig und munter durch. Aber am Abend laesterte er oft ueber den Juergen ab. Da moechte ich gar nicht wissen, wie er sich ueber mich ausgelassen hat damals. Spaeter hat mir der Juergen da einiges erzaehlt.

Zwei oder dreimal die Woche ging Otto abends aus, da ihm der Juergen gelegentlich Geld zusteckte. Dabei ging es natuerlich um Maedels und ich musste ihn nach der Rueckkehr immer bremsen, da er ungeniert von seinen amoroesen Abenteuern erzaehlte auch in Gegenwart der Kinder. Dass er sich damals kein AIDS oder sonstige Krankheiten holte wundert mich heute noch.

Otto intrigierte. Er sprach mit Nachbarn und versuchte die gegen uns aufzubringen. Er versuchte unsere Kinder gegen uns zu verhetzen und uns gegen die Kinder, indem er immer irgendwelche Luegen erzaehlte und die betroffene Person dabei schlecht machte. Ich bekam einen ordentliche Streit mit ihm deswegen und sagte ihm klipp und klar, dass er fliegt, wenn er nicht die Schnauze haelt. Er konnte die Schnauze natuerlich nur ein paar Tage halten und als es mir zuviel wurde, setzte ich ihn auf die Strasse. Der machte vielleicht ein Geschrei als ich ihn verabschiedete. Nach den Schimpfwoertern, die er gebrauchte, muesste ich im Internet suchen, da ich sie zum Teil gar nicht kannte.

Otto war weg und wir hatten wieder unsere Ruhe. Juergen war sauer, da er seinen Gespraechspartner verloren hatte und bestand darauf, dass ich wenigstens zweimal die Woche kommen sollte, damit er nicht ganz so alleine war. OK, das machte ich dann auch, blieb aber nie laenger als zwei Stunden, da mir das Gelabere auf den Geist ging. Ich hatte ihm aber von Anfang an klar gemacht, dass ich im Falle von faschisischen Hetzreden sofort weg waere und Juergen hielt sich „vornehm“ zurueck.

In der Nachbarschaft hatte ein Deutscher ein Haus, der aber nur fuer etwa 3 Monate im Jahr kam und als der Geburtstag hatte, lud er Juergen und mich ein. Also gingen wir zwei Tage spaeter auf diese Geburtstagsfeier – meine Frau war auch dabei – und als wir das Haus betraten, traf mich fast der Schlag. Otto war dort und bei der naechstbesten Gelegenheit, fragte ich Michael, den „Teilzeitexpat“ wo er den denn aufgegabelt haette. Michael erzaehlte, dass er ihn vor einigen Tagen mit seiner Freundin in der Limketkai Mall getroffen habe und nun wohnen die –  er und die Freundin – in dem kleinen Haus,  das er letztes Jahr gekauft hatte und in dem normalerweise sein Caretaker lebte, wenn er in Deutschland war. Ich warnte Michael, aber er meinte nur, dass der Otto doch sehr nett sei. „Naja jedem das seine,“ dachte ich nur. Er wuerde halt seine Erfahrungen  selbst machen muessen.

Die Feier verlief angenehm und Otto hielt sich fern von uns. Bei der Gelegenheit lernte ich Albert kennen, von dem spaeter auch mal zu erzaehlen sein wird. Albert filmte Festlichkeiten auf Video und verdiente sich so seinen Lebensunterhalt und Albert hatte 5 Kinder. Von Juergens Erzaehlungen hatte ich ja von Albert gehoert, getroffen hatte ich ihn bis zu jenem Geburtstag noch nie.

Zwei Wochen spaeter kam Michael aufgeregt zu uns ins Haus. „Das muesst ihr sehen,“ schrie er aufgeregt und brachte uns zu dem kleinen Haus, in dem Otto samt Freundin lebte. Und wir sahen!!!

So eine Schweinerei hatte ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Das Haus war ein einziger Saustall, in der Kueche tuermte sich das Geschirr und schimmelte vor sich hin. Die Toilette war verstopft und die Scheisse schwamm im Bad auf dem Boden. Die Waende waren verschmiert und die Bettwaesche vollkommen verdreckt. Und es stank!

Michael erzaehlte: „Heute Morgen sei ein Nachbar zu ihm gekommen und beschwerte sich, dass es fuerchterlich stank und so checkte Michael das kleine Haus aus und fand die „Bescherung“.  Otto hatte sich ohne etwas zu sagen mitsamt Freundin „verkruemelt“ und die Sauerei zurueck gelassen. Der Putzfrau musste Michael einen Sondertarif zum Saubermachen bezahlen und hinterher gab er gute 10.000 Pesos aus um neu zu streichen und zu reparieren, was kaputt war.

Von Otto hoerte ich dann einige Jahre nichts mehr.

The End

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