Otto und Arno

Wo und wie genau Otto und Arno sich kennen gelernt haben ist mir eigentlich nicht so klar, ausser dass es in Malaybalay gewesen sein muss. Ich kann mich noch gut erinnern, dass Arno bei einem Filipino am noerdlichen Ortsausgang von Malaybalay fuer kurze Zeit gewohnt hatte und ich von dort eine SMS bekam, dass ihn angeblich die Tochter eines bekannten Parlametarier aus einer Moslemprovinz besucht hatte, auf die er schon lange „gesponnen“ hatte. Wobei es bei ihm nie so klar war was Wahrheit oder einfach nur „Story“ war. Einige Tage spaeter bekam ich dann eine SMS, dass er sich mit Otto zusammengetan hatte und ich warnte ihn vor diesem Schmarotzer, da ich den ja nur allzugut kannte.

So zogen die beiden also los von Malaybalay, da seine damalige Freundin mit der er auch ein Kind hatte nichts mehr von ihm wissen wollte, weil er eben auch schon mal gewalttaetig werden konnte, insbesondere wenn Alkohol im Spiel war. Durch die Text Messages die er mir regelmaessig schickte, schien es den beiden nur ums Saufen und um Maedels zu gehen, was mir aber bei Otto nichts neues war.

Sie zogen also im noerdlichen Mindanao umher, bis ich eben kurz vor Weihnachten eine SMS bekam in der Arno sich 10.000 Pesos von mir borgen wollte, was ich natuerlich verweigerte, da ich ja alle Auslagen, die ich fuer ihn hatte nie zurueck bekommen habe obwohl er versprach diese zu ersetzen, wenn der Vater Geld schicken wuerde, was auch regelmaessig geschah. Aber als der dann mit einer anderen Frau zusammen zog, war es fuer Arno mit dem warmen Regen aus Deutschland vorbei.

Er erzaehlte, dass sie angeblich in Gingoog in einer kleinen Pension Schulden haetten, die sie unbedingt bezahlen muessten sonst gaebe es Aerger mit der Polizei. Der Vater wuerde aber erst in zwei Wochen etwas schicken und er wuerde mich dann bezahlen. Nach meinem klaren Nein war er zwar erst einmal sauer, erzaehlte aber anschliessend, dass das meiste von seinem Geld fuer die Maedels von Otto drauf ginge. Ich meinte er solle dem Otto eben klar machen, dass es genug sei, wenn er die Pension bezahle und das Essen. Das gefiel ihm wohl weniger, denn es kam erst einmal keine Antwort mehr.

Am heiligen Abend erkundigte sich dann die Mutter telefonisch bei mir nach Arno, aber ich konnte ihr nichts weiter sagen als ihr vom letzten Kontakt von vor zwei Tagen zu erzaehlen und ich versuchte den Arno auch selbst noch anzurufen, aber dessen Handy war aus. Ein paar Tage spaeter erzaehlte er mir dann am Telefon, dass er Weihnachten auf der Polizeistation verbracht habe. Dort sollten er und Otto bleiben bis die Schulden bezahlt worden waeren. Es sei aber eine sehr merkwuerdige „Haft“ gewesen, da er im Ort herum laufen konnte und dabei auch oft eine Polizeijacke trug. Ich konnte mir eigentlich nicht so recht vorstellen, dass die Polizei ihn in „halber Uniform“ durch das Staedtchen ziehen lasse.

Nun, der Vater schickte Geld, die Schulden wurden bezahlt und sie gingen zurueck in die Pension, wo Arno mit einer Prostituierten zusammen im Zimmer lebte. Diese Frau hatte sich spaeter auch einmal bei mir gemeldet und mir ziemlich viel von den damaligen Geschehnissen erzaehlt. Aber sie hatte nie geschnallt, dass der Arno mental krank war.Meine Nummer hatte sie vom Arno bekommen.

Einige Zeit verbrachten sie auch in Cagayan de Oro, wo sie dann auch einmal mit einem Maedel wegen „nicht bezahlens“ eine Riesenstreiterei hatten, was dazu fuehrten, dass sie die Pension wechselten und die Tirson Neri Street, besser bekannt als Divisoria, mieden. Natuerlich war Otto der Uebeltaeter, denn Arno war ja nach wie vor mit der Frau aus Gingoog zusammen.

Otto wusste genau, dass Arno nicht ganz normal war, aber er nuetzte den Drang von Arno nach einem „Freund“ aus. Denn schliesslich hatte er keinerlei Einkommen und dass er in Malaybalay eine „Frau mit Tochter“ hatte liess ihn kalt. Nun die zwei Kinder mit Elda hatten ihn ja auch kalt gelassen.

Einer der Vorfaelle die Arno mit Otto erlebte involvierte die Witwe eines Polizisten, die etwa 30 Kilometer ausserhalb von Cagayan lebte und dort ein Haus hatte. Diese Frau hatte die beiden in ihr Haus eingeladen, allerdings nicht nur aus Gutmuetigkeit, sondern auch weil sie als verwitwete Mitvierzigerin Sex vermisste und sich von den beiden ein amouroeses Abenteuer versprach. Es gab zwar Sex fuer die Dame, aber das ganze endete mit einer bitteren Entaeuschung, als sie Otto eines nachts mit ihrer Helferin ertappte. Diese wurde natuerlich sofort entlassen, aber sie glaubte Ottos Beteuerungen, dass er hier der Verfuehrte gewesen sei. Einige Tage spaeter machte sich Otto eines nachts davon nicht ohne die Dame vorher um ihren Schmuck zu erleichtern. Am naechsten Morgen was dann Arno erst einmal der Gelackmeierte, denn er hatte von Ottos Plaenen natuerlich keine Ahnung. Auf der anderen Seite schuetzte er Otto, indem er der Polizei eine falsche Nummer gab. Einige Tage spaeter trafen sich die beiden wieder und das Geld, das Otto fuer den Schmuck bekommen hatte war angeblich schon ausgegeben.

Da Otto 1999 einen Schlaganfall hatte, war er halbseitig gelaehmt und ging mit einer Kruecke. Darueber werde ich ein anderesmal genauer schreiben.

Otto benutzte seine Kruecke nicht nur zum gehen und ich hatte schon einige Male gehoert, dass er die Kruecke jemanden ueberzog, wenn ihm etwas nicht passte. Und ich wusste ja aus Erfahrung, dass das immer dann vor kam, wenn man nicht tat, was er wollte.

Die Freundin von Arno war mittlerweile wieder nach Gingoog gefahren, da sie ja auch Kinder hatte, um die sie sich kuemmern musste. Nun waren die beiden eben wieder einmal los gezogen und hatten zwei Maedels kennen gelernt. Und prompt gab es Streit bei der Frage wer nun mit wem….  Und um den Streit nicht ausarten zu lassen, nahm Otto kurzerhand seine Kruecke zu Hilfe und verpruegelte den Arno nach Strich und Faden, wobei auch die Brille kaputt ging, die er unbedingt brauchte, da er schon extrem kurzsichtig war.  Und er fand sich dann auch im Krankenhaus wieder und brauchte mal wieder Geld, das er aber von mir nicht bekam.

Aber zumindest gingen ihm nun die Augen auf, was fuer ein Mensch der Otto eigentlich sei. Ohne ihn nach dem Krankenhausaufenthalt  wieder zu treffen,  zog Arno nun nach Cebu weiter.

Zumindest wusste er danach, dass meine Warnungen vor Otto nicht unbegruendet gewesen seien.

Otto erzaehlte spaeter einem gemeinsamen Bekannten die Geschichte, der sie wiederum mir erzaehlte, und da klang alles ganz anders, denn nun war angeblich der Arno auf ihn los gegangen und er musste sich wehren. Aber da ich Otto ja kannte, glaubte ich kein Wort davon. Schliesslich weiss ich ja, dass er ein notorischer Luegner ist und zudem Gewalt kein Fremdwort fuer ihn ist.

The End

Share This Post
Related Posts
Ein frecher Dieb
Pacquiao’s 8. Titel
Filipinos und Strassenverkehr

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>