Otto 1. Teil

Walters Geschichte auf den Philippinen ist zuende, aber ich kenne da einen anderen Expat namens Otto, der schon seit 1993 auf den Philippinen lebt, aber finanziell nie etwas auf die Beine stellte. Er vegetiert dahin, schnorrt sich durch und macht sich frueher oder spaeter jeden anderen Expat zum Feind. Freunde hat er ueberhaupt keine mehr. Die er hatte, hat er erfolgreich durch seinen schlechten Charakter vertrieben.

Es wird eine lange Geschichte werden, die ich aehnlich wie Walters Story auf  „Raten“ erzaehlen werde.

Es war im Februar 1993 gewesen als ich geschaeftlich in Manila weilte. Einige der dortigen Hotels wollten von uns Kraeuter und Gemuese haben, insbesondere Sorten, die hier sonst nicht erhaeltlich sind und importiert in einschlaegigen Fachgeschaeften ein Vermoegen kosten. Tagsueber machte ich also verschiedene Kundenbesuche und am Abend ass ich im Muenchen mein Dinner. Und an einem dieser Abende kam ich mit einem grossen, schlanken Deutschen ins Gespraech, der mir erzaehlte, dass er hier Urlaub mache und schon seit zwei Monaten hier sei. Ich fragte ihn, was er denn schon alles gesehen hatte und es stellte sich heraus, dass er ausserhalb von Manila ueberhaupt noch nirgendwo gewesen war. Aber er hatte Plaene, was er alles noch sehen wollte. (Spaeter stellte sich heraus, dass er immer Plaene hatte, aber dass nie etwas daraus wurde.)

Nun ja was da ablief, war eine ganz normale Unterhaltung von zwei Deutschen, die sich zufaellig in einem Lokal trafen und unterhielten. Ich erzaehlte von der Farm und meiner Familie und er von seinen zahlreichen Freundinnen und dass er angeblich in Surigao del Sur verheiratet sei. Diese Geschichte hatte ich ihm aber nie abgenommen, und es sollte sich spaeter erweisen, dass er eben nicht verheiratet war. Sonst waere er naemlich nicht nur ein Bigamist sondern sogar ein Trigamist gewesen.

Nach der Unterhaltung trennten wir uns und ich ging zurueck in mein Hotel. Damals schlief ich immer in der Mabini Pension. Das war zu Zeiten als Urs noch lebte.Ich glaubte, ich wuerde nie mehr von Otto hoeren, aber irgendwie „verfolgte“ er mich bis ins Jahr 2005.

Einige Tage spaeter flog ich zurueck nach Cagayan de Oro und fuhr mit dem Bus heim nach Bukidnon.

Ich war froh wieder in meiner laendlichen Gegend zu sein, aber schon drei Tage spaeter war ich wieder auf dem Weg nach Cagayan um Gemuese auszuliefern. Als ich in Agora ankam traf mich fast der Schlag. Otto war dort und beschwerte sich als allererstes, dass er schon seit gestern auf mich warten wuerde. „Was willst du denn hier?“ fragte ich und war eigentlich nicht sehr gluecklich ueber diesen Ueberraschungsbesuch. „Ich will Mindanao sehen, schliesslich war ich noch nie hier,“ antwortete er mir. (Deswegen nehme ich ihm die Surigao Frau nicht ab, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er nie auf Mindanao war, wenn er doch auf den Philippinen eine Frau von hier geheiratet haben will.)

Otto half mir ein wenig bei der Auslieferung und am Montag fuhren wir gemeinsam zurueck nach Bukidnon. Da hatte ich mir etwas aufgehalst, nur wusste ich es noch nicht. Ich haette in Agora sagen sollen, dass es nicht geht zu mir zu kommen und Punkt.

Die ersten Tage verliefen eigentlich sehr friedlich,  nur nach etwa einer Woche gab es nachts die erste Aufregung. Er schrie Percy, unsere Helferin nachts gegen zwei Uhr an, dass draussen Bewaffnete seien, die durch das Fenster in ihrem Zimmer einsteigen wollen und er wuerde sie retten. Wir sprangen auf und Otto stand im Wohnzimmer und zerrte an Percys Arm und rief: „Nun komm schon, nun komm schon, nur in meinem Zimmer bist du sicher.“ „Was soll der scheiss Otto, hier ist niemand,“ rief ich zurueck. „Lass sofort die Percy los.“ Wiederwillig liess er ab und stand da und sah mich fragend an.“ Sag mal hast du zuviel gesoffen?“ fragte ich ihn. Er leerte naemlich jeden Abend eine Flasche Ginebra bevor er ins Bett ging. „Naja,“ entschuldigte er sich, „aber da waren wirklich Leute mit Knarren draussen.“ „Schmarrn, die waeren schon laengst von Kathy (unserem Dobermann) gebissen worden und zudem haette Kathy sie laut verbellt,“ sagte ich. Alle beruhigten sich etwas und Otto ging verlegen zurueck in sein Zimmer um zu schlafen. Percy meinte, dass er wohl Sex wollte und ich hatte auch diese Vermutung.

Am naechsten Tag nahm ich ihn mir zur Brust und sagte ihm unverbluemt, dass ich ihn raus werfe, wenn so etwas noch einmal vorkaeme. Er gab auch zu, dass er wirklich Sex wollte und sagte fast verschaemt: „Naja man braucht ja jemand zum „ficken“ dann und wann.“

Am naechsten Tag begann er im Garten an einem Huegelbeet zu bauen, ueber das wir in den letzten Tagen gesprochen hatten. Genau vorschriftsmaessig wie es in meinem Gartenbuch beschrieben war, stellte er das Huegelbeet zusammen und war dadurch zumindest am abend muede genug um keinen Rabatz mehr zu machen. Am Wochenende hatte Bano Geburtstag und wie es ueblich ist wurde gefeiert. Haide, einer unserer Arbeiter spielte Gitarre und sang dazu. Karaoke hatten wir keine, da wir ja damals auch noch keinen Strom hatten. Der kam erst ein Weilchen spaeter. Otto erbat sich die Gitarre und klimperte erst ein wenig herum. Als Linkshaender hatte er aber ein Problem, da nun die rechte Hand die Greifhand war. Er drehte die Gitarre kurzerhand um und hatte zwar nun die Saiten verkehrt herum, aber konnte trotzdem spielen. Er sang auch dazu und hatte nicht einmal eine schlechte Stimme. Nach einer Weile spielte er das dumme Lied vom Schinken und Eibrot und der eisgekuehlten Coca Cola. Wir sangen es zusammen in allen moeglichen Stimmvarianten von laut und agressiv bis ueber leise und flehend, mit weinerlicherlich Kinderstimme bis zur Ansage eines Schwulen. Die Arbeiter und meine Familie verstanden zwar kein Wort aber sie lachten sich schlapp ueber unsere Vorstellung. Hier kann man wohl dem Sprichwort, dass der Ton eben die Musik macht voll zustimmen. Als wir fertig waren, gab ich ihnen eine kurze Uebersetzung dieses „ach so geistreichen“ Liedchens. Spater liessen wir noch „die oiden Rittersleit“ folgen und danach waren die Filipinos wieder dran.

Es war ein gelungener Abend und in solchen Momenten konnte der Otto eigentlich ganz nett sein.

Aber wir sollten noch unsere blauen Wunder mit ihm erleben.

Fortsetzung folgt

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