Otto’s Adoption

Als Otto das erstemal zurueck nach Bukidnon kam, wunderte ich mich anfaenglich ueber Eldas Bereitschaft zu ihm zurueck zu gehen, insbesondere auch wegen der Anschuldigungen, die sei gegen ihn gemacht hatte. Nun all das fand spaeter eigentlich eine einfache Erklaerung.

Natuerlich lockte Otto Elda zunaechst einmal mit der Sorge fuer den Sohn, der ja schliesslich auch seiner war. Und dann versprach er ihr auch noch die Heirat. Aber Otto hatte uns ja erzaehlt, dass er mit einer Frau aus Surigao verheiratet sei und getrennt leben wuerde. Die Loesung erschien eigentlich recht einfach; Otto wurde vom Stamm der Tala-andig adoptiert. Von wem die Idee urspruenglich stammte, weiss ich nicht, aber nachdem all die Datus (Haeuptlinge) beraten und zugestimmt hatten, wurde Otto fuer eine Adoption vorbereitet. Dazu musste er natuerlich bestimmte Prozeduren ueber sich ergehen lassen. Eine davon war eine rituelle Beschneidung, die dann auch im Rahmen einer Zermonie vom „Medizinmann“ des Stammes durchgefuehrt wurde. Ich war ja nicht dabei, aber einige unserer Landarbeiter waren als Stammesmitglieder natuerlich gegenwaertig und erzaehlten auch nach der Zeremonie wie alles abgelaufen sei. Frauen waren nicht zugelassen und Otto wurde nach allerlei Singsang und Hokus Pokus Spruechen oeffentlich vom Schamanen beschnitten. Das Ganze endete natuerlich mit einer Fress- und Saufparty wie fast alle philippinischen Feste.

Andere geheimnisvolle Zeremonien folgten wie zum Beispiel eine Reinigungszeremonie und eine Fruchtbarkeitszeremonie, bei der auch Elda dabei war. Die Einheimischen waren dabei immer mit ihren Stammestrachten bekleidet, die Maenner in dunkelblauen, ausgestellten Hosen mit einem breiten roten Streifen an der Seite und roten Hemden mit blauen Streifen, und die Frauen mit rot-blau gemusterten, sari-aehnlichen Gewaendern und praechtigem Kopfschmuck mit vielen Federn.

Am Ende all dieser Zeremonien stand dann die eigentliche Adoption. Diese fand nachts an einem riesigen Lagerfeuer statt. Vor der Adoption durfte Otto 24 Stunden nichts essen. Dann wurde auch er in die Stammestracht gekleidet und die Feier nahm ihren Lauf. Zuerst hielten all die anwesenden Datus eine Rede. Die Staemme unterscheiden sich da um nichts von den „zivilisierten Pinoys“ und Reden sind nun mal ein Ausdruck der Wichtigkeit der sprechenden Person. Das dauerte bestimmt so seine zwei Stunden bis alle „Haeuptlinge“ ihren Senf dazu gegeben hatten. Danach kam die eigentliche Aufnahme in den Stamm, wobei jeder Anwesende seine Zustimmung geben musste. Haette auch nur einer waehrend der Zeremonie nein gesagt, dann waere die Aufnahme nie zustande gekommen. Aber alle sagten schoen brav ja und so wurde Otto ein Mitglied der Tala-andig. Even Adolino Saway, der Datu aller Datus, der alle Staemme der Bukidnons gegenueber der Regierung repraesentierte zu dieser Zeit, war anwesend und gab seine Zustimmung. Natuerlich ahnte keiner was fuer ein faules Ei man sich da ins Nest gelegt hatten.

Nach der Aufnahmezeremonie wurden rituelle Taenze aufgefuehrt und anschliessend wie bei jeder Feier kraeftig gefuttert und getrunken.

Otto war nun offiziell ein Tala-andig geworden. Und er wollte Elda nun nach Stammesriten heiraten, wobei hier keiner nach irgendwelchen Papieren fragt. Allerdings werden Ehen erst dann von der Regierung sanktioniert, wenn sie in einer Massenzeremonie von einem Priester und einem Richter nachvollzogen werden.

Etwa zwei Wochen spaeter kam dann die Hochzeit, die von einem Datu sanktioniert wurde und die im grossen und ganzen aehnlich wie die anderen Zeremonien ablief. Da meine Mitarbeiter bei der Hochzeit nicht dabei waren, habe ich davon auch nur sehr wenige Informationen.

Legal machte das Otto zwar nicht zum Bigamisten, da die Ehe ohne weitere Schritte nicht eingetragen werden konnte, aber moralisch auf jeden Fall.

Share This Post
Related Posts
Dolly’s “Entfuehrung” 2. Teil
Georg und Otto 2. Teil
Die Praesidentschaftskandidaten 2010 1. Teil

Leave Your Comment

Your Name*
Your Webpage

Your Comment*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>