Ottos Rueckkehr

Wir waren alle sehr erstaunt, als wir hoerten, dass Otto zurueck gekommen war und nun bei Elda in ihrem kleinen Haeuschen wohnte. Es ueberraschte uns nicht nur,  dass er ueberhaupt zurueck kam, sondern eben auch, dass Elda ihn aufnahm, wo sie doch geschworen hatte, den Typen nie mehr sehen zu wollen. Sie erklaerte meiner Frau spaeter, dass sie nur wegen des gemeinsamen Kindes zugestimmt hatte. Ueber zwei Jahre war Otto weg gewesen, hatte sich nie gemeldet und sie nahm ihn einfach auf. Das verstehe wer will, ich nicht.

In den ersten Wochen sahen wir nichts von ihm, aber wir hoerten von den Nachbarn, dass er wohl jeden Abend soff wie ein Loch und dabei manchmal auch herum schrie und gewalttaetig wurde. Sein Sohn Tom hatte furchtbare Angst vor ihm, und versteckte sich nicht nur einmal bei seiner Nachbarin Louisa, die ja seit Jahren fuer uns arbeitete und die beste Informationsquelle war, die man sich vorstellen konnte. Es war keine gute Entscheidung, die Elda getroffen hatte.

Die Wochen und Monate gingen dahin, und Otto lebte dort ohne auch nur irgendetwas zu tun. Er half Elda am Anfang nicht einmal in dem kleinen Garten, den sie hinter dem Haus hatte und wo sie Gemuese fuer den Eigenbedarf anpflanzte.

Eines morgens kam ich zu Joseph, unserem Barangay Sekretaer und der erzaehlte mir eine nette Geschichte, die sehr typisch scheint fuer den guten Otto. Am Vorabend hatte er scheinbar mit einigen lokalen Leuten oben in Cawayan – das ist der Name des Dorfes, denn Maagnao war nur ein Sitio – fuerchterlich gesoffen hatte und dann ueber die Filipinos her gezogen war. Das hatte seinen einheimischen Saufkumpanen ueberhaupt nicht gefallen und so fielen sie zu fuenft ueber ihn her und schlugen ihn nach allen Regeln der Kunst zusammen. Als er sich nach der Pruegelei einigermassen erholt hatte wollte er nach Hause gehen und fiel unterwegs in den wasserfuehrenden Graben am Strassenrand. Dort blieb er dann auch liegen und schlief seinen Rausch aus. Am naechsten Morgen fand ihn Doming immer noch schlafend mitten im Wasser liegen. Er weckte Otto auf und brachte ihn nach Hause. Wie Joseph noch erzaehlte, sieht er von den Pruegeln fuerchterlich aus;  beide Augen waren zugeschwollen und ueberall hatte er Verletzungen im Gesicht und am Kopf. Aber ich hatte eigentlich erwartet, dass ihm so etwas frueher oder spaeter zustossen wuerde und er konnte von Glueck sagen, dass keiner seiner Saufkumpane eine Bolo dabei hatte.

Drei Tage spaeter sah ich ihn am Haus vorbei laufen und er sah wirklich schlimm aus, obwohl es wohl schon etwas besser war. Seit er angekommen war, hatten wir noch keine Wort miteinander gewechselt und das sollte auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Einige Wochen spaeter hoerte ich dann, dass Otto vor haette, eine Gemuesefarm zu beginnen, denn Elda hatte ihn vor die Alternative gestellt, entweder etwas zu tun oder zu gehen. Sie besass etwa einen Kilometer hinter Maagnao im Flusstal zwei Hektar Land, die sie geerbt hatte und die sollten gepflanzt werden. Das Tal war dort oben etwa 300 Meter breit und von sehr steilen Haengen begrenzt. Dort war es nur von neun Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags sonnig, ansonsten lag das Tal im Schatten. Das hatten den Nachteil, dass es manchmal fast schon zu kuehl fuer ein tropisches Land war, aber fuer den Anbau von Gemuese war es geradezu ideal. Aber das Tal hatte einen sehr schlechten Ruf, da dort in der Vergangenheit schon drei Menschen, die sich dort nieder gelassen hatten, ermordet worden waren. Die Einheimischen hielten das Tal fuer verhext, aber Otto juckte das nicht. Als Deutscher konnte er ueber den Aberglauben der Filipinos nur laecheln.

In den naechsten Wochen baute Otto dort hinten eine Huette mit der Hilfe des Vaters von Elda. Da kein Geld vorhanden war, wurde auch nur mit natuerlichem lokalem Material gebaut, das da oben damals noch in Unmengen wuchs. Baeume wurden gefaellt fuer die Eckpfosten und das benoetigte Holz,  die Waende wurden aus Bambus gebaut und das Dach mit Cogon gedeckt. Joseph erzaehlte mir die Updates, da er zwei Kilometer weiter oben ein Feld hatte, und der Zugang dorthin fuehrte durch das bewusste Tal.

Danach begann Otto die Felder zu kultivieren und wie ich von den Leuten hoerte, war er sehr fleissig, etwas das man ihm gar nicht zugetraut haette. Er machte Baggings fuer Saemlinge, rodete und jaetete was das Zeug hielt und etwa drei Wochen spaeter begann er die Saemlinge zu verpflanzen. Wegen des Schattens im Tal musste er die Jungpflanzen auch nicht abdecken und alles schien gut zu wachsen.

Zwei Monate spaeter am Samstag morgen bekamen wir einen ueberraschenden Besuch. Ihr koennt es sicher eraten! Otto kam um mir Petersilie zu verkaufen. Er entschuldigte sich zuerst und dann bot er mir fuenf Kilo Petersilie an. Da wir selbst nicht genug fuer die Bestellungen hatten, kaufte ich ihm seine Petersilie ab. Wir tranken eine Tasse Kaffe zusammen in unserer Gartenlaube – im Haus wollte ich ihn nicht haben – und unterhielten uns ueber belangloses. Sein frueheres Verhalten gegenueber Elda sprach ich nicht an, und er schien nicht zu wissen, dass sie uns alles erzaehlt hatte.

Und so tanzte der Otto jede Woche zweimal an, um sein Gemuese zu verkaufen. Nur wenn er groessere Ernten hatte fuhr er nach Cagayan de Oro um den Grosshandel in Agora zu beliefern.

Einmal besuchte ich ihn auch in seiner Huette und stellte fest dass es am spaeten Nachmittag schon saukalt in seinem Tal war. Seine Huette war nicht sehr gross und dort hatte ich ein besonderes Erlebnis, das ich aber ein anderes Mal erzaehlen werde, da es eine Geschichte fuer sich ist.

Es schien so, als ob Otto die Kurve bekommen haette, doch wie so oft truegte der Schein, aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzaehlt werden soll.

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