Percy 1. Teil

Als wir damals von 1987 im Dezemeber bis 1990 im Januar in San Jose lebten, hatten wir eine Haushaelterin, die kein Jungspund war und schon hoch in den 30ern gewesen war. Meine Frau schaetzte sie sehr, da sie zuverlaessig war und man ihr nicht immer alles sagen musste. Sie hatte zwei Kinder: eine Tochter die noch sehr klein war und eine zweite im Alter von etwa 8 Jahren. Diese zweite Tochter lebte mit ihr bei uns im Haus und sie war ein eher stilles und zurueckhaltendes Maedchen, das ich persoenlich als sehr „pflegeleicht“ angesehen hatte. Percy erledigte einfach alles: sie kochte, wusch, hielt die Wohnung sauber, ging zum einkaufen und vor allem sie war gut beim Vorraete kontrollieren. Ueblicherweise wird ja immer erst gekauft, wenn etwas ausgeht, aber sie kaufte schon vorher all die Dinge nach, die man so taeglich brauchte. Und vor allem war sie ehrlich!  Sie war also eine echte Perle.

Aber und das aber hat mich schon sehr erschreckt, als ich es das erstemal mit erleben musste, wie sie ihre Tochter bestrafte. Sie hatte einige seltsame Methoden der Bestrafung fuer ihre Tochter, die ich persoenlich nicht akzeptieren konnte. Meine Frau warnte sie vor meiner Einstellung und das ich Zuechtigung bei Kindern nicht toleriere und sie versprach ihre Tochter nicht zu verhauen, wenn sie mal Mist baute.

Eines Tages kam ich in die Kueche und in der Ecke kniete die Tochter und weinte zum Gottserbarmen. Percy war nicht da. Ich fragte was los ist und sie oeffnete nur den Mund und der war halb voll mit zerdrueckten Chilischoten. Ich liess sie die Schoten erst einmal ausspucken und gab ihr Brot und Wasser um die Schaerfe zu lindern. Das muss gebrannt haben wie die Hoelle, denn es waren diese kleinen, hoellisch scharfen Chilischoten und nicht die groesseren, die doch wesentlich milder sind. Nach einer Viertelstunde konnte das Maedchen endlich reden und erzaehlte, dass ihre Mutter ihr die Schoten in den Mund geschoben habe zur Bestrafung weil sie eine Tasse zerbrochen hatte. Ich war natuerlich stinksauer und als Percy zurueck kam, las ich ihr die Leviten und machte ihr klar, dass sie sich eine andere Arbeit suchen koenne, wenn das noch einmal vor kaeme. Das arme Maedel konnte bestimmt zwei Wochen nicht richtig schmecken.

Fuer eine Zeit lang ging alles glatt. Eines Nachts gegen elf  Uhr- ich lag schon im Bett –  hoerte ich ein leises Wimmern. Ich lauschte und konnte beim besten Willen nicht sagen, wo es her kam, aber es schien im Haus zu sein. Ich weckte meine Frau und nach einiger Zeit der Anpassung hoerte sie es auch, aber meinte, das sei bestimmt beim Nachbarn. Dem konnte ich nicht zustimmen und ich stand auf und zog mich an, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ich holte mir die Taschenlampe, denn in San Jose gab es damals nur Strom von 6-8 Uhr am Abend. Wir schliefen im ersten Stock und die Treppe war aussen und mir schien es, als ob das Wimmern von unten kaeme. Ich ging also die Treppe runter und versuchte das Wimmern zu lokalisieren, was mir aber nicht gelang. Und so ging ich erst einmal bei den Nachbarhaeusern vorbei und lauschte, hoerte aber nichts. Das Weinen und leise Schluchzen war bei uns vor dem Haus am lautesten. Mittlerweile hatte sich meine Frau auch angezogen und war runter gekommen. Sie hoerte es auch und meinte, das seien bestimmt irgendwelche Geister. „Schmarrn“ winkte ich ab, „es gibt keine Geister.“ Der untere Eingang war eine grosse Tuere, da es mal ein Laden gewesen war, und ich holte den Schluessel. Dann sperrte ich auf und das Weinen wurde lauter. Es war also hier. Es war stockdunkel, und der scharfe  Strahl der Taschenlampe gab nur sehr begrenzte Ausleuchtung. Ich leuchtete in alle Ecken, konnte aber nichts finden. Danach gingen wir in die Kueche und suchten dort alles ab, aber auch hier gab es nichts zu sehen. Neben der Kueche waren zwei kleine Zimmer, in der frueher die Angestellten des Ladens geschlafen hatten, aber die Zimmer waren auch leer. In einem Zimmer hing ein Sack von einem Haken in der Decke, in dem Percy Sachen aufbewahrte, um sie vor Ratten zu schuetzen. Wir wiederholten die Suche aber ebenso erfolglos wie zuvor. Wir hoerten das Wimmern sehr unterdrueckt, aber konnten es nicht lokalisieren. Meine Frau wollte weg, da sie sich nun absolut sicher war, dass es Geister sein muessten. Ploetzlich hatte ich einen „Geistesblitz“ und ich ging zurueck in das Zimmer mit dem Sack. Ich beleuchtete den Sack fuer einige Sekunden und sah dass er sich ganz leicht bewegte. In der Kueche holte ich mir einen Stuhl, ging zurueck ins Zimmer und stieg auf den Stuhl, um den Sack los zu binden. Als ich den Sack oeffnete bot sich mir ein absolutes Bild des Jammers. Drinnen kauerte Lisa, die Tochter von Percy, mit total verweintem und schmutzigen Gesicht. Als wir sie raus geholt hatten, oeffnete sie ihre kleine Faust, die voller zerdrueckter Chilischoten war. Zur Bestrafung hatte ihre Mutter ihr wieder Chilis in den Mund gesteckt und das kleine Maedel im Sack aufgehaengt, wo sie bis in der Fruehe haengen sollte. Sie hatte die Chilis in ihre Hand gespuckt, damit sie die Schoten wieder in den Mund nehmen konnte, wenn die Mutter kam. Mich packte die Wut und ich stuermte nach oben, oeffnete Percy’s Zimmertuere und begann zu bruellen. Ich wollte, dass sie auf der Stelle ihre Sachen packt und verschwindet. Percy weinte und bat um Verzeihung und meine Frau redete auf mich ein, ihr doch noch eine Chance zu geben, und nach langem hin und her stimmte ich zu, machte aber unmissverstaendlich klar, dass ich bei der naechsten Verfehlung durchgreifen werde und mich nicht mehr breit schlagen lasse.

Das Maedel tat mir echt leid. Diese Misshandlungen waren fuer mich jenseits von gut und boese, aber der Mutter sollte noch etwas ganz anderes einfallen, davon will ich dann morgen erzaehlen.

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