Philippinische Familie – hoch gelobt, aber…….

Heute will ich mal ueber die philippinische Familie schreiben und auch mit Beispielen zeigen, was da neben den allgemeinen Erwartungen oft so ablaufen kann. Hier ist ja die Grossfamilie noch ueblich – zumindest auf dem Land – und diese Familie dient in erster Linie auch der Altersversorgung ihrer alten Mitglieder, die nicht mehr arbeiten koennen, da die Pensionen finanziell ja ein echter Witz sind und auch nur dann bezahlt werden, wenn man brav viele Jahre seine SSS bezahlt hat. Zudem ist es zum Beispiel auch ueblich, dass aeltere Geschwister, die bereits im Berufsleben stehen, den juengeren Geschwistern Ausbildung und Studium finanzieren.

Familienmitglieder werden auch im Krankheitsfall umsorgt, die Alten werden in keine Altersheime abgeschoben sondern duerfen bis zum Lebensende im Schutze der Familie bleiben. Dazu kommt, dass man alten Menschen auch noch sehr viel Respekt zeigt und deren Ansichten akzeptiert. Die Familie hat also auf den Philippinen eine viel groessere Bedeutung als soziale Einheit, als wie in vielen „zivilisierten“ und „entwickelten“ Laendern. Das wirkt auf uns Europaeer sicherlich auf den ersten Blick sehr sympathisch.

Aber es laufen nebenher auch manchmal Dinge innerhalb der Familie ab, die wir als „Westler“ nur sehr schwer verstehen koennen. So gibt es sehr haeufig Erbstreitigkeiten, die fuer gewoehnlich beginnen, bevor der Erblasser ueberhaupt verstorben ist, denn die Kinder wollen ihr Erbe fruehzeitig haben. Dass Erben sich streiten ist auch fuer uns nicht ungeweohnlich, aber dass man das Erbe vor der Zeit einfordert eher schon. Zum anderen nutzen viele Familien den OFW Status von Kindern oder engen Verwandten aus. Oftmals werden existierende Jobs aufgegeben, Gelder fuer Geschaeftsgruendungen sinnlos verbraten und allerlei anderer Unsinn mit den Ueberweisungen gemacht. Man ist ja nun mit dem „Auslaender“ in der Familie bestens versorgt. Auch ansonsten gibt es oft sinnlose Streitereien innerhalb der Familien, aber gegenueber Aussenstehenden halten sie dann sofort zusammen und wuerden sogar Meineide schwoeren.

Ich glaube einige Beispiele aus dem Leben geben einen besseren Einblick.  Ich hatte ja schon einmal ueber Ausnutzung von OFWs geschrieben und zwar hier,  (sind insgesamt drei Teile) aber ich kenne natuerlich noch mehr Faelle, moechte mich aber nicht wiederholen.

Einen typischen Fall von Familienzusammenhalt gegen einen „Aussenseiter“ habe ich vor etlichen Jahren erlebt. Wobei ich als der „Aussenseiter“ eigentlich kein richtiger „Aussenseiter“ war. Die Frau meines Schwager (Bruder meiner Frau) hatte, ohne uns ueberhaupt um Erlaubnis zu fragen, einen juengeren Neffen mit auf die Farm nach Bukidnon gebracht. Einige Tage spaeter benoetigte meine Frau dringend etwas von Valencia, und da niemand Zeit hatte, bat sie eben jenen Neffen doch dies und jenes in Valencia zu kaufen. Einige Stunden spaeter kam er wieder und bei der Abrechnung fehlten 250 Pesos. Meine Frau war ziemlich sauer und schiss ihn ordentlich zusammen. Was dazu fuehrte, dass Minda, die Frau meines Schwagers, zum Haus kam und sich auffuehrte wie der „Rotz am Aermel“. Sie schrie herum und meinte, ihr Neffe kann fuer einen Snack ausgeben was er will usw. Ich erlaubte mir zu sagen (in aller Ruhe natuerlich) dass 250 Pesos fuer einen Snack einfach zu viel seien und wenn er schon einen Snack kauft, haette er das ja beim Abrechnen sagen koennen. Nun brach der offene „Krieg“ aus und Minda schrie mich zusammen und fuehrte sich noch schlimmer auf als vorher. Ich ignorierte sie und sagte zu meiner Frau, dass ich den Joseph besuchen gehe und erst zurueck kaeme, wenn sie nicht mehr „buang“ sei. Das fuehrte natuerlich zu noch mehr Toberei.

Am naechsten Tag entschuldigte sie sich bei meiner Frau, aber nicht bei mir. Meine Frau wollte wissen, warum sie sich nicht bei mir entschuldigen wuerde und sie meinte dann nur, dass ich ja „nur“ ein Auslaender sei und da braeuchte man sich nicht zu entschuldigen. Ich habe mit Minda seither kein Wort mehr gesprochen und der Neffe musste am folgenden Tag abreisen.

Dieses Beispiel zeigt, dass man bei etlichen Pinoys aus der Verwandtschaft auch nach was weiss ich nach wieviel Jahren Ehe immer noch nicht repektiert wird. Allerdings ist das nicht unbedingt die Norm, sondern eher die Ausnahme.

Ein weiteres Beispiel habe ich diese Tage erlebt. Vincio  (Hier und hier habe ich bereits von ihm erzaehlt) ist ja schon seit laengerem von Krankheiten geplagt. Begonnen hatte es 2002  im Novemeber mit einem Schlaganfall, der durch seine vorhandene Diabetes noch verstaerkt wurde. Durch die linksseitige Laehmung war er niemals mehr der Alte geworden. Das Geschaeft ging schlechter und schlechter und fast alle alten Freunde meldeten sich nicht mehr bei ihm.Vor ueber einem Jahr bekam er zusaetzlich Elefantiasis und sein linkes Bein schwoll zu einem enormen Umfang an. Geld fuer Krankenhausbehandlung hatte er schon lange nicht mehr. Letzte Woche rief er mich an, dass er dringend Geld zur Aufnahme ins Krankenhaus braeuchte. Wir liessen ihn einliefern und kuemmerten uns um die finanzielle Seite. Vincio stammt urspruenglich von Bohol und wegen seines Erfolges sind auch die Brueder und Schwestern schon in den 70er Jahren nach Gensan gezogen. Drei Brueder und zwei Schwestern leben hier und allen hatte er geholfen gutgehende Geschaefte aufzubauen, damit sie ein besseres Leben haben koennten. Auch ansonsten war Vincio immer hilfsbereit auch Freunden gegenueber.  Als er krank wurde und alles Geld fuer die Aerzte, Krankenhaeuser und Medikamente „drauf“ ging, half ihm nicht eines seiner Geschwister. Auch dieses mal wendeten sie sich ab, als er um Hilfe bat, und das obwohl sich ein jeder Hilfe haette leisten koennen.

Leider ist es oft mit der vielgepriesenen Hilfeleistung innerhalb von Familien gar nicht so weit her, wie man uns glauben machen moechte.

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2 Comments
  • Grundler oder Balamban
    Reply

    Tja, hier sind die Menschen auf der ganzen Welt gleich. Alle vom Stamme nimm und kümmere Dich nicht weiter. Ich kenne auch solche Beispiele in der Familie meiner Süßen. Deshalb haben wir nicht mehr allzu viel Kontakt

  • kaunlaran
    Reply

    Ähnliche Erfahrungen kann wohl jeder berichten.

    Im Frühjahr diesen Jahres hörten wir vom Tod unserer langjährigen maid. Sie hatte uns schon vor einigen Jahren verlassen und eine andere Arbeitsstelle angenommen, aber einige Verwandten wohnen noch immer in unserer Nähe.

    Die maid war ca. 40 und unverheiratet. Sie hatte immer nur gearbeitet und das Geld für die Familie (Fischerboot, -netze, Haus usw.) verwandt. Als sie ernsthaft erkrankte ging sie wieder zurück auf ihre Insel. Der Bürgermeister dort sorgte zunächst für eine Krankenhausbehandlung, die jedoch – da die Krankheit unheilbar war – beendet wurde. Sie mußte dann zurück und wurde bei ihren Verwandten untergebracht. Diese kümmerten sich jedoch praktisch nicht um die Sterbende, die somit ganz allein dahinsiechte und verstarb.
    Selbst Geld für den Sarg gaben die Verwandten (Brüder und Schwestern) nicht; als ihre Schwester noch lebte waren Geldzahlungen dagegen immer willkommen und wurden auch eingefordert.

    Ob es dieses Verhalten eine Ausnahme ist, kann ich nicht beurteilen. Aber man hört und liest derartiges ziemlich häufig.

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