Ponyong – Der Auftrag 4. Teil

Frustriert machte ich mich am naechsten Morgen auf die Rueckfahrt. Das ganze war eine Metzgersfahrt geworden und es haette mich schon interessiert, wie alles zusammenhaengt.

Als ich in Surigao City ankam, war es bereits vier Uhr geworden und das letzte Boot nach San Jose war schon weg. Ich musste also in Surigao uebernachten und checkte ins Tavern Hotel. Damals existierte der Bay Walk noch nicht und das Hotel lag direkt am Meer. Das Restaurant war ueber das Wasser gebaut und auch ohne Aircon sehr luftig und angenehm. Das Essen war damals besser als heute. Zwar in erster Linie chinesich, aber es war wenigstens nicht alles suesslich so wie heute.

Als ich dann am naechsten Tag in San Jose ankam, musste ich feststellen, dass Ponyong nicht zurueck war, obwohl ich ja drei Tage weg gewesen bin. Ich hatte es aber auch nicht anders erwartet. Zuerst ging ich also nach Hause, aber meine Frau war nicht da. Nachdem ich meine Sachen im Schlafzimmer abgelegt hatte und mir niemand sagen konnte, wo meine Frau sei, ging ich also zur Polizei, um mich dort nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Im Buero vom Chef fand ich dann auch meine Frau, die auch nachfragen gekommen war. Ebenso wie ich wollte sie wissen, ob er Polizeichef irgendeine Nachricht von Ponyong hatte. Nun die hatte er nicht, aber meine Anzeige, die nun auch von meiner Frau unterstuetzt wurde, wollte er nach wie vor noch nicht aufnehmen. Er bat weitere 24 Stunden zu warten. Wir stimmten zu, obwohl es uns gar nicht passte, aber ich machte unmissverstaendlich klar, dass morgen nachmittag um 4 Uhr der Zug abgefahren sei und wir uns nicht mehr vertroesten liessen.

Es kam wie erwartet und auch am naechsten Tag kam Ponyong nicht zurueck. Auf der Polizei war auch keine Nachricht und der Chef nahm nun unsere Anzeige auf, alles wurde ordentlich im Police Blotter eingetragen. Die Angelegenheit wuerde dann am Montag an die Staatsanwalt weiter geleitet werden sobald die Zeugen ihre Aussagen gemacht hatten. Das geschah am naechsten Tag und nun harrten wir der Dinge, die da kommen oder nicht kommen sollten.

Meine Frau war weiterhin nicht gewillt mir den Grund fuer Ponyongs Anwesenheit und Absichten auf Dinagat offen zu legen. Sie war der Meinung, dass er das selbst machen sollte und dass sie darauf bestehen wuerde, dass er mir alles erzaehlt, wenn er zurueck ist. „Ja“ sagte ich, „das ist ja alles schoen und gut, aber wenn er nie zurueck kommt, werde ich auch nie erfahren, was los war. „Ich werde dir alles erzaehlen, wenn er wirklich nicht kommt, was ich aber nicht glaube,“ antwortete sie mir.

Die Wochen vergingen und laengst war die alte Routine wieder eingekehrt. Zwischenzeitlich mussten wir zusammen mit den Zeugen nach Surigao City fahren, um vor dem Staatsanwalt unsere Aussagen zu beschwoeren, damit ein Haftbefehl gegen Ponyong ausgestellt werden konnte. Fuenf Wochen spaeter wurde tatsaechlich ein Haftbefehl ausgestellt und die zustaendige Militaerbehoerde verstaendigt. Dort erfuhr der Fiscal dann, dass Ponyong unterwegs mit einem wichtigen Auftrag waere und wohl erst in weiteren zwei Monaten zurueck kaeme. Gemaess Ponyong Vorgesetzten  wuerde sich dieser dann bei der Staatsanwaltschaft in Surigao City melden.

Nun ja, daran glaubte ich ehrlich gesagt nicht so recht. Auch wenn die Kommunikationsmoeglichkeiten um ein vielfaches schlechter waren damals, haette doch eine kurze Nachricht gereicht, damit wir wussten was ablaeuft.

Drei Wochen spaeter wachte ich mitten in der Nacht auf. (Das kenne ich doch schon, oder?) Dieses Mal hatten wir keine Guards und ich lauschte angestrengt, ob ich den Grund meines ploetzlichen Aufwachen feststellen konnte. Ich hoerte etwas vor der Tuere, aber die war aus massivem Holz und mit einem grossen Balken gesichert, so dass hier wohl keiner rein kommt. Dann hoerte ich leise Schritte und ich schnappte mir den Baseballschlaeger, der sich hervorragend eignet, jemanden eins auf die Nuss zu geben. Unter unserem Schlafzimmerfenster hoerte ich dann Fluestern und eine leise Stimme „rief“: „Inday!“ Das wiederholte sich drei oder viermal und meine Frau wachte auf.  Sie war erstaunt, dass ich wach war. Ich legte meinen Finger auf den Mund um sie zum Schweigen veranlassen und fluessterte, dass draussen jemand sei.  Sie lauschte und da kam wieder der leise Ruf: „Inday!“ „Ich glaube das ist Ponyong“ wisperte sie. „Ich mach aber nicht auf,“ fluesterte ich zurueck. „Was will der Arsch denn um vier morgens. Beim letztenmal hatte er sogar eine Knarre dabei. Warum sollte das dieses Mal anders sein.“

Ich ging zur Haustuere und rief ganz laut: „Fuck off you Asshole! Ich habe eine Waffe und werde mich nicht scheuen, sie auch zu benutzen.“

Es herrschte Schweigen draussen und dann kam die Stimme von Ponyong, dass er unbedingt mit uns reden muesse. „Ja“ rief ich, „aber erst in der Frueh bei Tageslicht und in Gegenwart der Polizei. Dir traue ich nicht mehr ueber den Weg.“

Draussen wurde nun wieder gefluesstert, was ich diesmal ganz deulich hoerte – womit bewiesen waere, dass Ponyong nicht alleine war – und dann kam eine seine Stimme, etwas lauter: „Ok, wir kommen gegen acht Uhr wieder.“

Danach hoerten wir, dass sich mindestens zwei Personen wieder entfernten.  Nun, einmal mehr waren wir um unseren Schlaf gekommen. Ich schaute auf die Uhr, sah dass es vier Uhr morgens war und ging in die Kueche um Wasser fuer Kaffee aufzusetzen. Meine Frau kam auch und wir machten uns zusammen einen Kaffee und assen einige Marmeladentoasts dazu. Wir unterhielten uns dann ueber Ponyongs erneuten „Mitten-in-der-Nacht-Besuch“.

Um sieben Uhr war ich dann schon gestiefelt und gespornt und ging zur Polizei. Als ich dort mit dem Chef sprach – der musste natuerlich erst gerufen werden, denn so frueh war der nicht im Dienst – meinte er, dass er mir doch sagte, dass Ponyong wieder kaeme. „Ja aber mit  drei Monaten Verspaetung  und wieder mitten in der Nacht,“ entgegnete ich ihm.

Dann sagte ich ihm, dass ich zwei Leute wollte, die zugegen sein sollten, wenn Ponyong mit uns reden wuerde. Der Chef stimmte zu, erteilte zwei Mitarbeitern den Auftrag mit uns zu gehen und gab ihnen den Haftbefehl mit.

Zusammen gingen wir dann zu unserem Haus und kamen kurz vor acht Uhr dort an.

Fortsetzung folgt

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