Ponyong – Der Auftrag 5. Teil

Wir waren etwa 20 Minuten zu Hause als Ponyong zusammen mit einem anderen etwas juengeren Filipino bei uns ankam. E r stellte den juengeren Mann als „Jun“ vor und meinte, dass dessen Gegenwart sehr wichtig sei. Ich fragte Ponyong nach seiner Waffe und bat ihn diese bis zum Verlassen des Hauses den beiden Polizisten zu uebergeben, was er auch ohne Widerspruch machte.

Dann begann er zu erzaehlen und kam auch gleich zur Sache: „Es ist ja allgemein hier bekannt, dass ich auch Auftraege annehme, wenn es darum geht, jemanden zu „entfernen“.

„Was meinst du mit „entfernen,“ fragte ich und er bat mich ihn erst einmal alles erzaehlen zu lassen und dann zu fragen. Also legte ich mit Papier und Kuli zurecht, da ich ja  am Ende nichts vergessen wollte.

Er begann nochmal und fuegte hinzu: „Vor etwa sechs Monaten bekam ich den Auftrag dich aus dem Verkehr zu ziehen,“ erzaehlte er, „und ich nahm diesen Auftrag unter meinen ueblichen Bedingungen an. Ich „entferne“ niemanden, der das „Entfernen“ nicht verdient und deswegen recherchiere ich sorgfaeltig, aber in deinem Fall habe ich den Fehler gemacht, nicht genug auf die Familie zu achten, in die du eingeheiratet hattest, denn dann haette sich die Angelegenheit sofort erledigt. Bei Verwandten mache ich das grundsaetzlich nicht! Aber wie schon gesagt, hatte ich da echt geschlafen. Ich kam also nach Dinagat um dich zu beobachten, auch um heraus zu finden, ob es bestmmte Regeln in deinem Leben gaebe, die mir das Entfernen leichter machen wuerde ,aber ausser deinem Streit mit Jesus in Dona Helene (darueber werde ich spaeter mal erzaehlen) gab es nichts was ein „Entfernen“ rechtfertigen wuerde. Ausserdem hatte Jesus diesen Streit ja provoziert.“

Ich wollte ihn unterbrechen: „Aber….“

Er winkte ab und erzaehlte weiter: „Der Auftrag kam von namhaften Leuten hier auf der Insel und man wollte dich aus dem Geschaeft haben. Deine geschaeftliche Konkurrenz war auf Grund deiner allgemeinen Beliebtheit bei den Minern unerwuenscht. Ich haette den Auftrag also nicht durchgefuehrt und in jener Nacht, in der ich zu deinem Haus kam, musste ich dringend weg und wollte vorher mit dir sprechen, um dir zu sagen, was abgeht und eben auch, dass ich den Auftrag nicht durchfuehren werde, aber dass nach mir andere kommen duerften. Ich wollte dich also warnen. Bedauerlichweise hattest du natuerlich durch die versuchten Konfrontationen eine vorgefasste Meinung ueber mich und haettest mir wahrscheinlich kein Wort geglaubt, was ich auch verstehen kann. Als ich dann mit bekam, dass du mit meiner Cousine verheiratet bist, musste ich unbedingt los um mit den Auftraggebern zu sprechen und ihnen klar zu machen, sollten sie jemand anderes beauftragen, dann wuerde ich mich persoenlich um sie kuemmern. Das sollte dir eigentlich fuer einige Zeit zumindest den Ruecken frei halten, denn man respektiert mich hier.“

Hier musste ich den Kopf schuetteln, denn einen „respektierten Auftragsmoerder“ hatte ich noch nie gesehen und konnte ich mir auch gar nicht vorstellen.

„Wer waren denn die Auftraggeber?“ fragte ich und er antwortete: „Das kann ich dir in Gegenwart der beiden Herren leider nicht sagen.“

Ich schickte die beiden Polizisten in den Garten und Ponyong erzaehlte mir, dass es sich um den momentanen Gouverneur und einen Mayor handeln wuerde. Damit war mir natuerlich voellig klar, wer da hinter mir her war.

„Und welche Rolle spielt Jun dabei?“ kam meine naechste Frage.

„Jun wird hier bleiben und als dein Bodyguard auftreten. Es ist bekannt, dass er mit mir assoziiert ist und man wird dich bei seiner Gegenwart wohl eher in Ruhe lassen.“ Ponyong erzaehlte weiter: „Du solltest wissen, dass sich gewisse Herren auf dieser Insel schon in der Vergangenheit ihrer Konkurrenz – gleich welcher Art – auf diese Art entledigt hatten. Nun war ihre normale Kontaktperson schon laenger nicht hier gewesen, da er bei mir auf der Liste steht – nicht als Auftrag, sondern aus persoenlichen Gruenden – und er deswegen auch in Zukunft nicht mehr fuer die „Honoren“ dieser Insel arbeiten kann. Denn wenn ich Cesar erwische, dann ist er ganz schnell weg vom Fenster.“

„Was Cesar ist ein Auftragsmoerder?“ fragte ich erstaunt. Ich hatte Cesar vor zwei Jahren in meinen Anfaengen hier kennen gelernt und er war ein netter und sympatischer Mensch. Nicht jedem steht der Gauner halt im Gesicht geschrieben. Zur Ergaenzung hier muss ich sagen, dass Cesar in der Tat nie mehr nach Dinagat kam und etwa ein Jahr spaeter auf Leyte erschossen worden war. Leyte war die Heimatprovinz der Mutter meiner Frau und Ponyong war dort geboren.

Ponyong warnte mich nochmal eindruecklich sehr gut aufzupassen und hatte ein laengeres Gespraech mit Jun, in dem er ihm auch unser Wohlergehen an Herz legte. Er sprach dann noch einige Zeit mit Inday und ich verstand nur sehr wenig, aber es ging wohl um die Anzeige. Danach verabschiedete er sich um noch anzukuendigen, dass er oefter auf Besuch kommen wuerde, damit die Auftraggeber sehen konnten, dass seine Warnung an sie sehr ernst gemeint war.

Wir gingen dann alle zusammen zur Polizei, wo ein „Affidavit of Desistance“ gemacht wurde, damit der Haftbefehl aufgehoben werden konnte.

Ich muss dazu noch erwaehnen, dass der damalige Gouerneur in der Tat versuchte mich nach Ponyongs Drohung deportiert zu bekommen, aber da kam er nicht sehr weit bei der Immigration, da ich mir ja nichts zu schulden hatte kommen lassen. Ein Beamter der Immigration erzaehlte mir das, als ich Mitte 1989 endlich mein ICR (Immigrants Certificate of Residence) in Manila abholen konnte.

An jenem Tag unterhielt ich mich noch sehr lange mit Inday, weil ich einfach nicht verstand, wie ein Auftragsmoerder bei der Polizei bekannt sein kann und trotzdem nicht nur weiter auf freiem Fuss sein durfte, sondern sogar weiterhin seinem „morbiden Gewerbe“ nachgehen konnte. Das ist mir uebrigens auch heute noch unverstaendlich. Da haben mit 23 Jahre des „Eingewoehnens“ nicht geholfen.

The End

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