Ponyong – Der Auftrag 1. Teil

Es war im September 1988 gewesen, als mir ein Mann auffiel, der mir zu folgen schien. Damals waren wir heftig im Chromerzbergbau aktiv und hatten 14 Plaetze auf Dinagat Island, an denen wir von eigenen sowie freien Bergleuten, das Erz kauften, lagerten und bei entsprechenden Mengen nach Cagayan de Oro an Horizon Trading lieferten, die das Erz dann exportierten. Das erste Mal machte mich Gorio in San Pablo auf den Mann aufmerksam, mir war er damals noch nicht aufgefallen. Ich dachte mir nur, dass wird wohl ein Beauftragter eines Konkurrenten sein, der sich nach neuen Plaetzen zum Erz einkaufen umschaut. Beauftragt war er schon, aber auf eine ganz andere Art und Weise, als ich es mir vorstellen konnte. Aber ich will der Geschichte hier ja nicht vorgreifen…..

Als Gorio mich auf den Mann aufmerksam gemacht hatte, schaute ich mir den Typen etwas genauer an. Er war etwa 1.65 Meter gross, sehr muskuloes und staemmig und etwa 33 Jahre alt. Er hatte sehr kurze Haare und machte einen disziplinierten und organisierten Eindruck, wie er auf dem Tisch in der Carenderia mit seinem Papieren umging und sich eben Notizen machte. Ich kuemmerte mch nicht weiter darum und machte die Auflistungen des Wiegens der Erzsaecke fertig und Gorio gab mir auch seine Prognose fuer die folgende Woche. Eine neue „Washing Area“ fuer sandiges Chromerz war eroeffnet worden, und wir erhofften uns davon eine Produktionsteigerung von etwa 60% in San Pablo. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann los nach Magsaysay, wo ich mich mit Tata treffen wollte, der dort den Abbau und die Produktion ueberwachte. In Magsaysay angekommen machte ich mich auf den knapp einstuendigen Fussweg nach Kahayag, wo unsere Waschanlage war. Dort traf ich auch Tata und sah, dass die Produktion dieses sehr hochwertigen Erzes (48%) dort in vollem Gange war und er erzaehlte, dass sie naechste Woche beginnen wuerden, das Erz nach Magsaysay zu  bringen und ich dafuer sorgen sollte, dass genug Geld da sei, um die Leute mit ihren Carabaos zu bezahlen. An diesem Tag schlief ich in Kahayag, da es fuer den Rueckweg zu spaet geworden war.

Am naechsten Morgen wanderte ich mit meinen beiden Begleitern nach Magsaysay zurueck und dort kehrten wir in die einzige Carenderia am Ort ein. Zu meinem Erstaunen sah ich den gleichen Mann wieder, den ich schon in San Pablo gesehen hatte. Er war wieder mit seinen Papieren zugange und machte sich Notizen.

Nach dem Fruehstueck machten wir uns auf den Weg zurueck nach San Jose. Dort angekommen erzaehlte ich meiner Frau von „meinem Schatten“ und sie teilte meine Meinung, dass es wohl Konkurrenz waere.

Am naechsten Tag kontrollierte ich die Produktion in Dona Helene und Nazareth, aber den Mann hatte ich an beiden Orten nicht gesehen.

Da es nun Wochenende geworden war, planten wir fuer den Sonntag einen Ausflug zum Lalaking Bukid – der „Maennerberg“ – einer der Melgar Bay vorgelagerten Insel mit fantastischen weissen Straenden und sehr schoenen Ecken zum Schnorcheln. Wir hatten viel Spass am Sonntag und der Tag verging wie im Flug.

Fuer den Montag war ein Trip nach Bel-at geplant, wo wir das neue Erz von Bel-at Gagmay besichtigen wollten. Der Operator unseres Service Pumpbootes bereitete alles von und wir luden noch 10 Saecke Reis ins Boot, als ich ploetzlich den komischen Typen wieder sah. Er stand vor dem Stevedoring Office und unterhielt sich mit einem der Ecleos, denen die Stevedoring Firma gehoerte. So langsam kam mir der Mann schon komisch vor. Wir fuhren ab und 6 Stunden spaeter kamen wir in Bel-at an. Der Reis wurde entladen und wir gingen zu unserer Huette, die wir dort gebaut hatten und in der mein Schwager lebte. Dem erzaehlte ich natuerlich auch von dem Mann, aber er hatte ausser Konkurrenz auch keine bessere Idee.

Am naechsten Tag ging ich mit meinem Schwager nach Bel-at Gagmay um dort die Produktion zu sehen und den Transport zum Meer in die Wege zu leiten, da wir ja noch unbedingt vor Beginn des Amihan (Nordostmonsun) laden mussten, denn in Bel-at kann waehrend der Zeit des Nordostmonsuns kein Erz geladen werden. Der Pier, der etwa 300 Meter ins Meer ragte, wurde immer schon in den ersten Tagen des Monsuns zerstoert, denn die Wellen, die vom offenen Pazifik kamen waren nicht ohne. Alles was bis zum Monsunanfang nicht geladen war, musste bis zum naechsten Jahr warten.

Die Qualitaet des Erzes dort gehoerte zu den besten der Welt mit einer Chrom Konzentration von 62-66%, also am Maximum dessen, was man finden kann. Es lief alles sehr gut und etwa 600 Tonnen warteten darauf zum Meer transportiert zu werden. Das wird alles von Leuten auf dem Ruecken getragen und ein Sack Erz kostete 40 Pesos. Das wahr sehr hoch, da es ja immerhin 4 Kilometer waren und der Weg zum Teil sehr gefaehrlich war.

Als wir zurueck nach Bel-at kamen, sah ich den Mann erneut und machte meinen Schwager drauf aufmerksam. Als er sah, dass mein Schwager schaute, verdrueckte er sich ganz schnell um die Ecke eines Hauses. Ich fragte meinen Schwager, ob er den schon mal gesehen haette und er meinte nur, dass er ihn ja nur ganz kurz aus der Entfernung gesehen haette, aber dass er ihm sehr bekannt vorkaeme. Aber er kam nicht drauf, wer das gewesen sein koennte.

An diesem Nachmittag liefen wir ziemlich viel herum, da wir hofften den Mann zu sehen und mein Schwager ihn vielleicht identifizieren koennte, aber wir sahen ihn nirgendwo. Wir fragten nach ihm herum, aber das brachte uns leider auch nicht weiter.

Auch waehrend der naechsten Tage dort in Bel-at konnten wir ihn nicht erblicken, obwohl wir immer sehr gut aufpassten. Einige Male gab es falschen Alarm, aber es war dann eben doch nicht der besagte Typ.

Als wir am Freitag nach San Jose zurueckfuhren, erzaehlte ich alles meiner Frau und sie meinte, es waere wohl besser, wenn ich in den naechsten Tagen und Wochen den Pedro mitnehmen wuerde. Pedro war ein Body Guard mit abgesaegter Schrotflinte, der fuer den Onkel meiner Frau arbeitete. Ich stimmte zu und danach planten wir unser Wochenende, aber die ganze Zeit ging uns der „unheimliche Fremde“ nicht aus dem Sinn.

Wer war der Unbekannte?

Fortsetzung folgt

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