Ponyong in Bel-at 1. Teil

Sicher erinnert ihr euch alle noch an Ponyong aus der Geschichte „Der Auftrag“. Damals war er ja sozusagen eine Art „Gegner“, der mich um die Ecke bringen sollte. Spaeter nahm er sich oft frei vom Militaer, was bei seinem Job einfach mit einer „Mission Order“ abgedeckt wurde, um sich bei uns ein Zubrot zu verdienen.

Im Februar 1988 waren drei Negritos, die man in Surigao als Kongking bezeichnete,  mit Chromerzproben von Bel-at gekommen und hatten sie zum analysieren da gelassen. Als ich zwei Wochen spaeter das Ergebnis der Analyse bekam, dachte ich mich trifft der Schlag. Solches Erz sollte es eigentlich gar nicht geben. Mit 62-66% Chromgehalt, duerfte es das beste Erz der Welt sein. Wir machten also einen Trip nach Bel-at zusammen mit den Negritos um uns alles anzusehen. Das war zu dieser Jahreszeit nicht einfach, denn der Nordostmonsun blies, und es war unmoeglich mit dem Boot hinzufahren. Wir fuhren also nur bis Loreto und von dort aus war eine achtstuendige Wanderung nach Bel-at angesagt. Zwischen Loreto und Bel-at lag der Mount Redondo, der hoechste Berg von Dinagat. Wir uebernachteten in Esperanza bei einem Verwandten meiner Frau.

Die Wanderung am naechsten Tag war sehr anstrengend und der Pfad teilweise lebensgefaehrlich. Es ging an etlichen steilen und tiefen Abgruenden vorbei, was bei einer Pfadbreite von 40-50 Zentimetern nicht unbedingt angenehm war. Die Erzlager waren an den oestlichen Haengen des Mount Redondo auf halber Hoehe. Wir besichtigten alles, nahmen weitere Proben und wanderten dann zum Ufer des Meeres. Dort war alles Felskueste und selbst in der Bucht von Bel-at, das es damals als Dorf gar nicht gab denn es gab nur eine Huette der Negritos, donnerten die Wellen gegen die Felsen. Rechts und links von der Bucht war eine 30-50 Meter hohe Steilkueste.

Wir uebernachteten bei den Negritos und machten uns am naechsten Morgen auf den Heimweg. Acht Stunden spaeter waren wir in Loreto und fuhren mit dem Boot zurueck und kamen abends gegen zehn Uhr in San Jose an.

Auch die von mir selbst gesammelten Proben zeigten die gleichen Resultate und wir fuhren darauf hin nach Surigao City um im dortigen Bureau of Mines ein Small Scale Mining Permit zu beantragen. Das wurde auch innerhalb von zwei Wochen genehmigt. (war sehr viel unbuerokratischer als heute)

Nach der Genehmigung hatten wir innerhalb kuerzester Zeit genug Leute zusammen um mit dem Abbau zu beginnen. Es dauerte auch gar nicht lange und die anderen Chromaufkaeufer bekamen das mit und brachten auch ihre Leute nach Bel-at. Wir hatten dort unsere 16 Hektar sorgfaeltig abgesteckt, aber es gab auch jede Menge Erz ausserhalb, wenn es auch mit 58% geringfuegig niedriger im Chromgehalt lag, aber trotzdem als aeusserst hochwertig anzusehen war.

Im Verlaufe des Sommers 1988 verschifften wir 5 LCTs mit hochwertigem Erz und verdienten sehr gutes Geld. Wir kauften zwei LKWs und einen Payloader um in Donna Helene den Abbau und Transport zu mechanisieren. In Bel-at war daran nicht zu denken, denn es gab ja keine befahrbaren Strassen. Da wurde alles getragen.

Im Januar 1989 kam Ponyong nach San Jose und hatte mal wieder viel Zeit zur Verfuegung. Sein Freund Jun war immer noch bei uns als Bodyguard und begleitete mich auf fast all meinen Trips. Und so entschlossen wir uns Ponyong die Aufsicht in Bel-at zu uebertragen. Er war Feuer und Flamme und meinte nur, dass er alle drei Monate mal nach Ozamis City muesste, um dort seine MO (Mission Order) zu erneuern.

Und so fuhren wir beim naechsten Mal zusammen nach Bel-at. Dort gab es einige Probleme mit Chromerz Dieben, und die wollten wir loesen. Die Wanderung nach Bel-at war fuer Ponyong kein Problem und er bewegte sich sicher an den gefaehrlichen Stellen der Pfade.

In Bel-at hatten wir eine Huette aus jungen Baeumen gebaut (auf den Philippinen round post genannt) und auch der Boden war aus ungezimmerten runden Pfosten und nur die ueblichen Matten lagen darauf zum schlafen. Das war natuerlich sehr unbequem und am naechsten Morgen fuehlte man sich wie geraedert. Aber etwas Rum mit Cola machte das Einschlafen auch auf diesem Untergrund moeglich.

Am morgen sprachen wir mit Alex meinem Schwager, der die Lieferscheine ausstellte und das ganze dort ueberwachte. Ponyongs Job war dabei nur zu helfen, aber ansonsten eben den Sicherheitsaspekt in die Hand zu nehmen. Natuerlich hatte er seine vom Militaer zur Verfuegung gestellte M16 dabei und machte damit auch Eindruck. Als wir die verschiedenen Leute wegen der Diebstaehle befragten, gab es zwar keine unmittelbaren Ergebnisse, aber die Befragten zeigten Furcht. Alle waren ja von der Insel und Ponyong hatte einen „gewissen Ruf“ dort und so genoss man ihn mit Vorsicht, denn er sparte auch nicht mit Drohungen. Nach den „Interviews“ meinte Ponyong, dass wir nun etwa 2-3 Tage warten muessten und dann wuerden die ersten „schwach“ werden und reden, denn selbstverstaendlich setzte er die „uebelsten Geruechte“ in die Welt, was er alles mit den Dieben und allen die sie deckten, machen wuerde.

In der Tat, es dauerte noch nicht mal zwei Tage, kam einer der Arbeiter auf Ponyong zu und hatte eine laengere Unterredug mit ihm. Dabei nannte er die Diebe beim Namen. Es handelte sich um Angestellte des damaligen Buergermeisters von Loreto, die das gestolene Erz als Lieferungen verbuchten und damit die Bezahlung fuer das Erz kassierten. Wir nahmen uns vor auf dem Rueckweg mit dem Buergermeister zu sprechen.

Am naechsten Tag wanderte ich mit Ramon , unserem Pumpboat Operator nach Loreto und Ponyong begleitete uns. Wir uebernachteten in Esparanza um am naechsten Morgen mit dem Buergermeister zu sprechen. Als wir unsere Geschichte vorgetragen hatten, wurde der Buergermeister richtig boese und schrie insbesondere mich an, dass seine Leute so etwas nie tun wuerden, und was ich „Scheissauslaender“ mir raus nehmen wuerde unschuldige Filipinos zu beschuldigen. Ich solle mich doch gefaelligst wieder nach Deutschland scheren und er werde sich drum kuemmern, dass ich deportiert werden wuerde. Das war mein erster Zusammenstoss mit dem dem Buergermeister, dem noch etliche folgen sollten. Der Geschaeftsneid hatte zugeschlagen, da er natuerlich nur wenige Wochen nach uns auch begann dort Erz aufzukaufen. Zum Glueck konnte er keine Geschaeftserlaubnis entziehen, da Small Scale Mining unter dem Bureau of Mines war und die Towns damit nichts zu tun hatten. Das aenderte sich erst, als der „Local Government Code“ in Kraft trat.

Fortsetzung folgt

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