Ponyong in Bel-at 2. Teil

Am naechsten Morgen verabschiedete ich mich von Ponyong, der nach Bel-at zurueck gehen wuerde um dort seine Arbeit zu machen, und ich fuhr mit Ramon nach San Jose. Dort angekommen erzaehlte ich meiner Frau vom Verhalten des Buergermeisters, und sie meinte nur, dass auch er, wie alle anderen, die schlechtes im Leben machen, eines Tages bezahlen muesse.

Eine Woche spaeter fuhr ich zurueck nach Loreto und wanderte mit Ramon nach Bel-at. Ich war noch keine zehn Minuten dort, da wurde ich vom Polizeichef von Loreto in unserer Huette abgeholt. Auf meine Frage, was das solle, meinte er, dass der „Mayor“ hier sei und mit mir reden wollte. Ich forderte Ponyong auf mich zu begleiten. Der schnappte sich seine M16 und wollte mitkommen, was wiederum der Polizeichef untersagen wollte. Ich meinte, dass ich nicht mitgehen wuerde ohne Ponyong und angesichts der M16 hatte der Chef wohl kaum eine Wahl.

Als ich in der sehr grossen Huette des Buergermeisters ankam, forderte der Buergermeister mich in einem sehr unfreundlichen Ton auf mich zu setzen. Ich bedankte mich und meinte, dass ich lieber stehen wuerde.

„Lass dir mal eines von mir klar sagen, es passt den Leuten hier ueberhaupt nicht, dass ein Auslaender das grosse Geschaeft macht und die Filipinos leer ausgehen. Ich erwarte daher von dir, dass du umgehend das Small Scale Mining Permit mir ueberschreibst und dann Bel-at verlaesst. Solltest du das nicht tun, werde ich dir das Leben zur Hoelle machen. Deportation ist nur das kleinste Problem, das ich dir bereiten kann“ Der Buergermeister hatte fast schon eine kurze Rede gehalten.

„Nein Sir,“ antwortete ich, „das werde ich ganz bestimmt nicht tun. Nicht nur weil wir viel Geld investiert haben, sondern weil ich mit unseren Arbeitern sehr gut auskomme und das Projekt nicht mir, sondern meiner Frau gehoert, die ja Filipina ist. Als Ehemann helfe ich natuerlich tatkraeftig mit und habe dafuer auch eine Arbeitserlaubnis der DOLE (Department of Labor and Employment).“

Der Buergermeister liess nun eine Hass- und Schimpftirade los vom allerfeinsten. Ich schaute ihn unbeirrt an und erschien voellig gleichgueltig, obwohl ich innerlich kochte in Anbetracht der massiven Beleidigungen. Als er mit der Schreierei fertig war, schaute ich ihn mitleidig und herablassend an und erweckte eine neue Tirade, die sich auf meinen mitleidigen und veraechtlichen Blick konzentrierte. Der Mayor hat bestimmt eine Viertelstunde herum gebloekt, bevor er mich „gnaedigst“ gehen liess. Die ganze Zeit stand Ponyond wie versteinert da, aber auch er kochte innerlich.

Wir gingen zurueck zu unserer Huette und Ponyong meinte, dass schon heute nacht etwas passieren wuerden.

Gegen sieben Uhr abends kam ein Angestellter vom Buergermeister in Begleitung des Polizeichefs mit einer Mappe zu uns. Darin waren bereits vorbereitet die Papiere zur Abtretung der Mine und die sollte ich nun unterschreiben. Natuerlich weigerte ich mich und wurde dafuer bedroht, aber ich folgte der Aufforderung nicht, mit zum Mayor zu kommen. Als der Polizeichef demonstrativ an seine Pistole am Holster klopfte, machte Ponyong das gleiche mit seiner M16. Die beiden zogen dann unverrichteter Dinge wieder ab.

Wir konnten alle nicht besonders schlafen, obwohl wir wussten, dass Ponyong Wache hielt. Und richtig, gegen drei morgens hoerten wir etwas Laerm, Gekeuche und eine Minute spaeter schleppte Ponyong einen Typen rein, der einen Kanister trug. Ich oeffnete den Kanister und drin war Benzin. Damit war wohl allen klar, was der Typ vor hatte. Ponyong verhoerte ihn und das ging nicht ohne Ohrfeigen ab, bis er gestand vom Buergermeister beauftragt zu sein uns die Bude abzufackeln.

Wir berieten uns kurz und entschlossen uns um fuenf Uhr nach Loreto zu laufen mit dem Typen und ihm diese Aussage beim Notar unterschreiben zu lassen.

Ponyong verpasste dem Typen Plastikfesseln und beim ersten Licht des Tagesanbruches zogen wir los. In Loreto erzaehlte der Mann dann alles haargenau dem Notar, der es mitschrieb und dann abtippen liess. Der Typ unterschrieb, der Notar knallte sein Siegel drauf und wir waren fertig. Das kostete damals 100 Pesos.

Am naechsten Morgen liefen wir ohne den Typen zurueck nach Bel-at – den hatten wir vorher bei der Polizei abgeliefert, wo er zweifelsohne nicht sehr lange gewesen sein duerfte – und als wir dort ankamen, nahm ich den Kanister und ging zusammen mit Ponyong zum Mayor. Dort legte ich ihm einen Durchschlag der eidesstattlichen Versicherung wortlos auf den Tisch und stellte den Benzinkanister daneben. Der Mayor schaute verduzt, aber wir drehten uns einfach um und gingen. Er rief uns noch hinterher, was das wohl solle, aber wir gingen schweigend davon. In dieser Nacht war alles friedlich und auch in den naechsten Naechten sollte es so bleiben.

Einige Tage spaeter erzaehlte mir mein Schwager Alex, dass der Polizeichef ihm gegenueber erwaehnte,  ich solle kraeftigst verpruegelt werden  und es deswegen wohl besser waere, wenn ich Bel-at verlassen wuerde. Das hatte ich aber nicht vor. Ponyong seinerseits suchte nun den Chef auf und redete mit ihm in einer Sprache, die der wohl besser verstand, denn er versicherte Ponyong, dass er nichts mehr gegen mich unternehmen wuerde. Einige Tage spaeter verliess ich Bel-at um nach San Jose zu fahren und Geld zu besorgen. Mit Ponyong, der mich wie immer nach Loreto begleitet hatte, machte ich aus, dass ich ihm Nachricht schicken wuerde, damit er mich in Loreto abholen koenne, wenn ich zurueck kaeme.

Von San Jose aus fuhren fast jeden Tag Boote nach Loreto, da viele Menschen dort arbeiteten, da man durch Mining und die Schlepperei bis zu 400 Pesos pro Tag verdienen konnte, was damals sehr viel Geld war. Mit einem dieser Boote schickte ich eine Nachricht an Ponyong, dass wir uebermorgen kaemen.

Als wir dann zwei Tage spaeter in Loreto ankamen, war er auch dort. Ramon blieb in Loreto und wir wanderten los und nach etwa einer Stunde begann es leicht zu regnen. Zwei Stunden spaeter liefen wir auf dem gefaehrlichsten Stueck des Pfades. Rechts war eine Felswand und links ging es senkrecht etwa 100 Meter hinunter in eine Schlucht, in der ein Fluss war. An den engsten Stellen gingen wir seitwaerts mit dem Ruecken gegen die Wand gepresst und hielten uns selbst an kleinsten Vorspruengen fest. Ponyong ging voraus, ich folgte mit etwa zwei Meter Abstand.

Ploetzlich glitt Ponyong aus und rutschte ueber die Kante. Ich sprang vor und versuchte ihn zu fassen, aber er verschwand und fiel in in die Schlucht.

Fortsetzung folgt

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