Ponyong in Bel-at 3. Teil

Ich bekam wohl den Schreck meines Lebens als Ponyong ueber die Kante des Pfades rutschte und in die Tiefe  fiel. Sein Schrei gellt heute noch in meinen Ohren, wenn ich daran denke.

Vorsichtig liess ich mich auf die Knie nieder, und schaute hinunter in die Schlucht. Etwa zehn Meter unter mir wuchs ein knorriger kurzer etwa zwei Meter grosser Baum, der an der Spitze abgebrochen war. Die Schlaufe von Ponyongs Umhaengetasche hatte sich dort verfangen und beide Arme fest um die Tasche gepresst hing Ponyong ueber dem Abgrund. Eine falsche Bewegung konnte die Schlaufe zum abrutschen bringen.

„Bist du ok?“ rief ich hinunter.

„Ja soweit schon, aber ich weiss nicht wie lange ich mich halten kann“ kam es zurueck.

„Versuche die Riemen der Tasche unter deine Achseln zu bringen, dann bekommst du die Haende frei,“ riet ich ihm.

Ponyong begann sich vorsichtig zu bewegen und hielt sich nur mit einem Arm fest. In kurzer Zeit war der Riemen unter der einen Achsel und nun wiederholte er das mit dem anderen Arm. Als er fertig war hatte er ein anderes Dilemma, denn die Tasche presste gegen sein Kinn. Er drehte sich ein wenig und hatte in Kuerze die Tasche vor der Schulter und etwas mehr Bewegungsfreiheit.

„Jetzt versuch mal ob du den Riemen mit einer Hand bis zur Astgabel verschieben kannst,“ rief ich hinunter. Er hielt sich nun mit einer Hand am Baum fest, machte einen kurzen Klimmzug und verschob den Riemen zur Astgabel. Nun war wenigstens die Gefahr des Abrutschens gebannt. Nun kam es drauf an, dass die Riemen und die Naehte an der Tasche hielten.

„Ich bin verletzt“ jammerte er. „Ich habe einen grossen Riss im Oberschenkel.“

Ich schaute hinunter und konnte das Blut wirklich sehr schnell tropfen sehen. Da es nicht spritzte, war wohl keine Arterie verletzt.

„Hoer mir“ zu rief ich, „Bewege dich so wenig wie moeglich, ich versuche was zu finden, woran du hochklettern kannst.“

Ein Seil hatten wir ja leider nicht dabei und so lief ich vorsichtig bis der Pfad nach rechts abbog und sich von der Schlucht entfernte. Dort wuchsen Baeume und ich hatte bald was geeignetes gefunden, Aber ich hatte keine Machete. Die hatte Ponyong! Hoffentlich ist die beim Sturz nicht runter gefallen, dachte ich mir. Ich lief also zurueck und fragte ihn nach der Bolo.

„Die haengt noch an meinem Guertel,“ beantwortete er meine Frage. „Soll ich sie hoch werfen?“

„Nein, wenn ich sie verfehle ist sie weg, und das koennen wir uns nicht leisten,“ antwortete ich. Ich schau mal ob ich eine Liane oder so was aehnliches finde.

Ich fand zwar keine Liane, aber ich fand einen realtiv jungen Bambusbusch, von dem ich mit meinem Taschenmesser zwei lange Ruten abschnitt. Das hiess ich kerbte sie ein und brach sie dann ab. Diese beiden Stangen band ich mit meinem Guertel zusammen und so war die entstandene „Stange“ hoffentlich lang genug. Ich ging zurueck zu Ponyong und legte mich auf den Bauch. Dann liess ich meine Bambusrute langsam zu ihm hinunter. Es reichte gerade. Ponyong band die Bolo mit der Schnur, die er sonst um die Huefte geschlungen hatte fest und ich zog dann die Machete vorsichtig nach oben. Bald hielt ich das grosse Messer in der Hand und ging zu dem Baum, den ich vorher ausgewaehlt hatte. Ich hackte den Baum um und entastete ihn, wobei ich aber 10-15 cm lange Enden liess zum fest halten. Dann schleppte ich das „Geraet“ auf den Pfad.

Nun ueberlegte ich krampfhaft, wie ich das zu ihm runter bringe und befestigen konnte. Ein wenig seitwaerts versetzt zu Ponyongs Position sah ich einen etwa 20 Zentimeter tiefen und 10-15 Zentimeter breiten Spalt im Fels. Ich liess den Baum mit der Spalte als Fuehrung langsam nach unten.

„Halt“ kam ein Schrei, „ich kann den Stamm erreichen.“

„Warte“ rief ich zurueck, „ich muss das Ding noch befestigen.

Mit einem grossen Stein „haemmerte“ ich den Stamm in die Spalte. Das Holz splitterte recht und links etwas aus, aber der Stamm, der nun noch etwa zwei Meter ueberstand, schien fest zu sitzen. Ich stellte mich mit dem Ruecken zur Felswand und hielt den Stamm an den uebergelassenen „Griffen“ fest.

„Ok“ rief ich, „besser bring ich es nicht hin.“

Kurz darauf begann der Baum zu wackeln. Ich konnte nicht schauen, da ich ja versuchte den Baum auf mich zu zu ziehen um ihn in der Spalte zu halten. Es dauerte etwa 10 Minuten und obwohl der Baum wackelte, konnte ich ihn halten und endlich sah ich Ponyongs Kopf an der Felskannte erscheinen. Zwei Minuten spaeter lag er ausgepumpt auf dem Weg. Mir fiel ein Stein vom Herzen, dass es gut ausgegangen war. Zehn Minuten spaeter fuehrte ich Ponyong zum Beginn des Waldes und dort band ich sein Bein mit meinem Guertel ab und wiess ihn an alle 30-40 Minuten den Knebel zu lockern, damit das Blut fliessen kann und danach wieder abbinden. Dann  baute ich ihm aus Zweigen einen provisorischen Regenschutz und machte mich auf den Weg nach Bel-at.

Als ich einige Stunden spaeter in Bel-at ankam, war es bereits am daemmern. Wir wuerden wohl in der Dunkelheit zurueck laufen muessen.

Ich erzaehlte Alex die Geschichte und der trommelte einige Maenner zusammen. Aus zwei Stangen und zwei Reissaecken bauten wir eine provisorische Trage, denn schliesslich mussten wir Ponyong zurueck nach Loreto bringen.

Anschliessend assen wir noch etwas zu abend und packten auch fuer Ponyong und uns alle noch einiges ein.

Als wir uns auf den Weg machen wollten, kam der Polizeichef und teilte uns mit, dass der Buergermeister mich unverzueglich sehen wollte.

Fortsetzung folgt

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