Positive Erlebnisse (Teil 2)

4. Der Augenarzt

Mein Schwager wollte seine Diagnose (Retina Pigmentosa, eine genetisch bedingte und sich schnell entwickelnde Erblindung, die er eigentlich seit über 10 Jahren kennt) einfach nicht wahrhaben. Kenne das ja auch von anderen Krankheiten und Patienten, die sich an die Lippen jedes Betrügers klammern, der ihnen Hilfe verspricht. Also fuhren wir mit ihm zu einem „Wunderdoktor“ bzw. wir wollten es, denn den gab es inzwischen gar nicht mehr. So suchte ich ihm im Internet einen „Retina“-Spezialisten. Es war bereits aus dem Internet erkennbar, dass dieser in den USA studierte Arzt einfach gut sein muss. Der Arzt befragte und untersuchte ihn. Er gab seinem Assistenten den Auftrag, die Retina zu fotografieren. Danach wollte er uns das Ergebnis erläutern.

Nicht nur dass er das Ergebnis perfekt in englischer Sprache erklärte, er versuchte mit aller Einfühlsamkeit, uns die Auswirkungen zu erklären. Also beide Elternteile mussten demnach den genetischen Defekt bereits haben, das war uns neu. Auch das Bild der Netzhaut lies erkennen, dass die Stäbchen zu ca. 95% abgestorben sind. Leider gibt es keine Heilung oder Operation, die das ändert. Der Arzt sagte noch wie leid es ihm tut. Seine eigene Cousine bat ihn auch um Hilfe wegen der Diagnose, aber auch der kann er nur Hoffnung auf eine Stammzellen-Therapie oder ein Retina-Implantat (elektronische Platte, die Stromimpulse an den Sehnerv überträgt) machen.

Aber für beide Wege braucht man Geduld und Hoffnung, dass es überhaupt soweit kommt. Und was war ausser der absoluten Kompetenz das Besondere an diesem Arzt, weshalb ich diese Erfahrung hier überhaupt erwähne? Während der rund 3,5 Stunden in der Praxis, ist mir nicht ein einziges mal aufgefallen, dass Geld gewechselt wurde. Als ich dann fragte wo man bezahlen kann, wurden wir dezent auf die „Zahlstelle“ verwiesen und das in einem Land, wo einen normalerweise nur die „Vorkasse“ in die Behandlung bringt.

Und dann der Hammer: die Voruntersuchung (Assistentin ca. 20 Minuten), die Computer-Fotografie (mit 3 farbigen A4-Ausdrucken und 30 Minuten Assistentenzeit), sowie die Untersuchung und die Beratung durch den Spezialisten kosteten zusammen gerade mal 550 Pesos.

5. Der Zahnarzt

In Deutschland wollte mir ein Zahnarzt eine Krone machen und setzte mir aber zunächst ein Provisorium ein. Der Kostenvoranschlag für diese Teilkrone sah Kosten in Höhe von 360 Euro vor, die die Krankenkasse so aufteilen wollte: 130 Euro die GKV, 230 Euro Eigenanteil. Da aber ohnehin ein Philippinenurlaub anstand, machte ich zunächst gar nichts. Als ich dann im August 2007 im Urlaub war und wir eine Reise nach Bohol (Nachbarinsel) machten, bekam ich plötzlich Schmerzen am Zahn. Man empfahl mir die Dentalclinic von Dr. Yap in Tagbilaran.

Als ich dort war, sagte er mir, um eine Aussage machen zu können, müsse er ein Röntgenbild anfertigen. Ich wollte schon aufstehen um zum Röntgen zu gehen, als er einen Apparat von der Decke zog, mir die Bleischürze über den Körper legte und im Behandlungsstuhl die Aufnahme anfertigte. Er schaute es an und meinte, dass er das behandeln kann, es aber länger dauern würde, als ich auf Bohol sei. Aber ich könne das Röntgenbild mitnehmen und mich dann in Cebu oder wieder in Deutschland behandeln lassen. Er könne mir aber gegen die Schmerzen Tabletten geben und würde darüber hinaus eine Zahnsteinentfernung und Zwischenraumreinigung empfehlen.

Aha – jetzt will er das wegen der zeitlich nicht durchführbaren Behandlung ausgefallene Geld ziehen – dachte ich! Also was kostet denn das? 250 Pesos für das x-ray und seine ärztliche Beratung, 400 Pesos für die Zahnsteinentfernung. Für das Geld bekommst Du in Deutschland nicht mal einen Gruß! Also lies ich den Zahnstein, von seinen Assistentinnen mit Ultraschall und sehr einfühlsamen Händen entfernen. Und tatsächlich es war Ruhe, keine Schmerzen mehr, bis letzte Woche. Also fragte ich die Lehrerin unserer Kinder, von der ich wusste, dass sie mit dem Nachbarmädchen wegen Einstellung der „braces“ bei einer Zahnärztin in Cebu war, nach deren Adresse. Schliesslich muss unser Sohn auch eine Spange bekommen, wofür der deutsche Kieferorthopäde eine astronomische Summe von 2.100 Euro Eigenanteil (!) veranschlagte. Also gingen wir zur Dentistin in Cebu.

Meine Behandlung dauerte eineinhalb Stunden: Zahnsteinentfernung, Polieren, Füllung erneuern. Kosten: 550 Pesos. Wenn das mal zwei Jahre hält, dann hat diese Version die deutsche und teurere Lösung, um Längen geschlagen!

6. Der Polizist

Wir waren mit dem Auto in Cebu unterwegs, um verschiedene Erledigungen zu verrichten. Meine Frau zeigte nach vorne und meinte noch da „vorne links“, da war ich auch schon eingeordnet: nämlich links. Das war aber falsch, denn sie meinte die „nächste“ links. Klar, ist ja auch logisch oder nicht? Nun zurück in die Spur konnte ich nicht, so blieb eigentlich nur ein Weiterfahren, da der Mittelstreifen aus einer Barriere bestand. Also fuhr ich vor bis zur nächsten Kreuzung, um dann mit der nächsten 180° Drehung einen neuen Versuch zu starten. Doch da stand es: „NO U-turn“. „Da kann ich nicht zurück!“ meinte ich noch, doch wie war das mit Adam und Eva? Noch bevor er antworten konnte, hatte er schon in das Ding gebissen, der Rest ist Geschichte …

Und nachdem ich mich durch die abbiegenden Taxis gequetscht hatte, da stand er denn, MEIN Polizist in blau. Winkte, lachte, oh Mist – auch das noch! Irgendwie versuchte ich auch zu lachen und vor allem: freundlich zu bleiben. „Ja, der U-turn das war nicht gut“, gab ich gleich zu. Er wollte meinen Führerschein, ich gab ihm meinen „Internationalen“. Er blätterte zum Bild hin, lachte los und meinte „a nice guy“. Ja, ja vor 20 Jahren war ich mal knackig, frisch und gesund. Das Landratsamt sagte vor 3 Monaten nur was von Passbild, weniger von dessen Alter.

Also der Mann mit der blauen Tracht meinte dann noch was mit „Please drive careful“ und dass ich künftig einen umgeschrieben Führerschein bräuchte. Recht hat er, waagrecht und senkrecht! Von wegen alle Polizisten sind korrupt und öffnen den aufzufüllenden Geldbeutel, sobald sie eine „Langnase“ erblicken… War alles in allem, eine sehr positive Erfahrung.

Auch wenn man versucht nicht alles an einen ranzulassen, ab und an geht einfach der Gaul mit Dir durch. Aber nach über einem Jahr habe ich schon viel Gelassenheit gelernt, aber auch gesehen, dass manches was in Urlauben problemlos funktioniert, nicht auf den Daueraufenthalt übertragbar ist.

Zusammengefasst sehe ich die positiven Dinge der Philippinen so:

– tolles Klima ohne große Temperaturschwankungen
– das gesundheitliche Empfinden ist viel besser
– die meisten Menschen regen sich nicht wegen Kleinigkeiten auf
– das (meist) natürliche Lächeln
– viel weniger Regeln
– die Lebenshaltungskosten
– Wegfall der deutschen „Erledigungen“
– das Leben und Lebenlassen
– die Ladenöffnungszeiten, auch Sonntags

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