„Schutzengel“ Geschichten

Man sagt ja im allgemeinen, dass Kinder einen Schutzengel haben und oftmals aus eigentlich toedlichen erscheinenden Situationen lebend heraus kommen. Meine Kinder bildeten da keine Ausnahme und hatten so ihren Anteil an Situationen, bei denen mir fast das Herz stehen blieb. Im nachhinein wundere ich mich immer, wie  so etwas ueberhaupt ueberlebt werden kann und ob Kinder nicht wirklich „Schutzengel“ haben.

Hier moechte ich nun einige „Schutzengel“ Geschichten von meinen Kindern erzaehlen:

Manny als „Supermann“

An einem Samstag Morgen im Oktober 1982 waren wir alle sehr beschaeftigt in unserer Farm um die Auslieferung nach Cagayan vorzubereiten. Im Hof waren mindestens 20 Menschen, die Gemuese wuschen, putzten, in Zeitungspapier einwickelten und in Koerbe verpackten. Immer wieder brachten Traeger von den Feldern saecke- und koerbeweise Gemuese hoch. Um 11 Uhr musste alles fertig sein, damit wir rechtzeitig in Cagayan ankommen wuerden, denn wir hatten auch Gemuese, das weiter nach Cebu verschifft werden sollte, und vor sechs Uhr auf dem Schiff sein musste.

Es war gegen zehn Uhr, als der Jeepney, den wir kontaktiert hatten ankam. Im Inneren sassen etwa zehn Menschen, denen es nichts ausmachte, dass sie nun warten mussten, bis wir fertig waren und verladen hatten. Unsere Kinder spielten im Hof und auch auf der Strasse. Da es dort oben kaum Verkehr gab, sahen wir das als nicht sehr gefaehrlich an, hatten ihnen aber eingetrichtert, dass sie sofort von der Strasse gehen muessen, wenn ein Fahrzeug kommt.

Von oben – es ging zu uns von Kibangay kommend bergab – kam ein grosser schwerer LKW voll mit Gemuese von den verschiedensten Farmern beladen. Der Truck fuhr etwa 50km/h und schwankte in der oberen Kurve. Ploetzlich ging ein Aufschrei durch die Menschen im Jeepney und der Truck machte eine Vollbremsung, schlitterte aber fast „ungebremst“ auf dem kiesigen Untergrund der unbefestigten Strasse weiter. Da der Jeepney zwischen Haus und Strasse stand, konnten wir nicht sehen was dort vorging. Ich rannte zur Strasse, der Truck schlitterte immer noch wurde aber langsamer und die Menschen schrien noch immer. Da sah ich Manny mitten auf der Strasse stehen. Er hatte die Arme ausgestreckt und die Handflaechen nach vorne gewandt, als ob er den Truck aufhalten wollte. Der Truck schlitterte auf ihn zu. Ich war wie gelaehmt. Etwa einen halben Meter vor Manny kam der Lastwagen endlich zum stehen. Mir rutschte das Herz in die Hosen im wahrsten Sinne des Wortes. Ich rannte auf die Strasse schnappte ihn mir und haute ihm mehrere Male mit der flachen Hand kraeftig auf den Hintern. Er weinte natuerlich und mir tat es hinterher leid.

Spaeter erklaerte er mir, dass er am Vortag ein Supermann Cartoon gesehen hatte, in dem Supermann einen LKW auf diese Weise stoppte.

Fast eine Wasserleiche

Mitte 1996 machten wir einen Ausflug nach Quezon in Bukidnon. Es gab oder gibt dort einen alten „Resort“, in dem man auch in entsprechend alten Pools baden kann. Die Becken sind an den Randern und am Boden mit Natursteinen gebaut worden und werden von „Gebirgsbaechen“ gespeisst. Es gibt dort einige kleine Wasserfaelle und alles ist unter riesigen alten Urwaldriesen angelegt, unter denen es angenehm kuehl ist.

Wir kannten dieses „Resort“ nicht, aber Freunde hatten uns davon erzaehlt und so fuhren wir hin. Fuer unsere beiden Kleinen war das natuerlich ein Riesenspass. Sie kletterten bei den Wasserfaellen herum und schwammen in den Pools. Natuerlich gab es auch ein entsprechendes Picknick und es schmeckte allen sehr gut.

Spaeter am Nachmittag schoss es mir ploetzlich siedend heiss durch den Kopf: „Wo ist Marion?“ fragte ich mich. Eine Nachfrage bei meiner Frau ergab nichts und Manuel, der bei uns in der Naehe spielte, sagte sie war schwimmen gegangen. Ich lief zum Pool konnte sie aber nirgendwo sehen. Ich lief am Rand des Pools entlang und rief nach ihr…..keine Antwort. Ploetzlich sah ich einen gelben Fleck auf dem Boden des Beckens.  (Marion trug einen gelben Badeanzug) und bei naeherem Hinsehen, sah ich einen dazu gehoerigen Koerper. Ich zoegerte keine Sekunde und sprang ins Wasser. Innerhalb von wenigen Sekunden hatte ich sie an der Oberflaeche. Meine Frau kam gerannt und als der leblose Koerper am Beckenrand lag reagierte sie total hysterisch. Ich wollte Wiederbelebung machen, aber sie hielt den Koerper Marions weinend fest. Endlich gelang es mir Marion aus ihren Armen zu zerren und ich drehte ihren Koerper um das Wasser aus den Lungen laufen zu lassen. Dann machte ich Mund zu Mund Beatmung einschliesslich Herzmassage und nach etwa fuenf Minuten begann Marion zu husten. Eine Stunde spaeter war sie wieder in Ordnung, aber sie mied das Wasser in der Zukunft. Sie wusste ueberhaupt nicht was passiert war und warum sie fast ertrunken waere.  Erst im Alter von etwa 16 Jahren begann sie wieder schwimmen zu gehen.

Ich fragte mich nur, welcher „Schutzengel“ mich ploetzlich hatte aufspringen lassen um nach Marion zu suchen.

Guppies im Abwasserkanal

In den spaeten 90er Jahren hatten wir ein Appartment in Carmen, Cagayan de Oro wegen der Schule der Kinder. Vor dem Haus floss ein offener Abwasserkanal der sehr „kleinen Sort“ vorbei. Das findet man ja oft auf den Philippinen, dass Kanaele nicht von der Stadt gebaut werden, sondern vom Viertel oftmals auf einfachste Art und Weise erstellt werden.

Ob man es nun glaubt oder nicht, in diesem Kanal lebten Guppies, denen das „Dreckswasser“ nichts auszumachen schien. Die Maennchen waren von extremer Farbenpracht und die Buben aus der Nachbarschaft gingen regelmaessig auf Guppyjagd. Und mein Sohn Manuel war natuerlich immer mit dabei.

In jener Zeit wollte man den Kanal ausbauen und hatte zumindest begonnen die Seitenwaende aus Hohlblocksteinen zu mauern. Aus Geldmangel ging der Bau nur schrittweise vorwaerts und so waren die Seitenwaende nur teilweise gemauert worden und aus diesen halbfertigen niedrigen Mauern standen die Rundeisen hervor.

Ich war unten im Sari-Sari Store als mein Sohn und seine Kameraden mal wieder beim Guppy fangen waren. Ich konnte ihre Aktionen vom Store aus verfolgen. Ploetzlich rutschte mein Sohn und viel nach vorne in Richtung eines der Rundeisen, das nun genau auf seine Achselhoehle „zielte“. Mir blieb mal wieder das Herz stehen, denn wenn das Eisen sich in Manuels Achselhoehle boren wuerde, dann waere es wohl vorbei mit seinem jungen Leben. Ich hoerte ihn schreien und im Fallen drehte sich sein Koerper, und das Rundeisen schrammte ihm ueber die Brust. Als er aufstand hatte er nur eine haessliche Schramme quer ueber der Brust, aber war ansonsten unverletzt. Ich behandelte das mit Jod und frgate ihn dabei, ob er sich bewusst im Fallen gedreht haette. Er meinte, dass er gar nicht daran gedacht haette, als er ploetzlich eine „Art“ Schubser bekam, der ihn in der Fallrichtung gedreht haette.

Es wird sicherlich Menschen geben, die die Existenz von „Schutzengeln“ bezweifeln, aber ich frage mich doch ernsthaft, ob es „so etwas in der Art“ nicht doch gibt. Meine Geschichten sind sicher nicht die einzigen, die man finden und lesen kann. Und dass sich solche Vorkommnisse gerade bei Kindern haeufen, duerfte unbestritten sein.

The End

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