„Skatabend“ im Edelweiss

Es war wohl 1992 gewesen und Lims Saeuberungen in Ermita waren noch ein Weilchen weg. Damals gab es viele europaeische Restaurants in Ermita und die meisten waren an der M.H. Del Pilar Street und deren Nebenstrassen gelegen. Da gab es die Swiss Hut, das Lily Marleen, das Altberlin, den Fischfang und natuerlich das Edelweiss vom Dieter. Dort habe ich eigentlich immer ganz gerne gegessen, obwohl ich gelegentlich auch in den Fischfang ging. Und gelegentlich ging dann auch mal ein Skatabend zusammen.

Begonnen hatte es nach dem Essen mit einem Kleiderschrank von Mann, der  auch ueberall taetowiert war und  der erzaehlte einige ganz tolle „Schauergeschichten“. Er lebte wie er sagte auf Boracay und hatte dort wohl ein kleines Resort oder Restaurant – so genau weiss ich das jetzt nicht mehr – und er schien sehr viel Aerger mit den Pinoys zu haben. An eine seiner Geschichten kann ich mich noch sehr gut erinnern:

Er hatte eine grosse daenische Dogge  (ich habe auch eine und kenne diese urgemuetlichen Riesenteile) und die Pinoys hatten natuerlich eine immense Angst vor diesem Hund, obwohl ich ja manchmal den Verdacht habe, dass Doggen gar nicht wissen, was beissen ist. Eines Tages war wohl wieder mal eine Aktion gegen ihn angesagt (wie wir wissen hatte er ja immer Aerger in der Nachbarschaft) und um die Pinoys ein fuer allemal von weiteren Aktionen gegen ihn abzuhalten, bastelte er sich etwas zusammen. Was es genau war oder wie er es gemacht hatte, sagte er nicht. Aber er erzaehlte uns den Effekt. Er ging also mit seinem Riesentier bei Fuss – die Dogge gehorchte auf’s Wort – und er hatte eine Leuchtstoffroehre in der Hand. Diese Roehre leuchtete und da stand nun der Kleiderschrank mit Hund und Roehre und schiss die Pinoys zusammen. Dabei wechselte er die Roehre von einer Hand in die andere und wenn immer er sie am Glas anfasste ging die Roehre aus und wenn er am Ende hinlangte ging sie an. Er machte den Filipinos weiss, er waere mit Elektrizitaet geladen und sobald er sie anfasse wuerden sie einen Stromschlag bekommen und sterben. Dabei drohte er dauernd einen der Leute anzufassen und die sprangen natuerlich erschreckt zu zurueck. Als er dann auch noch mit seiner „Stentorenstimme“ los bruellte, hatten die Filipinos die Schnauze voll und rannten. Sie rannten was das Zeug hielt und seitdem galt er als „Hexer“ und die Pinoys belaestigten ihn nie mehr. Das war also der eine Skatpartner.

Der andere war ein deutscher Geschaeftsmann, der von Thailand auf Urlaub rueber gekommen war, und der erzaehlte mir, dass er Jadewein (eine Pflanze mit gruenen Blueten) kaufen wuerde und wenn wir genug besorgen wuerden, dann koennten wir den nach Thailand exportieren zu ihm. Er gab mir eine Karte und bat, dass ich ihm ein Fax schicken solle, nachdem ich mich schlau gemacht hatte. Nun ich hatte mich in der Tat schlau gemacht und wir haetten Jadewein liefern koennen, aber ich bekam nie eine Antwort auf mein Fax und faxen war damals sehr teuer.

Und der dritte im Bunde war ich.

Ich hatte seit meiner Ankunft auf den Philippinen fuenf Jahre frueher nicht mehr Skat gespielt, aber es ist wie beim radeln, wenn man es mal kann dann kommt man in kuerzester Zeit wieder rein. Wir spielten auch nicht um Geld sondern einen sogenannten „Bierlachs“ wo der Verlierer eine Runde bezahlen musste. Der „Thailaender“ trank immer Chivas, der Kleiderschrank war mit Tanduay zufrieden und ich trank halt ein Bier, zumindest am Anfang, dann fand ich naemlich heraus, dass der Dietler Obstler hatte und die mag ich halt arg gerne.

Und so spielten wir und waren nicht gerade leise. Es wurde viel gebloedelt und wir lachten laut, so dass andere Gaeste sich beschwerten und wir umziehen mussten in den ersten Stock. Da waren wir dann alleine und stoerten niemand mehr.

Ueber kurz oder lang sind die Gespraeche natuerlich bei den Maedels gelandet, wobei mir der Kleiderschrank sehr unangenehm mit seiner vulgaeren Sprache auffiel. Auch dem „Thailaender“ gefiel das nicht und als ich mir erlaubte, etwas zu sagen, drohte mir der „Schrank“ auch gleich Pruegel an. Die vorher so gute Stimmung begann zu sinken, wobei die Sauferei natuerlich auch ihren Teil dazu beitrug. Als der Schrank zum ersten mal auch eine Runde bezahlen musste, wurde er wuetend und schmiss die Karten durch das Gastzimmer. Ich nahm das als Zeichen mich zu verabschieden und mit einem „Habe die Ehre meine Herren“ ging ich wieder nach unten. Der Skat war vorbei und oben hoerte man den „Schrank“ noch krakeelen. Der Dieter ging dann nach oben und nach etwa 20 Minuten kam er mit dem „Schrank“ nach unten und begleitete ihn zur Tuere.

Spaeter setzte er sich an meinen Tisch und erzaehlte, dass wenn immer der Typ nach Manila kommt es Stunk gaebe, und dass er dort in Boracay aeusserst unbeliebt sei. Er hatte mir auch den Namen gesagt, aber den habe ich vergessen.

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