Stromversorgung in Bukidnon

Es war im Jahr 1995 als wir endlich auch in Maagnao Strom bekamen. Ich kann mir heute gar nicht mehr so richtig vorstellen, wie ich von 1987 bis 1995 – mit Ausnahme des einen Jahres in Cagayan do Oro – immer ohne Strom leben konnte. Nachts hatten wir immer diese Kerosinlampen am brennen, die ja nun nicht allzuviel Licht geben. Wenn ich lesen wollte, zuendeten wir dazu noch einige Kerzen an. Und am Morgen waren dann die Nasenloecher schwarz vom Russ.

Aber damals war der Strom in Bukidnon nicht sehr stetig und ich will da einiges erzaehlen, was damals so vor gefallen war.

Der besoffene Mitarbeiter

Eines abends fiel bei uns der Strom aus. Nun das war an und fuer sich nichts ungewoehnliches und da er fuenf Minuten spaeter wieder anging, war ja alles okay. Aber nur fuer drei Minuten, denn fiel der Strom wieder aus. Vier Minuten spaeter war er wieder da. So ging das eine Weile und nach dem fuenften oder sechsten Ausfall wunderten wir uns schon ein wenig, insbesondere weil die Zeitspannen dazwischen kuerzer wurden. Das ging noch eine ganze Weile so weiter und am Ende flackerte das Licht wie in einer Disko. Da – weg – da – weg – da – weg – da……. nach etwa einer Stunde war dann der Zauber vorbei und wir hatten Ruhe fuer den Rest des Abends.

Am naechsten Morgen sprach ich mit dem Barangay Sekretaer, der mir aber auch nichts naeheres sagen konnte. An diesem Abend hatten wir wieder das gleiche Spiel. Wieder fiel der Strom im Sekundentakt aus und kam wieder.

Josef wollte dann am Morgen nach Malaybalay fahren und der Sache nachgehen. Als er am Nachmittag zurueck kam, meinte er nur, dass die Buseco die Angelegenheit untersuchen wollte.  Zwei Tage spaeter hatten wir immer noch nichts von BUSECO gehoert, aber das Spiel wiederholte sich jeden Abend.

Josef fuhr erneut nach Malaybalay nur um zu erzaehlen, dass in Zentrale von BUSECO keinerlei Vorkommnisse zu vermelden waeren. Und es gab ausser den Beschwerden aus Lantapan keinerlei Probleme. Wir unterhielten uns um die moeglichen Ursachen einzugrenzen. Als Josef die Substation in Aglayan erwaehnte und meinte die waere besetzt, da dort der Strom fuer verschiedene Bereiche in Bukidnon reguliert und hoch gespannt wird, meinte ich, dass man wohl dort mal checken sollte.

Das machte Josef auch am naechsten Abend und siehe da, das Problem war nach dem dritten Ausfall des Abends vorbei. Wir hatten keine Lichtspiele mehr.

Am naechsten Morgen erzaehlte Josef, dass die BUSECO vor einigen Wochen einen neuen Mitarbeiter fuer den Nachtdienst dort eingestellt hatte. Der war ein „stadtbekannter Saeufer“ aus Aglayan und wenn er abends voll war, spielte er mit dem Strom. Damit es nicht so auffiel, hatte er sich nur mit dem Schalter fuer Lantapan beschaeftigt.

Der Schreihhals

Wir hatten 1998 wiederholt Stromausfaelle, die zum Teil etliche Stunden andauerte. Als ich mit Josef drueber sprach, meinte er: „Ja, das liegt daran, dass die Leitungen durch viele Baeume und Buesche laufen und wenn es windig wird, dann scheuern die Leitungen und werden blank. Dann gibt es immer wenn es weht Ausfaelle und Kurzschluesse und wenn es stark blaest reissen auch oefter Leitungen. Bis dann der Reparaturtrupp aus Malaybalay kommt und die schadhaften Leitungen auswechselt, dauert es halt einige Stunden.“

„Und warum entfernt man die Baeume und Buesche nicht?“ fragte ich.

„Keine Ahnung, ich werde es bei Gelegenheit mit Herrn Gonzales ansprechen.“ Der war erst einige Wochen vorher zum neuen Praesidenten der BUSECO gewaehlt worden. Josef machte dann in der Tat den Herrn Gonzales auf die Maengel aufmerksam, und der versprach fuer Abhilfe zu sorgen.

Einge Wochen vergingen aber die Stromausfaelle hielten sich hartnaeckig und wenn immer ich nach Cagayan de Oro fuhr, beobachtete ich die Stromleitungen entlang der Strecke zwischen Aglayan und Maagnao. Aber da aenderte sich nie etwas und die Leitungen fuehrten nach wie vor durch Baeume und Buesche.

Einige Wochen spaeter war ich in Lantapan auf der Gemeinde und dort wurde mir der Herr Gonzales vorgestellt, der zufaellig auch dort wahr. Wir unterhielten uns und nach einer Weile sprachen wir auch ueber die Stromausfaelle. Zu den Baeumen und Bueschen befragt meinte er, dass das von mir vorgeschlagene Abschneiden nichts helfen wuerde, da die Leute ja wieder neu pflanzen wuerden. Darauf hin sagte ich folgendes:

„Aber in Europa ist es nicht erlaubt in einer Entfernung von 15 Metern rechts und links von Stromleitungen Baeume und Buesche zu pflanzen.“

Um Gottes Willen, wie konnte ich mir das erlauben, denn nun bruellte Gonzales los, so wie ich noch nie zuvor jemand hatte bruellen hoeren:

„Wir sind hier aber nicht in Europa und wenn dir das nicht passt, dann kannst du ja wieder nach Deutschland zurueck, dann musst du dich auch nicht mit Stromausfaellen ‚rum aergern. Ueberhaupt sollte man das ganze Auslaendergesindel zum Teufel jagen. Die brauchen wir hier nicht!“ Seine Stimme ueberschlug sich dabei.

Ich entschuldigte mich (obwohl es nicht von Herzen kam, ich wollte einfach nur den Idioten ruhig stellen) und ging.

Der Antrag

Als wir damals Strom bekamen, mussten wir natuerlich fuer eine Verbindung einen Antrag stellen. Das machten wir und danach mussten wir auch noch an einem Seminar teilnehmen. Das machte ich, weil mich so ein Seminar echt mal interessierte.

Als ich dort in Malaybalay fuer das Seminar ankam, hatte ich eigentlich die Erwartung, dass er von den Gefahren der Elektrizitaet warnen wuerde und auf Erdung hinweisen wuerde und lauter so „ernsthaftes Zeug“. Pustekuchen! Er begann mit einer Begruessung um dann sofort ueber das Stromsparen zu sprechen. Nun einige der Dinge machten ja auch Sinn, die er da so erzaehlte, aber anderes eben nicht:

Wenn man einen Fernseher hat, dann schaltet man den am besten nicht ein, denn dann verbraucht man auch keinen Strom. Wie wahr, wie wahr!

Dann fragte er, wer schon einen Kuehlschrank haette und einge meldeten sich. Ich nicht. Dann meinte der „Herr Oberlehrer“, dass es gut waere, den nicht so voll zu packen, dann verbraucht man auch weniger Strom. Aber am besten waere es jeden Tag zum Markt zu gehen und frische Lebensmittel zu kaufen, dann braeuchte man auch keinen Kuehlschrank und wuerde nicht nur die Stromkosten sparen, sondern auch die Anschaffung.  Ach wie recht der Gute doch hatte.

Er riet auch vom Kauf von Klimaanlagen  und allen anderen Elektrogeraeten ab. Strom braeuchte man eigentlich nur fuer das Licht.

Am Ende des Seminars verlangte ich ihm meinen Antrag mit folgenden Worten zurueck: „Ich habe es mir ueberlegt. Wir brauchen doch keinen Strom. Sie haben es uns ja allen gesagt, wie unnoetig das ist.“

Ihm „entgleisten“ die Gesichtszuege, der Unterkiefer klappte runter und er war sprachlos. Ich drehte mich wortlos um und ging.

Als BUSECO eine Woche spaeter begann den Strom anzuschliessen wurde er auch bei uns installiert. Meiner „Bitte“ um Nichtanschluss war  nicht nachgekommen worden.

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4 Comments
  • MIC
    Reply

    Was ich nicht verstehe, dass Du einen Stromanschluss bekommen hast den Du nicht wolltest, dich dann aber beschwerst, wenn der „ungeliebte“ Strom nicht da ist 😀

    Nimm es mir nicht übel – Ich konnte mir den Kommentar einfach nicht verkneifen 😉

    • Kai
      Reply

      Hallo MIC
      die „Ablehnung“ des Stromes war lediglich eine Verarsche des Typen, der dieses ach so tolle Seminar gehalten hatte. Ich hatte mich bei Herrn Gonzales auch nicht beschwert ueber die Stromausfaelle, sondern wir hatten darueber gesprochen und als ich eben diesen Vorschlag machte rastete der aus. Zudem liegen 3 Jahre zwischen den Ereignissen.
      Gruss
      Kai

  • Reply

    Das „Strom Seminar“ habe ich letztes Jahr auch besuchen müssen. Es dauerte einen ganzen Tag und kostete 30 Pesos.
    Der kleine Raum war voll. Die Präsentation wurde mit Videobeamer und riesigen Lautsprechern unterstützt.
    Nun, die erste halbe Stunde war Karaoke. Nett! Dann kamen die Stromsparmassnahmen an die Reihe.
    Pause! Es gab einen Beuteldrink und einen Beutelsnack. Dafür hatte man ja die 30 Pesos bezahlt.
    Dann wurde die Stromrechnung präsentiert mit allen ihren Feinheiten. Das dauerte gähnende 2 Stunden.
    Wieder Pause! Es gab wieder einen Beuteldrink und einen Beutelsnack. Und dann eine halbe Stunde Karaoke zur allgemeinen Freude.
    Am Schluss wurde dann noch die Organisation der Kooperative mit allen Namen und Titeln breit geschlagen.

    Von Sicherheit keine Spur!

    Dann ist noch zu sagen, dass die meisten Hütten bzw. Haushalte eine einzige Steckdose und eine einzige Lampe haben.

    • Kai
      Reply

      Karaoke gab es damals keine, auch die Rechnungen wurden nur mit einem Satz erwaehnt, schliesslich war das damals ja nicht „auf gebuendelt“, sondern kam mit einem Preis pro kw/h. Und am Ende wurde noch ueber die „Manager“ gesprochen, aber nur kurz und ganz sicher nicht erwaehnenswert. in 1 1/2 Stunden war das „Seminar“ vorbei. Im Prinzip ein Witz und in dieser Form absolut sinnlos.

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