Taxifahrt nach Surigao

Es war im Februar 2003 gewesen. Wie jedes Jahr war meine Immigrationgebuehr faellig und damals konnte man nicht bei jeder Immigration bezahlen, sondern musste dort hin, wo man gemeldet war. Ich war zwar nun seit vier Monaten permanent in General Santos und hatte mich auch dort auf der Immigration angemeldet, aber ich musste mich in Surigao, wo ich immer noch mit dem Hauptwohnsitz gemeldet war auch abmelden und die noetigen „Transferpapiere“ besorgen, was in diesem Falle hiess, Copien aller Unterlagen, die sich dort im Laufe der Jahre angesammelt hatten.  In unserer Zeit in Bukidnon war ich dort nur mit Zweitwohnsitz gemeldet, denn die Beamten auf der zustaendigen Behoerde in Cagayan de Oro waren eine einzige Katastrophe und korrupt bis auf die Knochen. Damals hatte mir Surigao diese Loesung vorgeschlagen. Der Imigrationbeamte in Gensan sah es etwas anders und wollte eben, dass ich mich dort mit dem Hauptwohnsitz melde.

Auf dem Weg nach Surigao hatte ich in Davao uebernachtet und bereits am Nachmittag mit einem Taxifahrer ausgemacht, dass wir am naechsten Morgen nach Surigao fahren, dort uebernachten und am folgenden Tag zurueck nach Davao. Der ausgemachte Preis waren 4000 Pesos plus Benzin fuer Hin- und Rueckfahrt. Der Taxifahrer besorgte noch am Nachmittag eine Genehmigung der LTO, damit wir unterwegs keine Problem bekaemen, da er sich ja ausserhalb der erlaubten Fahrstrecken bewegte.

Am naechsten Morgen machten wir uns recht frueh auf die Reise, da ich Nachtfahrten auch als Beifahrer nicht so gerne habe. Wir kamen zuegig voran, bis auf die Strecke zwischen Monkayo und Prosperidad, die damals eine einzige Baustelle war und das Fahren echt zur Qual machten. Aber es half nichts, wir mussten da durch. Ansonsten verlief die Fahrt voellig normal ohne eine einzige Kontrolle und wir kamen gegen 5 Uhr nachmittags in Surigao City an.

Ich uebernachtete im Tavern Hotel und der Taxifahrer bei Bekannten in der Stadt und wir machten aus uns morgens um acht beim Hotel zu treffen. Am Abend hoerte ich eine Weile den Musikdarbietungen im Hotel zu, machte einen Spaziergang durch die Stadt und war ansonsten frueh zu Bett gegangen.

Am naechsten Morgen war ich bereits gegen sieben Uhr aufegstanden und habe dann nach meinem „Kaffeefruehstueck“ auf den Fahrer gewartet, der auch puenktlich kam. Wir fuhren zur Immigration, aber da waren die Verantwortlichen noch nicht da. Wir mussten also bis neun Uhr warten bis die Herren sich in ihr Buero bequemt hatten. Ich bezahlte zuerst mal die jaehrlichen Gebuehren und bekam meine Quittung, als es dann aber um die Kopien fuer die Immigration stellte sich der Beamte quer.  Das ginge nicht und Gensan muesste die schriftlich anfordern. Nun sie wurden ja schon zwei Monate vorher schriftlich angefordert, ohne dass es je einen Reaktion gegeben hatte, und ich wiess freundlich darauf hin und legte eine Kopie vor. Nun ja, langer Rede kurzer Sinn, nach einem Telefongespraech mit Gensan wurden die Kopien gemacht, die ich dann immerhin mit dem stolzen Preis von zehn Pesos pro Stueck bezahlen durfte. Aber es waren ja nicht viele und ich war froh, dass ich sie hatte.

Gegen elf Uhr kamen wir dann endlich weg von Surigao. In Cabadbaran assen wir Lunch und fuhren weiter in Richtung Bayugan. Einige Kilometer vor Bayugan hielt uns die LTO an um zu kontrollieren. Neben den ueblichen Papieren zeigte der Fahrer auch die LTO Genehmigung fuer den Trip nach Surigao vor. Und nun begann es; die LTO Beamten meinte, dass die Genehmigung nur fuer die Hinfahrt gelten wuerde, obwohl drin stand, dass sie fuer hin und zurueck galt. Aber hier argumentierte die LTO, dass eine Genhmigung nur einfach ausgestellt werden duerfe.  Und wir haetten eine neue von Surigao benoetigt. Daher muessten wir nun 3000 Pesos Strafe bezahlen. Man koenne es aber auch mit 500 Pesos so unter dem Tisch regeln. Wir weigerten uns irgendwelche Bestechungsgelder zu bezahlen und ich schrieb mir die Namen der LTO Mitarbeiter auf und machte Fotos von ihnen sowie ihrem Fahrzeug, was sie erboste und sie bestanden darauf, dass ich ihnen das Handy geben muesse. Das machte ich natuerlich nicht und sagte klar ohne einen „Fight“ wuerden sie es nicht bekommen. Einer der Beamten winkte dann ab und nachdem sie dem Fahrer eine vorlaeufige Fahrerlaubnis ausgestellt hatten – den Fuehrerschein hatten sie kassiert – durften wir weiter. Ich wies noch einmal nachdruecklich drauf hin, dass ich mich bei der naechsten LTO Stelle beschweren wuerde, was sie mit einem Lachen quittierten.

Wir fuhren weiter und in Bayugan erkundigten wir uns nach der LTO in der Annahme, dass das die zustaendige LTO sei. Der Boss war nicht da und so mussten wir eine Stunde warten. Als er kam und wir den Vorfall schilderten wurde er sehr boese auf seine Kollegen, die aber von der LTO in Butuan waren. Er rief ueber Funk an und fragte nach, aber da hatten die Leute ihren Standort schon verlassen und waren auf dem Weg nach Butuan. Sie sagten, wenn wir den Fuehrerschein wollten, muessten wir nach Butuan kommen und die Strafe bezahlen. Nun war der Leiter erst recht sauer und rief deren Boss in Butuan an. Auch der war ueber diese Bestechungsaufforderung nicht gluecklich und versprach, die Leute sofort mit dem Fuehrerschein nach Bayugan zu schicken.

Eine knappe Stunde spaeter rief er an und sagte seine Mitarbeiter seien auf dem Weg und wuerden den Fuehrerschein bringen. In der Tat tauchten die drei Leute eine Stunde spaeter auf und uebergaben den Fuehrerschein mit wortreichen Entschuldigungen dem Fahrer. Mich uebersahen sie vollkommen und ignorierten mich. Der Boss vom LTO intervenierte nun seinerseits und zwang die drei sich auch bei mir fuer ihr Fehlverhalten zu entschuldigen, was die drei aber partout nicht machen wollten. Als der Chef Druck machte, winkte ich ab und meinte, dass eine Anzeige bei der Polizei moeglicherweise mehr Erfolg haben koennte. Das beeindruckte die drei auch nicht weiter und so bedankten wir uns beim Boss der LTO und fuhren weg, um sofort die dortige Polizeidienststelle aufzusuchen.

Auf der Polizei wurden wir nach dem Erzaehlen der Geschichte an den Chef verwiesen, der sich nochmals alles anhoerte und die Beamten anwies, alles aufzunehmen. Nach der Aufnahme bekamen wir eine Kopie des Auszuges aus dem „Police Blotter“ und machten uns auf den Weg.

Es war bereits 10 Uhr abends als wir endlich in Davao ankamen. Ich bedankte mich beim Fahrer und gab ihm noch ein Trinkgeld. Dann trennten sich unsere Wege.

Drei Monate spaeter las ich dann in der Zeitung, dass eben jene drei LTO Mitarbeiter erschossen worden waren und die NPA (New Peoples Army) die Verantowrtung auf sich nahm und aussagte, dass die drei wegen wiederholter Korruption von einem ordentlichen „Volksgericht“ zum Tode verurteilt worden waren.

So etwas hatte ich natuerlich nicht erwartet…..

The End

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2 Comments
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    Das sind ja echt komische Sitten dort, dass man eine Erlaubnis für die Fahrt benötigt und dann auch noch Bestechungsgeld zahlen sollte. Ich bin geschockt!

    • Kai
      Reply

      Wenn ein Taxi oder ein Jeepney ausserhalb der zugeteilten Gebiete faehrt, benoetigt man eine besondere Erlaubnis. Mit einem Privatwagen kann man ueberall hinfahren.
      Dass Korruption in den Philippinen auf allen Ebenen gang und gaebe ist, sollte eigentlich allgemein bekannt sein und niemanden schocken. Es wird halt sehr offen gehandhabt mit der Bestechung dort.

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